Krisenmangement
Quo vadis British Telecom?

Krisen sind eine gute Gelegenheit für radikale Entscheidungen. Daran sollte sich auch BT-Boss Ian Livingston halten, wenn er im Laufe der Woche – wie zu erwarten – katastrophale Jahresergebnisse präsentieren muss.
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In Wahrheit ist BT nur ein Telekommunikations-Anhängsel von 7,2 Mrd. Pfund Market Cap an einem Rentenfonds von 30 Mrd. Pfund. Mit 11 Mrd. Pfund Schulden ist BT der höchstverschuldete Telekommunikations-Konzern Europas. Seine traditionsreiche Festnetzbranche ist im Niedergang und der Versuch, mit seiner Dienstleistungssparte Global Services Zuwächse zu generieren, endete mit einer Reihe von Gewinnwarnungen.

Global Services muss für das vierte Quartal eine Mrd. Pfund abschreiben, während BTs freier Cash Flow im Jahresverlauf um ein Drittel schrumpfte. Da verwundert der 33-prozentige Kurseinbruch seit Januar kaum: eine Underperfomance gegenüber dem Marktdurchschnitt und der Konkurrenz.

Schlimmeres steht noch bevor. Von der alle drei Jahre anstehenden Überprüfung des BT-Rentenfonds erwartet man gigantische Defizite von zehn Mrd. Pfund gegenüber 3,4 Mrd. in 2005. Die Gruppe erwägt nach Insiderinformationen eine Anleiheemission, um das Loch zu stopfen. Damit tauschte man allerdings nur eine Schuldvariante gegen eine andere. BT bleibt womöglich kein Ausweg, als die durchschnittlichen jährlichen Sonderaufwendungen von 280 Mio. Pfund über die nächsten zehn Jahre zu verdoppeln.

Wie will Livingston dieses Schiff vor dem Untergang retten? Zuerst sollte er sich um Global Services kümmern. Unverkäuflich und zu risikobehaftet für eine Expansion, bleibt dieser Sparte nur eine strikte Kostenkontrolle als Ausweg. Zudem braucht es eine Umstrukturierung.

Livingston muss klarstellen, wie BT die Einkünfte steigern will. Wahrscheinlich liegt der Konzern bereits zu weit hinter den Konkurrenten BSkyB und Virgin Media zurück, um sein TV-Programm für das sogenannte "Triple-Play Angebot" attraktiv zu machen. Als Großbritanniens Marktführer in der Festnetzsparte könnte BT jedoch Virgin bei der Bereitstellung von superschnellen Glasfaser-Breitbandverbindungen herausfordern.

Dumm nur, dass BTs Investitionsvermögen von Dividenden behindert wird, die im letzten Jahr 80 Prozent des Cash Flows von 1,5 Mrd. Pfund auffraßen. Ebensoviel würde es kosten, bis 2012 zehn Mio. Haushalte mit Breitband zu versorgen. Im Idealfall müsste BT die Auszahlung komplett zurückhalten. Doch eine Dividendenkürzung auf Bonusniveau könnte Investoren bei der Stange halten. Dann könnte Livingston das Gesparte für eine Rückkehr zu den alten Tugenden investieren.

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