Kulturelle Revolution bei BP
Das kleine, grüne Buch

BP-Chef Tony Hayward plant nichts Geringeres als eine kulturelle Revolution bei dem Erdöl-Giganten. Das war das Wesentliche bei der ersten öffentlichen Enthüllung seiner Pläne, den 220 Mrd. Dollar schweren Riesen umzubauen. Auch wenn er keine Einzelheiten nannte, wurde klar: Hayward will die letzten Spuren abwaschen, die sein Vorgänger Lord John Browne hinterlassen hat.

Unter Lord Browne ist BP aggressiv durch Übernahmen gewachsen. Unter anderen kaufte er die US-Erdölproduzenten Amoco und Arco. Doch viele dieser Neuzugänge wurden nicht wirkungsvoll integriert, es bildeten sich Lehnsherrschaften innerhalb der Gesellschaft. Infolgedessen leidet BP heute unter "unannehmbar hohen Gemeinkosten", sagt Hayward.

Viele der Probleme von BP sind aus einer Managementstruktur entstanden, die das Erstarken von Lehnsherren begünstigte, die sich dem Unternehmen als Ganzem nur wenig verpflichtet fühlten. Das manifestierte sich in einem Mangel an Kommunikation zwischen den einzelnen Unternehmensbereichen und in fehlender Aufsicht aus London.

Und so verrosteten Pipelines in Alaska, und Händler in Chicago manipulierten die Energiemärkte. Nach einer Explosion in einer Raffinerie 2005, bei der 15 Menschen ums Leben kamen, stellten Inspektoren mehr als 300 Verstöße gegen die Sicherheitsbestimmungen fest. Grund dafür seien "der Mangel an klar festgelegten Zuständigkeiten und unzureichende Kommunikation" gewesen, geht aus dem Untersuchungsbericht über den Unfall hervor.

Um dem abzuhelfen, will Hayward das operative Geschäft von BP in zwei Divisionen zusammenfassen, wobei der eine Bereich die Exploration und Förderung und der andere die Raffinerie und das Marketing umfassen soll. Darüber hinaus will der BP-Chef die Hierarchie-Ebenen im gesamten Unternehmen reduzieren, und die Manager so näher an sich heranholen. In einigen Fällen plant er, in den Betriebseinheiten bis zu vier Management-Schichten abzutragen.

Das ist alles schön und gut. Aber BP hat 60 000 Mitarbeiter, die sich über den ganzen Globus verteilen. Ihr Plazet zu Haywards Manifest zu bekommen, wird nicht einfach sein. Theoretisch ist der neue BP-Chef auf dem richtigen Weg. Aber der Beweis wird sich nur durch die praktische Umsetzung erbringen lassen.

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