B.wertet
Führende Frauen

Was wäre, wenn Männer weniger Gehalt bekämen und permanent an die gläserne Karriere-Decke stießen? Klar, das wäre ungerecht. Deshalb verdienen auch Frauen eine faire Chance im Job. Ein Plädoyer für Gleichbehandlung.
  • 16

2030: In einer Fernsehtalkshow beklagt sich ein Dax-Vorstand: Bei fast allen wesentlichen Meetings der vergangenen Jahre sei er meist der einzige Mann. Männer könnten wegen ihrer Neigung zu erhöhtem Risiko und ihrer Tendenz, vor allem nach kurzfristigen Renditen zu streben, kaum noch in Führungspositionen von Unternehmen aufrücken. Er gebe zwar zu, dass die Renditen der meisten Unternehmen inzwischen tatsächlich höher und die Erträge nachhaltiger seien, dennoch setze er sich hier und heute ausdrücklich für eine Männer-Quote ein. Wenigstens als Übergangslösung, denn in den Aufsichtsräten dominierten derzeit die starken Frauen, die vor gut 15 Jahren wegen der damaligen Frauenquote aufgestiegen waren.

Daneben störe ihn aber vor allem die massive Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen auf der Einkommensseite: Quer durch die Hierarchien verdienten Männer im Schnitt mehr als 20 Prozent weniger als ihre weiblichen Kollegen. Das sei ein untragbarer Zustand und durch nichts gerechtfertigt. Sicherlich liege die Ursache darin, dass viele Männer in typischen Männerberufen arbeiteten, aber es sei gesellschaftlich problematisch, dass ein Facharbeiter etwa in der Autoindustrie weniger verdiene als eine Kinderpflegerin. Er könne nicht nachvollziehen, dass jemand, der Autoteile zusammenbaue für die Gesellschaft weniger wichtig sei als jemand, der Kinder erziehe.

An dieser Stelle möchte ich diese „Utopie 2030“ einmal beenden. Ich hoffe, sie macht deutlich, in welchem Zustand wir uns derzeit in Sachen Gleichbehandlung und Chancengerechtigkeit befinden. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn die Situation, wie oben geschildert, umgekehrt wäre, sähen wir uns einer breiten und sehr lautstarken Protestfront gegenüber. Insofern kann ich den Vorstoß der EU-Kommissarin Viviane Reding sehr gut nachvollziehen, die sich nun für eine europaweit geltende Frauenquote einsetzt.

Obwohl Studien belegt haben, dass Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil in den Führungsebenen besser wirtschaften als männlich dominierte Vergleichsunternehmen, und obwohl mehr als 50 Prozent der Universitätsabschlüsse inzwischen von Frauen abgelegt werden, spiegelt sich dies in keiner Weise in den Unternehmen wider. Zudem ist in keinem anderen europäischen Land das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen so hoch wie in Deutschland, so eine Studie der OECD. Genauer beläuft sich die Differenz auf 21,6 Prozent bei Vollzeit beschäftigten Frauen. Im Schnitt der 34 Industrieländer liegt diese Differenz bei noch immer traurigen 16 Prozent.

Kommentare zu " B.wertet: Führende Frauen "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ganz genau.
    Das eine ist ein unproduktives herumjammern, das andere eine zielführende Vorgehensweise.

  • Diese Verben kann man synonym verwenden. Man sagt allerdings eher "sich beklagen", wenn es um einen Zusand geht, den man nicht ändern kann. Zum Beispiel: "Ich beklage mich über das schlechte Wetter", "Ich beklage den Verlust meiner Bücher".

  • Und irgendwann werden Sie vielleicht auch den Unterschied zwischen "beklagen" und "sich beschweren" verstehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%