B.wertet
Auf nach China

Die Europäer mussten nach dem jüngsten Gipfeltreffen in Peking ohne Verhandlungserfolg abziehen. Doch Deutschland kann selbstbewusst in China auftreten. Das liegt vor allem an der Leistung der deutschen Wirtschaft.
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„Auf nach China, China, China ...“ so heißt der Refrain eines Liedes von „Ritter Rost“. Wer kleine Kinder, Neffen oder Enkel hat, kennt vielleicht die abenteuerlichen Geschichten des rostenden Konservendosenritters.

Gefolgt ist dem Ruf ins Land des Lächelns – einmal wieder – Kanzlerin Angela Merkel, allerdings nicht auf hohem Ross, sondern mit großem Tross. Der reichte von VW-Chef Martin Winterkorn über den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher bis zu Martin Blessing von der Commerzbank. Thema waren die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern und im Hintergrund stand auch die Frage, inwieweit China in Deutschland und Europa investieren wolle. Die chinesische Führung versprach der Kanzlerin immerhin, darüber nachzudenken.

In die gleiche Richtung gingen dann noch einmal die Bemühungen von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf dem 14. EU-China-Gipfel in Peking. Die Hoffnung der beiden EU-Präsidenten: China könne als Geldgeber für die angeschlagenen Euro-Staaten fungieren und Kapital in den Rettungsschirm EFSF und den Nachfolger ESM stecken. Dabei stießen sie allerdings auf eine Große Mauer des Schweigens und der höflichen Vertröstung.

Warum sollen die Chinesen Schrott kaufen – was nur Ritter Rost freuen würde, wenn sie sich auf einzelne, wachstumsstarke und zukunftsfähige Perlen konzentrieren können? Mittels gezielter Einkäufe in europäische und amerikanische Unternehmen investieren Chinesische Staatsfonds schon lange, genügend Kapital ist auch vorhanden. Die Europäer mussten eher als Ritter von der traurigen Gestalt und ohne konkreten Verhandlungserfolg wieder abziehen.

Was sich vor diesem Hintergrund dem öffentlichen Interesse weitestgehend entzog, war die Tatsache, dass während Merkels Besuch interessante Gespräche zwischen deutschen Mittelständlern und den Chinesen stattfanden. Längst ist China Markt und Produktionsfläche zugleich auch für den deutschen Mittelstand mit seiner internationalen Ausrichtung und Marktführerschaft in vielen Nischen. So wusste Angela Merkel neben Dax-Vorständen in ihrer Entourage auch etwa Arndt G. Kirchhoff, den Vorsitzenden des BDI-Mittelstandsausschusses und Chef des Autozulieferers Kirchhoff, oder Hans Heinrich Driftmann vom DIHK. Und demonstrativ besuchte die Kanzlerin den deutschen Maschinenbauer Herrenknecht mit seiner Niederlassung in Guangzhou. Der Spezialist für Tunnelbohrmaschinen agiert mit seinem Umsatz von etwa einer Milliarde Euro zwar auf Augenhöhe mit vielen Großkonzernen, bezeichnet sich aber noch immer als Mittelständler.

Kommentare zu " B.wertet: Auf nach China"

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  • Man achte auf die Reihenfolge.

    1. dt. Unternehmen (von der Öffentlichkeit unbemerkt)
    2. Frau Merkel (viele haben nichts gerafft)
    3. Die EU-Hansel (brave Zöglinge von Deutschland)

    1. Frau Merkel

  • “Vertrauen wir also auf (viele) kleine Schritte.."

    Also Selbstbeweihräucherung in höchster Potenz!
    Mit solchen Polittrotteln, die sich selbst bei bedeutenden Staatsmännern einladen kann man sich nur schämen!

    Der Troos wäre erfolgreicher gefahren, hätte er sich die Flugkosten für die Vollidioten gespart, oder sie als wenigsten Buttler engagiert!

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