B.wertet
Euro-Krise oder Krise Europas?

Bei all dem Krisengerede vermisst man oft die Antwort auf eine zentrale Frage: Wer steckt eigentlich in der Krise? Einige Euro-Staaten oder die gesamte EU. Es ist wohl genauso schlimm, wie die Pessimisten befürchten.
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Die Europäische Union wurde seit ihrer Gründung wohl nicht so hinterfragt oder besser, in Frage gestellt, wie derzeit. Gleichzeitig erleben wir die schwerste Krise des Euro seit seiner Einführung. Mancher sieht es auch so: die Einführung des Euro oder die Art und Weise der Einführung hat die größte Krise der Europäischen Union zur Konsequenz. Weiter bleibt zu fragen, ob es tatsächlich eine Krise Gesamteuropas oder einiger europäischer Staaten oder der Europäischen Union ist.

Ich fürchte leider, es ist alles drei zusammen: eine Krise der Europäischen Union, weil mit Einführung des Euro ohne politische oder zumindest fiskalpolitische Einigung der zweite Schritt vor dem ersten gemacht wurde. Eine Krise einiger europäischer Staaten, die mit der Einführung des Euro dachten, sie könnten ihre desolate Situation mit einer stabilen Währung übertünchen.

Jetzt aber scheint leider die nackte und baufällige Ruine durch. Und schließlich eine Krise aller europäischen Staaten, weil die Krise nicht nur auf andere Euro-Staaten überzugehen droht, sondern durch die engen wirtschaftlichen Verflechtungen auch die nicht Euro-Länder einholen könnte. Die Wachstumsaussichten Europas sind alles andere als erfreulich. Was ist zu tun?

Natürlich gibt es vor dem Hintergrund der "Premiere" einer so gestalteten Krise keine Patentrezepte für ihre Lösung. Da sollten wir uns keinen falschen Illusionen hingeben. Insofern ist der Dialog über mögliche Wege wertvoll und zielführend. Die Kanzlerin hat konsequent in dem „Deutschland und Europa neu denken: Wege aus der Staatsverschuldung“ überschriebenen Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrates in Berlin am Dienstag ihre Rede mit „Deutschland in Europa – Beiträge für den europäischen Zusammenhalt“ betitelt.

Denn Europa und die Welt blicken vor allem nach Berlin, von wo Lösungswege aus der Krise erhofft werden. Viele gute Ratschläge sind in diesem Fall offensichtlich keine Mangelware. Ob sie immer auch gut gemeint sind, wage ich zu bezweifeln. Deutschland hat hier ein hohes Maß an Verantwortung zu tragen. Und ohne Zusammenhalt können Lösungen nicht gefunden werden.

Kommentare zu " B.wertet: Euro-Krise oder Krise Europas?"

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  • Sehr schön formuliert, aber das große Problem unserer EU ist doch gerade, daß Verträge und Regeln nach Belieben gebrochen werden. Auf dieser Basis kann nicht nur nichts sondern gar nichts funktionieren.

  • @muecke
    Schon mal was von Schuldentragfähigkeit gehört? Es gibt Schulden , die von den Schuldnern ohne weiteres gertagen werden können, weil diese Schuldner entsprechende wirtschaftliche Potenzen aufweisen und es gibt Schulden und Überschuldungen, die wenn sie bis an die Grenze ausgereitzt werden im Bankrott enden, auch im Staatsbankrott. Das gehört zu den Regeln der Marktwirtschaft. Gläubiger, die Schuldentragfähigkeiten nicht zur Kenntnisnehmen wollen und bedenkenlos Kredite vergeben, gehören dann eben mit zu den Verlierern und schauen zu Recht in die "Röhre". Das ist das Einmal-Eins der Marktwirtschaft und der Kreditvergabe.
    Im Fall Griechenland ist die Schuldentragfähigkeit nicht mehr gegeben und die Kreditgeber haben und sollten sich darauf einrichten.

  • Die beklagten immensen Staatsschulden machten die großen Vermögen auf der Haben-Seite erst möglich. Ohne Schuldner keine Gläubiger. Das kapieren wiederum die privaten Besitzstandswahrer nicht. Kneifen Sie nur weiterhin Ihre Geldbeutel wie Ihre Arschbacken zusammen! Stramm an das eigene Wohl geglaubt verhindert nicht den Untergang. Mit Vermögen potenziert sich schließlich auch das Vermögen etwas zu ändern...

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