Krise in Südamerika
Vorteil für den Bösewicht

Die Kriegsdrohungen von Hugo Chavez gegen Kolumbien könnten clever sein. Eine militärische Auseinandersetzung würde die venezolanische Wirtschaft nur dann negativ beeinflussen, wenn Kolumbien die Ölförderanlagen des Landes angreifen würde. Chavez dagegen könnte einen Kampf dazu nutzen, seine Machtposition weiter auszubauen. Kolumbien ist viel verletzlicher.

Die Bevölkerungszahl Kolumbiens liegt um 70 Prozent höher als die von Venezuela und die reguläre Armee des Landes ist doppelt so groß. Die Ausrüstung des kolumbianischen Heeres ist mit Hilfe der USA modernisiert worden und die Soldaten sind aufgrund des Konflikts mit der Terrorgruppe Farc kampferprobt. Allerdings hat Venezuela in den vergangenen Jahren mehr für die Rüstung ausgegeben als jedes andere lateinamerikanische Land. Keine der beiden Seiten wäre also ein leichtes Opfer.

Wirtschaftlich wäre eindeutig Venezuela im Vorteil. Die Wirtschaft des Landes ist etwas größer. Sie ist stark auf Erdöl ausgerichtet, das Devisen ins Land bringt und an China verkauft werden kann, sollten die USA ein Embargo verhängen. Der Rest der venezolanischen Wirtschaft steckt wegen der von Chavez verhängten Preiskontrollen und seines ökonomischen Missmanagements in großen Schwierigkeiten. Die Exporteinnahmen des Landes und die Zentralbank werden vollständig von der Regierung kontrolliert. Ein Krieg müsste also nicht unbedingt zu höheren Steuern führen, außer bei den Gegnern von Chavez. Und die Einnahmen aus den Ölausfuhren machen Venezuela von internationalen Geldgebern unabhängig. Chavez geht aus Wahlen nicht als Gewinner hervor, weil er ein so gewiefter Wirtschaftsexperte wäre. Ein Krieg würde ihm die Gelegenheit geben, eine Krise auszurufen und seine Machtstellung weiter auszubauen.

Zwar verfügt auch Kolumbien über eine Ölindustrie, welche aber nur einen bescheidenen Teil der gesamten Wirtschaft ausmacht. In Kriegszeiten würde die kolumbianische Regierung nicht die Deviseneinnahmen des Landes kontrollieren und müsste die Steuern erhöhen, wodurch ihre Popularität rapide sinken würde. Darüber hinaus könnte eine Unterbrechung der Kommunikationswege die kolumbianische Privatwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen und zu einem allgemeinen Abschwung führen. Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe ist 2006 auch aufgrund seines ökonomischen Sachverstands wiedergewählt worden. Höhere Steuern und eine Unterbrechung der wirtschaftlichen Aktivitäten würden ihn oder den Kandidaten für seine Nachfolge bei der Wahl 2010 äußerst anfällig für Angriffe der Linken machen.

Ein Krieg wäre ein Desaster für Uribe, Kolumbien und das venezolanische Volk. Aber Chavez könnte davon profitieren. Seine Kriegstreiberei ergibt Sinn – zumindest für ihn persönlich.

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