Kreditkrise
Finanzinnovationen sind schwer totzukriegen

Durch die Kreditkrise sind Innovationen in Verruf geraten. Aber selbst wenn heute einfache Produkte in Mode sind, sind auch die Innovationen schon wieder zurück. 2010 verspricht ein gutes Jahr für gewiefte Finanzingenieure zu werden. Die Innovationen können dabei helfen, Probleme zu lösen, Investoren sollten sich allerdings vor aggressiven Konstrukten hüten.
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Die trüben Nachrichten 2009 eröffneten dem Markt die Chance, eine neue Seite im Buch der leidigen Finanzinnovationen aufzuschlagen. Der Kreditboom war durch ein Übermaß an cleveren Produkten gekennzeichnet, die auch zu seinem Niedergang führten, als sich mit dem Ende der guten Zeiten herausstellte, wie giftig die Konstrukte in Wirklichkeit waren. In der Folge suchten Anleger den Weg zurück zu einfachen und konservativen Finanzangeboten.

Richtig tot waren die innovativen Anlageformen aber nie. Im Mai brachte Credit Suisse einen langfristigen Swap auf den Markt, mit dem Unternehmen einen Teil des Risikos abwälzen können, dass ihre anspruchsberechtigten Pensionäre länger leben als erwartet. Dann kam die britische Lloyds Banking Group mit einer bedingten Wandelanleihe (Contingent Convertible Bond) heraus. Die sogenannten CoCo-Bonds werden automatisch zu Aktien, wenn die emittierenden Banken in Schwierigkeiten geraten.

Diese Innovationen sind eher harmlos als gefährlich für Investoren. Und es gibt Spielraum für weitere gute Angebote. Der heilige Gral 2010 wird ein CoCo-Bond sein, der so klar konstruiert ist, dass er auch für Durchschnittsanleger interessant ist. Ein liquider Markt für solche abgesicherten Wertpapiere könnte sicherere Bankgeschäfte ermöglichen, die dennoch kaum weniger profitabel sind.

Auch der Markt für Unternehmensanleihen könnte ein bisschen Kreativität gebrauchen. Unternehmen, die zu klein oder zu risikobehaftet sind, um am Rentenmarkt Kapital aufzunehmen, haben oft auch Probleme Kredite von Banken zu erhalten. Mit einem Produkt, das es Anlegern außerhalb des Bankensektors ermöglicht, überschaubare Kreditrisiken zu übernehmen, wäre beiden Seiten gedient.

Traurig nur: Wenn die guten Innovationen 2010 florieren, werden auch ihre gefährlichen Brüder kaum in Schach zu halten sein. Wenn Anleger erst einmal bereit sind, mit komplizierten Produkten zu experimentieren, werden die Finanzdesigner glücklich sein, immer neue Konstrukte zu offerieren. Natürlich werden sie dabei auch höhere Renditen versprechen bei gleichzeitig geringeren - offensichtlichen - Risiken, denn darin liegt ja gerade der Reiz der Finanzalchimie.

Die Renditegier, die während der guten Zeiten wild wucherte, taucht bereits wieder auf und mit ihr die Akzeptanz von Finanzinnovationen. Im Dezember gelang es dem italienischen Telekomkonzern Wind eine Payment-in-Kind-Anleihe unterzubringen, bei der der Emittent die Zinsen statt in bar mit neuen Schulden bezahlt. Es war die erste PIK-Anleihe, die seit zwei Jahren an den Markt gebracht wurde.

Die Kreditspreads sind wieder deutlich zusammengeschrumpft; der Markit iTraxx Crossover Index, der überwiegend hochrentierliche Papiere enthält, hat sich verglichen mit seinem Hoch bei mehr als 1.100 Basispunkten inzwischen wieder auf 480 Basispunkte verringert. Bleiben die Bondrenditen gering und die Liquidität hoch, werden auch die forderungsbesicherten Wertpapiere (Collateralised Debt Obligations), die nachrangigen Unternehmensanleihen (Subordinated Corporate Debt) und andere strukturierte Produkte wieder auftauchen. Investoren sollten sich in Acht nehmen - werden alle Warnungen aber wohl wieder in den Wind schlagen.

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