Kunstmarkt
Falsche Impressionen?

Monet und Giacometti, die Aushängeschilder der Kunstwelt, bringen mit Rekordpreisen jede Kassandra zum Schweigen. Doch sie bilden nur einen Teil des ganzen Bildes. Sicher, sprudelnde Petrodollar-Vermögen und die schwache US-Währung spornen die Käufer von Werken bekannter Meister an. Doch das mittlere Marktsegment sieht anfällig aus.

Die Turbulenzen an der Wall Street hatten Monate lang bei den Beobachtern des Kunstmarkts für Verstimmung gesorgt. Aber die Schwierigkeiten auf den Finanzmärkten scheinen die begierigen Käufer der meistbegehrten Werke nicht zu tangieren. Bei der Frühjahrsauktion von Christie’s am Dienstagabend in New York erzielten Stücke von Monet, Giacometti und Rodin Rekordpreise für diese Künstler. Aber bei genauerem Hinsehen zeigen sich Risse – insgesamt blieb die Versteigerung selbst noch hinter der konservativsten Schätzung zurück. Vermögende Interessenten mögen zwar auf große Namen abfahren, aber das mittlere Marktsegment gibt nach.

Das große Geld scheint zum Teil von außerhalb der USA gekommen zu sein – vielleicht Ölvermögen, das sich den schwachen Dollar zunutze macht. Claude Monets "Le Pont du chemin de fer à Argenteuil” aus dem Jahr 1873 ist für 41,5 Mill. Dollar an einen anonymen Telefon-Bieter gegangen. Das Gemälde einer Eisenbahnbrücke über die Seine erzielte einen Rekord für einen Monet und übertraf den höchsten Schätzwert von Christie’s.

Auch Werke der Bildhauer Alberto Giacometti und Auguste Rodin erzielten nie zuvor gesehene Höchstpreise für beide Künstler. Giacomettis “Grande Femme Debout II” aus dem Jahr 1960 brachte 27,5 Mill. Dollar ein. Und Rodins 1897 entstandene Skulptur “Eve, grand modèle - version sans rocher” kam für 19 Mill. Dollar unter den Hammer.

Die Versteigerung insgesamt kam an diese Triumphe allerdings nicht heran. Sie brachte Christie’s insgesamt 277,3 Mill. Dollar ein und blieb damit sogar noch hinter der konservativsten Schätzung des Auktionshauses von 287 Mill. Dollar zurück. Damit wurden zum ersten Mal seit vier Jahren die Preisvorstellungen von Christie’s bei einer Abendversteigerung impressionistischer Werke nicht erfüllt. Alles in allem fanden 14 der 58 angebotenen Stücke keinen neuen Besitzer.

Eine angespannte Finanzlage und der aus dem Gleichgewicht geratene Dollar scheinen die amerikanischen Käufer zu beeinträchtigen. Sie haben sich am Dienstag nur 32 Prozent der Kunstwerke gesichert, während sie im November noch fast die Hälfte der Impressionisten, die der Auktionator zum Verkauf gestellt hatte, nach Hause getragen hatten.

Die beginnende Malaise der Kunstwelt greift aber schon über die Versteigerung in dieser Woche hinaus. Im ersten Quartal 2008 sind die Preise für Kunst weltweit um 7,5 Prozent gesunken, berichtet Artprice.com.

Christie’s und Sotheby’s gehen davon aus, dass ihre Versteigerungen in den kommenden zwei Wochen insgesamt etwa 1,8 Mrd. Dollar einbringen. Zu den Höhepunkten gehören Francis Bacons “Triptych 1976”, für das Sotheby’s etwa 70 Mill. Dollar ansetzt. Aber es gibt da draußen eben nur eine begrenzte Anzahl an Werken von Bacon und Monet. Das weniger glanzvolle Mittelsegment des Kunstmarkts könnte der Vorbote einer breiter angelegten Schwäche sein.

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