Krisenguru verstorben
Seidmans einzigartige Methoden

William Seidman ist am Mittwoch gestorben. Er war maßgeblich für die Lösung der amerikanischen Savings & Loan-Krise verantwortlich. Seidman konzentrierte sich auf die Auflösung zweifelhafter Vermögenswerte, gestattete es dem Privatsektor, Geld zu verdienen und betonte die Vorteile der Schnelligkeit. Seine Methoden waren im öffentlichen Bereich fast einzigartig und wären heute außerordentlich nützlich.
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William Seidman ist am Mittwoch gestorben. Er war maßgeblich für die Lösung der amerikanische Savings & Loan-Krise verantwortlich. Seidman diente von 1985 bis 1991 als Chairman des US Federal Deposit Insurance Corporation-Einlagensicherungsinstituts (FDIC) und von 1989 bis 1991 als Präsident der Resolution Trust Corporation (RTC). Die Sparkassenkrise bewältigte er, indem er sich auf die Auflösung zweifelhafter Vermögenswerte konzentrierte, es dem Privatsektor gestattete, Geld zu verdienen und die Vorteile der Schnelligkeit betonte. Seine Methoden waren im öffentlichen Bereich fast einzigartig und wären heute außerordentlich nützlich.

Seine Haltung spiegelte seine Herkunft aus dem Privatsektor wider. Seidman hatte den Großteil seiner Karriere in der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft seiner Familie, BDO Seidman, verbracht, die er von 1968 bis 1974 schließlich leitete. Als die Regierung unter US-Präsident Ronald Reagan ihn zum Leiter des FDIC ernannte, sollte seine Geschäftsperspektive als wertvolles Korrektiv für die Schwächen des öffentlichen Sektors fungieren.

Und so war es dann auch. Seidman hatte genau erkannt, wie es zu Bankenkrisen kommt. "Weisen Sie die Aufsichtbehörden an, nach der neuesten Mode in der Branche zu suchen und sie mit der allergrößten Sorgfalt zu untersuchen. Der nächste Fehler wird darin liegen, einen neuen Weg zu finden, einen Kredit zu vergeben, der nicht zurückgezahlt wird", schrieb er 1993 mit prophetischer Weitsicht.

Seidman hatte auch klare Vorstellungen, wie solche Krisen beigelegt werden müssen. Bei der RTC, die zur Abwicklung gescheiterter US-Sparkassen gegründet worden war, setzte er Beteiligungspartnerschaften ein, um Vermögenswerte zu verkaufen. Die Käufer verlangten daher keine überzogenen Abschläge, sondern teilten sich die Aufwärtsbewegung mit der RTC. Dieser Ansatz könnte abgewandelt werden, um das derzeitige Ungemach im Bankensektor zu bereinigen. Seidman hatte allerdings selbst erkannt, dass sich eine solche Strategie durch den Verbriefungsprozess, durch den Vermögenswerte weltweit unter den Investoren verteilt werden, viel schwieriger gestaltet als dies damals bei den einfachen Hypothekenportfolios der Fall war, die an der US-Sparkassenkrise beteiligt waren.

Seine Vorgehensweise war kritisiert worden, denn sie erlaubte es privaten Investoren, sich große Vermögen aufzubauen, indem sie Vermögenswerte zu einem Abschlag kauften, anstatt einen höheren Preis zu verlangen, um die Interessen der Steuerzahler zu verteidigen. Angesichts des Umfangs der betroffenen Vermögenswerte allerdings war es eines seiner Hauptanliegen, schnell vorzugehen. Hätte man es zugelassen, dass die Vermögenswerte länger in den Büchern der RTC verbleiben, wären die Steuerzahler mit beträchtlichen Haltekosten belastet worden.

Nach seiner Pensionierung beriet Seidman Regierungen in aller Welt bei der Umstrukturierung von Bankensystemen, besonders in Osteuropa, wo seine Methoden angesichts des Umfangs fauler Kredite und der Notwendigkeit für eine schnelle Lösung besonders gut funktionierten. Seine Expertise und seine Vorgehensweise fanden so auf dem gesamten Globus Anwendung. Wie schade, dass sie nicht auch wieder zuhause in Amerika umgesetzt werden.

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