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B.wertet: Der Kasperl und die SPD

Im Puppentheater sind die Fronten eindeutig verteilt, die Welt ist einfach: Gut gegen Böse, Kasperl gegen Krokodil. Die Kampagne der SPD gegen die bösen Banker erinnert sehr an das Kaspertheater.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger ist Geschäftsführerin der Börse München.
Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger ist Geschäftsführerin der Börse München.

Früher gab es das Puppentheater, bei dem der Kasperl eifrig auf das böse Krokodil einschlug und die Kinder vor Freude jauchzten. Naturschützer oder Krokodilpfleger waren naturgemäß eher wenig vertreten und so wusste Kasperl die Mehrzahl der Zuschauer auf seiner Seite. Die Fronten waren eindeutig verteilt und die Welt einfach. So etwas Ähnliches muss den SPD-Oberen um Sigmar Gabriel vorgeschwebt sein, als sie sich zu einer Kampagne gegen böse Banker entschlossen und diese als mögliches Wahlkampfthema 2013 ausmachten. Natürlich ist die Welt viel komplizierter als das Kasperltheater, doch erfahrungsgemäß erreicht man mit Komplexität nicht die Massen.

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Meines Erachtens sind die von der SPD verantwortete Webseite „Wir sind viele“ und die dort transportierten Inhalte mit dem Slogan „Demokratie statt Bankenmacht“ eine einzige Abwertung nicht nur der Bankangestellten, sondern auch der Wähler selbst. Das Vertrauen in den Intellekt des Durchschnittswählers scheint bei der SPD nicht sehr weit zu reichen. Das ist bemerkenswert. Da wird einerseits für „eine Gesellschaft, die zusammenhält“ geworben, andererseits aber eine ganze Berufsgruppe als „verantwortungslose Zocker in den Banken“ verunglimpft.

Selbstverständlich ist die Mehrheit der Gesellschaft für besser und stringenter regulierte Finanzmärkte und für mehr Transparenz. Doch die Lösungen sind kompliziert und brauchen Zeit.  Die Finanzmärkte und ihre Protagonisten sind international vernetzt. Die Themen müssen deshalb global und nach einem konstruktiven Disput gemeinsam angegangen werden. Per se schlecht und kriminell sind aber weder Ratingagenturen noch Investmentbanker. Und schon gar nicht der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin in der Bankfiliale um die Ecke. Hier wäre es doch sehr wünschenswert, dass uns endlich eine differenzierte Betrachtung gelingt!

Die von „Wir sind viele“ vorgegebenen Lösungen von der Finanztransaktionssteuer bis zur Trennung von Investment- und Privatkundengeschäft gehen in die falsche Richtung und zeugen von Unkenntnis des Geschäftes. Zum Beispiel haben die USA die Abspaltung reiner Investmentbanken als eine der Ursachen für die Finanzkrise erkannt und die seit den 1930er-Jahren geltende Trennung wieder rückgängig gemacht.

Die Webseite will auch über die wichtigsten Anlageformen, Aktien und Anleihen,  „aufklären“. So heißt es über Aktien beispielsweise wörtlich: „ Die Strategie  des Unternehmens wird zunehmend von kurzfristigen Börsenkursen bestimmt und nicht von nachhaltigen Strategien.“  Die Ursache sei, dass auf den Hauptversammlungen vor allem Großaktionäre das Sagen hätten

  • 22.02.2012, 21:15 UhrAnonymer Benutzer: SPD-Mitglied

    Ich bin selber SPD-Mitglied UND gelernte Bankkauffrau UND mit einem Bankvorstand verheiratet! Und ich kann den Kommentar von Frau Bortenlänger nur unterschreiben! Wie "meine" Partei momentan alle Bankangestellten und Vorstände (nämlich auch die der regionalen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, denen derartige Spekulationsgeschäfte sehr fern sind) mit Ackermann & Co. gleichsetzt ist mehr als enttäuschend und zeigt, dass sie das deutsche Bankensystem nicht hinreichend kennt. Stattdessen wird auf diesen Halbwahrheiten sogar der nächste wahlkampf ausgerichtet. Ist das noch "meine" SPD?

  • 09.02.2012, 22:24 UhrAnonymer Benutzer: dlechtenberg

    Naja - da könnte man ja auch Dr Teyssen fragen, was er von der zwangweisen Abkehr von der Atomkraft hält ;-)

  • 09.02.2012, 19:13 Uhrarroganzza

    Hoffentlich hält die SPD ihre Kampagne bis 2013 durch: kein Normaldenkender nimmt der SPD ihre Argumente ab, die nur oberflächlich passen. Wenn am Schluss die Harzer übrigbleiben, die es nicht kapieren, dann können die ruhig zur SPD laufen. Die hätten eh nicht CDU gewählt, wenn sie überhaupt den Weg zum Wahllokal gefunden hätten und nicht vor her in einer Kneipe hängengeblieben wären....

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