B.wertet
Ideologie und Weltuntergangsrhetorik

Zur umstrittenen Unterstützung für Eltern, die ihr Kind zu Hause betreuen, wollte ich eigentlich gar nichts sagen. Nun kommt es aber anders, denn es gibt Dinge, die mich beunruhigen.
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Ganz ehrlich, ich wollte mich eigentlich nicht in die Diskussion zum Thema Betreuungsgeld einmischen. Und ich bin auch keine Befürworterin des Betreuungsgeldes. In Anbetracht des harten Sparzwangs, den wir unseren europäischen Nachbarländern auferlegen, halte ich derzeit Diskussionen über zusätzliche Ausgaben dieser Art für nicht zielführend, das gleich vorneweg.

Nun kommt es anders, denn mich beunruhigt die Art und Weise, wie über das Betreuungsgeld gestritten wird. Schon der Begriff „Herdprämie“, der sich in der Öffentlichkeit für das Betreuungsgeld eingebürgert hat, sagt einiges über die Intention der Diskutanten. Die SPD plant jetzt eine Postkartenaktion zu starten und auf der SPD-Homepage sollen jeden Tag neue Argumente gegen das Betreuungsgeld veröffentlicht werden. Der Spiegel kündigt seine neue Ausgabe groß an mit der Headline „Der Fluch der Herdprämie. Die Einführung des Betreuungsgeldes gefährdet den Modernisierungskurs von Angela Merkel.“ Bedeutet die Einführung des Betreuungsgeldes tatsächlich einen herben politischen Einschnitt, einen grundlegenden Wandel? Die SPD hat gar vorsorglich angekündigt, dass sie, sollte sie sich politisch nicht durchsetzen, das Bundesverfassungsgericht anrufen will. Wenn das nicht Feigheit vor dem Wähler ist.

Herdprämie, rückwärtsgewandt, Rückfall in die 1950er Jahre, Verhinderung der Berufstätigkeit von Frauen, die Argumente sind vor allem ideologischer Natur – und das sollte uns aufhorchen lassen. Ein Betreuungsgeld von 100 Euro für Kinder bis zum dritten Lebensjahr, ab 2014 dann 150 Euro, darum geht es. Die Folge soll dann geradezu zwangsläufig sein, dass wegen 150 Euro im Monat Eltern massenweise ihre Kinder aus dem glücklich erstandenen Kita-Platz nehmen, die Kinder zuhause vor den Fernseher setzen und die 150 Euro in Zigaretten und Alkohol „investieren“. Welche Meinung hat die Politik, und vor allem die, die sich links nennt, eigentlich von den Bürgern und ihren Wählern?

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  • Fra Bortenlänger hat einfach nur recht.
    Auch die Frage, ob das Betreuungsgeld harz4-absetzbar ist, ist eigentlich grotesk.
    Mit einer Subvention wollte man berufstätige Mütter unterstützen, deren Nebenwirkungen man jetzt mit einer weiteren Subvention lindern will und stellt fest, daß man Leute mitsubventioniert, die die Nebenwirkung gar nicht hatten. Einfach herrlich. Bestimmt fällt noch irgenteinem Politiker eine Subvention ein, um diese Nebenwirkung wiederum zu kompensieren.
    Das Ganze mit Anträgen, Formularen und Ermessungsspielräumen gespickt zeigt uns: Verwaltung ist DIE große Wachstumsbranche in unserem Land.

  • Echte Wahlfreiheit gibt es nicht. Läßt man dieses Märchen mal außen vor, kommt man vielleicht weiter. Eine Mutter, die arbeiten gehen muß, hat keine Wahl. Im Jahr 2006 gab es in Deutschland 2,66 Millionen alleinerziehende Mütter und Väter. Bei etwa 1,62 Millionen Alleinerziehenden lebte mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt.
    Viele Väter zahlen nicht mal den Kinderunterhalt. Zahlen gibts bei den Jugendämtern. Jetzt, im Jahre 2012 dürften es einige mehr sein. (War zu faul zum suchen)
    Von welchen elitären Realitäten reden wir in dieser Diskussion?
    Es geht für diese Mütter um bezahlbare Plätze während ihrer notwendigen Berufstätigkeit. Geht sie nicht arbeiten, bekommt sie eh nur Kinder um von der "Stütze" zu leben?
    Das hier ist eine typische "teile und herrsche" Diskussion, die völlig am eigentlich Problem vorbei diskutiert wird. Ob eine Mutter zu hause bleiben kann, oder nicht, obliegt vielen nicht. Sie MÜSSEN arbeiten. Echte Wahlfreiheit dürfen nur Mütter mit reichen Männern oder ab 30 im öffentlichen Dienst haben?
    Soll sie sich doch einen Mann suchen, oder wie?
    Diese hier teilweise mehr als rückständigen, patriacharisch angehauchten Aussagen verursachen mir einen Würgereiz.
    Mit derselben Argumentation könnte ich Leuten die keine Autobahn nutzen, auch eine "Landstraßenprämie" versprechen.

  • Die Dame aus München liegt sicherlich falsch, wenn sie das Betreungsgeld mit den angeblich harten Schnitten die wir unseren EU-Partnern auferlegen ablehnt. Deutschland kann schließlich für die Haushaltsprobleme der anderen EU-Staaten nichts. Das Betreuungsgeld ist gut, und das sagt jemand der noch keine Familie und Kinder hat.

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