B.wertet
Eine einzige Chance für Spanien

In keinem Land der Welt ist die Arbeitslosigkeit so groß wie in Spanien. Jeder Vierte ist ohne Job. Die Spanier haben nur eine Chance, die exorbitante Arbeitslosigkeit zu durchbrechen - mit Folgen für Deutschland.
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Wir haben uns so sehr an schlechte Nachrichten im Umfeld der Euro-Krise gewöhnt. Doch ich hoffe, dass diese Meldung der letzten Tage nicht untergegangen ist: In Spanien beträgt die Arbeitslosigkeit inzwischen 25 Prozent. Damit nimmt das Land im Süden Europas unter allen Ländern der Welt, die von der UN-Organisation ILO ausgewertet wurden, eine traurige Spitzenposition ein, gefolgt von Griechenland.

Natürlich ist die Vergleichbarkeit zwischen ganz unterschiedlich entwickelten Ländern immer ein Problem und eher relativ, es bleibt aber die Tatsache bestehen: Wenn jeder Vierte arbeitslos ist, wirkt sich das auf fast jede Familie direkt aus. Noch schlimmer ist die Situation bei der Jugend, denn mehr als die Hälfte der Jugendlichen findet keine Arbeit. Fast 5,7 Millionen Spanier suchen derzeit Arbeit.

Und Fachleute sagen voraus, dass sich die Situation auch im nächsten Jahr nicht dramatisch verbessern wird. Der Staatshaushalt ist im erheblichen Maße belastet, Wachstum kaum möglich. Nicht ohne Grund befindet sich Spanien weiter in der Rezession.

Die Großvätergeneration der heutigen Spanier und Griechen zog es aufgrund der schlechten Situation ihrer Länder seit den Anwerbeabkommen mit den beiden Ländern im Jahr 1960 nach Deutschland, als „Gastarbeiter“. Etwa 600.000 Spanier kamen so bis zum Anwerbestopp 1973 nach Deutschland, arbeiteten – und kehrten ganz überwiegend wieder in ihr Land zurück. Etwa 70 Prozent sahen nach einigen Jahren im Ausland ihre Zukunft in ihrer Heimat und halfen mit, den Wohlstand dort aufzubauen. Insgesamt 1,2 Millionen Spanier arbeiteten in den 60er-Jahren im nördlichen Europa.

Schon 1967 – so ein Spiegelbericht aus diesem Jahr – übertraf aber die Anzahl der Rückkehrer nach Spanien die Zahl der Auswanderer, nicht zur Freude der spanischen Regierung, für die nicht zuletzt die Transferzahlungen der im Ausland arbeitenden Spanier eine wichtige Deviseneinnahmequelle darstellten. Insgesamt verzeichnete Spanien damals 200.000 Arbeitslose. Allerdings verdienten 1967 noch sieben Millionen spanische Bürger weniger als 167 DM im Monat – das Durchschnittseinkommen in Deutschland lag im gleichen Jahr zum Vergleich bei etwas mehr als 850 DM im Monat.

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Die jungen Spanier sollten ihre Chance ergreifen

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  • Hm, Frau Bortenlänger, also Sie glauben, daß die jungen Spanier, Griechen, Italiener etc. nur nach Deutschland kommen müßten und dann würde alles gut? Sehe ich anders:

    1.) Was (jungen) Arbeitskräften in Deutschland heutzutage an quantitativer und qualitativer Leistung abverlangt wird, hat ein Niveau, welches mit dem vor 40, 50 Jahren nicht vergleichbar und auch von "Einheimischen" (ohne Sprachbarriere) oft nur mit medidikamentöser Unterstützung abrufbar ist. Auch das Ausbildungsniveau genügt in der Regel nicht den Erfordernissen in der dt. Industie und Handwerk.

