Kursverfall an der Wall Street
Ominöses Knirschen

Der Kursverfall in Wall Street hat am Donnerstag vor allem Finanztiteln, die der Kreditkrise besonders stark ausgesetzt sind, grausam mitgespielt. Da das Ausmaß der Verluste durch hypothekenbesicherte CDOs immer stärker zu Tage tritt und Citigroup Probleme mit der Kapitalbasis verzeichnet, ist das keine Überraschung. Verwunderlich ist nur, warum es so lange gedauert hat.

Die Kreditkrise hat den Investoren am US-Aktienmarkt einen gehörigen Schrecken eingejagt. Natürlich gibt es für den Kursrutsch am Donnerstag in Wall Street um fast 2,6 Prozent tausend mögliche Sündenböcke. Die Hauptverdächtigen sind allerdings eine Zurückstufung von Citigroup, die gesunkenen Gewinne von Exxon-Mobil und die Besorgnis der Anleger, die US-Notenbank Fed werde vorerst keine weiteren Zinssenkungen mehr vornehmen. Die schwersten Schläge mussten jedoch Papiere von Unternehmen einstecken, die dem Kredit- und Hypothekenchaos am stärksten ausgesetzt sind.

Fondsgebundene Lebensversicherungsgesellschaften gingen in die Knie. Die beiden größten, Ambac Financial und MBIA, verloren mehr als 19 bzw. elf Prozent. Fortress Investment Group, die einen großen Brocken an hypothekenbezogenen Investitionen vorweist, gaben ebenfalls fast elf Prozent ab. Radian Group, deren Verlustausweis die Marktschwäche mit ausgelöst hatte, sanken um 13 Prozent. Die Titel von Citigroup, die möglicherweise Investmentvehikeln für strukturierte Produkte (SIVs) über Abermilliarden Dollar ausgeliefert ist, wurden um fast sieben Prozent zurückgenommen.

Sind diese Abschläge gerechtfertigt? Nun, in jüngster Zeit hatte es durchaus einige ermutigende Signale auf den Kreditmärkten gegeben. Der Referenzsatz Libor, zu dem sich Banken untereinander Geld ausleihen, ist gefallen und der Markt für Commercial Paper gibt wieder Lebenszeichen von sich. Und die Banken haben einige zuvor blockierte kreditfinanzierte Darlehen zu über den Erwartungen liegenden Preisen losschlagen können.

Das hatte wie ein wichtiger Schritt nach vorne ausgesehen. Schließlich schien es im August so, als sei das Thema Übernahmekredite ein echtes Problem für den Finanzsektor. Aber es hat sich nur als Begleiterscheinung herausgestellt. Das eigentliche Schreckgespenst lauert in den immensen, schwer einzuschätzenden Risiken, die von hypothekenbesicherten CDOs ausgehen. Diese Wertpapiere, die mit einem Pool an Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, sind überall im ganzen System verteilt. Sie sind für den Großteil der Abschreibungen der Banken im dritten Quartal verantwortlich.

Die Anleger hatten die Abschreibungen begrüßt, vermutlich haben sie gedacht, die Kreditinstitute hätten dadurch reinen Tisch gemacht. Aber jetzt ist das Vertrauen der Anleger angekratzt - zu Recht. Die Kreditkrise dürfte noch weitere Opfer fordern, wenn die Banken, SIVs und andere Investoren, die hypothekenbesicherte CDOs verkaufen müssen, herausfinden, wie wenige Interessenten sich dafür finden lassen. Ihre Aktien haben wahrscheinlich noch viel Spielraum nach unten.

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