Krise der Autoindustrie
US-Autobauer an der kurzen Leine

Die US-Gesetzgeber wollen den um das Überleben kämpfenden amerikanischen Autobauern nur mit 15 Mrd. Dollar aus bereits zugesagten Mitteln unter die Arme greifen. Das sind 44 Mrd. Dollar weniger als die Großen Drei angestrebt hatten. Damit können sie bis März durchhalten, und dann wird Detroit das Problem des nächsten US-Präsidenten Obama sein. So wie sich die Autohersteller in der Vergangenheit verhalten haben, wird es vielleicht das Beste sein, sie an der kurzen Leine zu halten.

Der US-Kongress hat die Probleme Detroits vertagt. Die Gesetzgeber wollen nur 15 Mrd. Dollar an Krediten aus einer Summe von 25 Mrd. Dollar bereitstellen, die sie schon im vergangenen Jahr bewilligt hatten, um die Großen Drei beim Bau umweltgerechterer Autos zu unterstützen. Das ist um einiges weniger als die 59 Mrd. Dollar, die die Autoproduzenten insgesamt gefordert hatten. Der Kredit soll ihnen auch nur das Überleben bis Ende März sichern. Dann werden sie ohnehin das Problem des nächsten US-Präsidenten Barack Obama sein. So wie sich die Autohersteller in der Vergangenheit verhalten haben, hat der Kongress Recht, wenn er sie an der kurzen Leine hält.

Die Demokraten hatten von der Bush-Regierung, die von Anfang an gegen eine Rettung war, gefordert, Mittel aus dem Tarp genannten Rettungsprogramm über 700 Mrd. Dollar für den Finanzsektor für die Großen Drei locker zu machen. Doch sie weigerte sich. Das könnte sich noch als clever erweisen. Denn wenn man die Mittel mit einer Pipette verteilt und nicht mit dem Feuerwehrschlauch, dann kann man den Druck auf die Autohersteller aufrechterhalten, die Art der drakonischen Reformen einzuleiten, die sie brauchen.

Die Gesetzgeber planen darüber hinaus, weitere Finanzierungen einzustellen, oder um die vorzeitige Rückzahlung der ursprünglichen Kredite zu ersuchen, wenn die Autobauer die Beweise schuldig bleiben, dass sie bis Ende März überlebensfähig geworden sind. Das hört sich nach einer Herkulesaufgabe an, die da in weniger als vier Monaten umgesetzt werden muss. Doch um es noch einmal zu betonen: Es ist sinnvoll, den Druck aufrecht zu erhalten. Und das Versprechen, "die Führungsmannschaft der Branche neu zu beurteilen", falls sie hinter den Erwartungen zurückbleibt, sollte auf wunderbare Weise dazu beitragen, dass sich die drei Detroiter Bosse - Alan Mulally, Rick Wagoner und Bob Nardelli - auf ihre Aufgabe konzentrieren.

Trotzdem sehen die Konditionen des siebenjährigen Kredits recht locker aus, der, wie berichtet wird, für fünf Jahre mit einem Zinssatz von fünf Prozent versehen ist, der danach auf neun Prozent steigen soll. Das entspricht in etwa der Dividende auf die Vorzugsaktien über 250 Mrd. Dollar, die gemäß dem Tarp von den Banken gekauft wurden. Als Teil ihrer an die Autobranche gewährten Kredite wird die Regierung zudem Warrants über drei Mrd. Dollar erhalten. Das ist ein höherer Prozentsatz als bei ihren Bankeninvestitionen. Außerdem verbietet der Gesetzesentwurf den Unternehmen die Zahlung von Dividenden, was beim Tarp nicht der Fall war.

Diese Details könnten sich noch ändern, momentan prüft gerade das Weiße Haus den Entwurf. Wenn nicht, dann gibt sich die Regierung zwar recht unerbittlich, während sie gleichzeitig doch relativ lockere Bedingungen gewährt. Es wäre vielleicht besser gewesen, den Umbau der Großen Drei unter dem Schirm eines Antrags auf Gläubigerschutz gemäß Kapitel elf der US-Konkursordnung zu steuern. Aber indem die Regierung ihnen eine Rettungsleine zuwirft und sich dabei die Option offen hält, sie ihnen wieder zu entziehen, ist sie jetzt in der Lage, die Autobauer dazu zu zwingen, Gläubigerschutz zu beantragen, wenn ihre Zukunftsaussichten im März dies immer noch rechtfertigen.

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