B.wertet
Inflation der anderen Art

Viele Menschen treibt in Zusammenhang mit der Schuldenkrise die Angst vor der Inflation. Doch sie ist längst da – auch wenn sie nicht das Geld betrifft.
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„Gedanken und Erinnerungen“, so heißen die wohl berühmtesten und lange Zeit auflagenstärksten Memoiren in Deutschland. Geschrieben hatte sie in den 1880er Jahren der ehemalige Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck. Die ersten zwei Bände erschienen aber erst vier Monate nach seinem Tod 1898. Der Eiserne Kanzler nutzte sein Werk zur Rückschau – und auch zur Rechtfertigung seiner Taten.

Die Zeitgenossen fieberten der Veröffentlichung geradezu entgegen, waren sie doch gespannt über Bismarcks Bewertung des regierenden Kaisers Wilhelm II., der ja dessen Entlassung betrieben hatte. Vom „Inhalt einer Raketenkiste“ sprach Maximilian Harden, „krasse Enthüllungen“ erwartete Ludwig Bamberger. Geschrieben sind die Memoiren in einer nüchternen, aber oftmals ironischen, bis heute durchaus lesbaren Prosa. Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen“ fanden sogar Eingang in Kindlers Neues Literatur Lexikon, wo sie als eines der „bedeutendsten Zeugnisse politischer Memoirenliteratur in der deutschen Geschichte“ gepriesen werden.

Neben Bismarck haben viele Politiker, Wissenschaftler, Sportler und Künstler – eher selten Manager – meist im hohen Alter einen manchmal ironisch-heiteren, manchmal verbittert-traurigen, aber immer lesenswert-interessanten Überblick über ihr Leben in Form von Memoiren gegeben. Das Spektrum ist weit und reicht von den „Confessiones“ des (heiligen) Augustinus über Giacomo Casanovas „Geschichte meines Lebens“, über Ruth Klügers „Weiter leben“ bis hin zu Günter Grass‘ „Beim Häuten der Zwiebel“.

Gerade bei Schriftstellern verschwimmen oftmals Fiktion und Realität. So manches Mal wurde es mit der Wahrheit nicht sehr genau genommen – so meint denn auch der Münchner Schriftsteller Herbert Rosendorfer, bei Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen“ müssten sich vor lauter Lügen darin die Regale unterm Buch biegen. Vielleicht nehmen wir lieber Goethes autobiografische Schriften als Richtschnur, der sie schlicht und einfach „Dichtung und Wahrheit“ nannte.

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