    2.) Ich kenne quasi keinen Jüngeren, der von seinem Erwerbseinkommen nennenswerte Anteile ansparen und in die Heimat schicken könnte. Alle leben "von der Hand in den Mund". Die Gastarbeiter waren früher wohl bescheidener, vielleicht mußten sie weniger in ihre eigene Zukunft und die Altersvorsorge investieren und die Steuern und Abgaben waren sicher erheblich geringer. Kurz gesagt: früher blieb einfach mehr über.
    3.) Die Lösung der "Spanischen Grippe" kann doch wohl nicht im "braindrain" (oder "Aderlaß") liegen. Das würde zwar - im günstigsten Fall - in Deutschland das demografische Problem, den Pflegenotstand und womöglich den Fachkräftemangel (falls mein Punkt 1 beherrscht würde) lösen, es bedeutete aber für die Krisenländer eine weiter sinkende Wettbewerbsfähigkeit, denn es wandern immer die Besten oder jedenfalls die mit "Biß" aus.
    4.) Selbst wenn diese neuen Gastarbeiter erfolgreich wären und Geld ansparen könnten, welches sie dann in Spanien investierten: Glauben Sie im Ernst, daß sich allein auf dieser Grundlage, basierend auf den bestehenden Strukturen, vor dem Hintergrund einer sich rasant technologisch weiterentwickelnden Welt mit immensem Wettbewerbedruck ein wettbewerbsfähiges Spanien entwickeln könnte?
    Die vergangene Dekade hat gezeigt, daß sich trotz eines gigantischen Kapitalzuflusses in Spanien keine wettbewerbsfähige, diversifizierte Wirtschaft aufbauen konnte.



  • Eigentlich müssten die Löhne in Spanien wieder ins rechte Verhältnis gerückt werden. Der im Artikel angebenen Vergleich von ca 1970 war bei 168 DM in Spanien und 850 in DE. Rein gefühlsmäßig sollte der Unterschied zumindset bei 50/50 sein, d.h. gemessen an der Volkwirtschaft dürften die spanischen Löhne nur die Hälfte der Löhne in DE betragen.
    Mir sind da keine aktuellen Zahlen bekannt.

    Im Süden geht es nur durch eine Umverteilung derart, dass ALLE ein Auskommen haben. Leider wird das die Politik nicht machen. Und leider hat man sich für die Rettung über die EZB entschieden. Besser wäre es gewesen, wenn Deutschland selbst Hilfsprogramme aufgestellt hätte, selbst die Kontrolle über die finanziellen Mittel hätte, und direkt Projekte in Spanien für Jugendliche angeschoben hätte.
    Was jetzt passiert: Das Geld fließt in die Hände von Investoren/Finanzwelt/Banken/......., um den maroden Bankensektor zu sanieren. Nur die jungen Leute bekommen nichts ab. Das ist die eigentliche Tragödie.

  • Europa entsteht durch demokratische Prozesse?

    Nationale Entscheidungen gegen die Schaffung eines europäischen Gesamtstaates wurden und werden konsequent ignoriert, so etwa die Abstimmung der Franzosen und Niederländer gegen die Europäische Verfassung. Schnell schuf man den Vertrag von Lissabon und seitdem entscheidet die Regierung und nicht das Volk über supranationale Belange, auch wenn diese die Nationalstaaten betreffen. Nur Irland bestand auf Volksbefragung und die ging für die Eurokraken in die Hosen. Doch auch das irische NEIN wurde durch eine Wiederholung der Wahl ausgehebelt (wir wählen so lange, bis das Ergebnis passt!).

    Die Eurokraten berauben den einzelnen EU-Staaten Stück für Stück die Souveränität und vermeiden dabei plötzliche Übergänge von den nationalen zu den Befugnissen des (europäischen, AdU.) Bundes …“ Ähnlich äußerte sich Jean Claude Juncker (Vorsitzender der Euro-Gruppe): „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”

    Wollen wir dieses zentralistische Europa?

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