Krisenresistente Suchmaschine
Google: Die Geldmaschine rollt weiter

Zum ersten Mal in seiner kurzen Geschichte als börsennotiertes Unternehmen sind die Einnahmen von Google auf Quartalsbasis gefallen. Der Suchmaschinenriese leidet unter den rückläufigen Werbeanzeigen. Doch Google ist in einer guten Ausgangslage, um den Abschwung zu bestehen, indem die Firma ihre Vormachtstellung ausbaut.
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Offenbar ist auch Google nur menschlich - ein bisschen wenigstens. Zum ersten Mal in seiner kurzen Geschichte als börsennotiertes Unternehmen sind die Einnahmen des Suchmaschinenriesen auf Quartalsbasis gefallen. Da weniger inseriert wurde, sprudelte die schier unerschöpfliche Geldquelle der Werbeanzeigen bei der Internetsuche weniger stark. Aber Google musste nicht allzu hart dafür arbeiten, die Margen zu erhöhen und die Erträge bei der Stange zu halten. Die Firma hat viel Spielraum, um den Abschwung zu bestehen, indem sie die Kosten variiert und ihre Vormachtstellung ausbaut.

Der Internetgigant verbuchte im ersten Quartal Einnahmen über 5,51 Mrd. Dollar. Damit blieb der Umsatz um drei Prozent hinter dem Vorquartal zurück und verfehlte die Erwartungen der Wall Street-Analysten knapp. Dies ist der erste Einnahmenrückgang in den vier Jahren seit dem Börsengang der Firma.

Die Anzeigenkunden geben weniger Geld für die Online-Werbung aus, besonders in den einstigen Schlüsselsegmenten der Auto- und der Finanzbranche. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum sind die Einnahmen des Adsense-Werbeprogramms von Google um drei Prozent gesunken. Doch die Risse im Panzer von Google sind immer noch mikroskopisch klein. Auch wenn sich die Einnahmenbasis langsamer ausdehnt, arbeitet das Unternehmen jetzt effizienter. Die Gewinnmarge ist um einen Prozentpunkt auf eindrucksvolle 34 Prozent gestiegen. Von den mehr als 20 000 Arbeitsplätzen wurden im Berichtsquartal nur 58 Stellen abgebaut, obwohl sich der US-Arbeitsmarkt in seiner schlimmsten Verfassung seit einer Generation präsentierte. Das hat dazu geführt, dass sich der Gewinn trotz des Einnahmenrückgangs auf Jahresbasis um acht Prozent erhöhte.

Der Free-Cash-Flow von Google betrug im Berichtszeitraum üppige zwei Mrd. Dollar. Er wurde dadurch gestützt, dass die Internetfirma im vierten Quartal in Folge geringere Investitionen vornahm. All dies unterstreicht die Variablen, mit denen Google hantieren kann, um stabile Gewinne sicher zustellen, ohne dabei die eigene Wettbewerbsposition zu opfern.

Unter dem Strich wächst der ohnehin schon fast monopolistische Marktanteil von Google bei der Internetsuche weiter. Der Anteil am US-Markt für die Online-Suche lag im vergangenen Monat bei fast 64 Prozent. Das war der bisher höchste, auf diesem Markt je erreichte Wert. Yahoo und Microsoft kamen im Vergleich lediglich auf 21 Prozent bzw. acht Prozent, berichtet Comscore.

Der enorme Cash-Flow und saftige Gewinnspannen werden es Google erlauben, weiterhin in das dominantes Suchgeschäft zu reinvestieren. Natürlich kann sich die wirtschaftliche Lage durchaus noch weiter verschlechtern. Aber Google hat noch gar nicht richtig damit angefangen, Einsparungen vorzunehmen, was die Firma notfalls immer noch tun könnte. Google mag nicht die unaufhaltsame Geldmaschine sein, für die sie die Investoren noch vor ein paar Jahren gehalten hatte. Auf die Konkurrenten allerdings macht Google diesen Eindruck wahrscheinlich immer noch.

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