B.wertet
Inflation – ein Leerstück

Pünktlich zu Ostern haben die Tankstellen die Spritpreise erhöht - diesmal auf einen Rekordstand von über 1,70 pro Liter. Das tut richtig weh und man fragt sich, wie die niedrige Inflationsrate eigentlich dazu passt.
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Wir alle mussten es über Ostern wieder an der Tankstelle erleben: Die Preise für Sprit sind deutlich und schmerzhaft gestiegen, 1,70 Euro im Mittel tun richtig weh. Da wird uns der Osterurlaub vergällt und so mancher fragt sich, wie die seit Jahren konstant niedrige Inflationsrate in Deutschland eigentlich zustande kommt. Laut Statistischem Bundesamt lag sie 2011 bei für Deutschland eher hohen 2,3 Prozent. Die individuell empfundene Inflation, der gefühlte Schwund im Geldbeutel sagt uns ganz etwas anderes. Das was wir da spüren, ist der Unterschied zwischen der offiziell ausgewiesenen Inflationsrate und der tatsächlichen Geldentwertung.

Inflation bedeutet eigentlich die Ausweitung der ungedeckten Geldmenge – daher der Begriff Inflation für „Aufblasen“. Teuerung hingegen ist der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Ursache und Wirkung sollten hier nicht verwechselt werden: Inflation ist der Grund für die Geldentwertung, während die Teuerung die Folge der Inflation darstellt. Was aber eigentlich das Problem ist: Mit Hilfe der Inflation zieht der Staat den Bürgern das Geld aus der Tasche. Inflation wirkt wie eine Art Sondersteuer. Wenn heute die Zinsen für Erspartes auf dem Niveau der offiziellen Inflationsrate liegen, verlieren wir real kontinuierlich Vermögen. Das muss uns bewusst sein.

Eine staatlich veranlasste „Geldverschlechterung“ ist wahrscheinlich so alt wie Staaten und Geld selbst – in früheren Jahrhunderten war das allerdings etwas mühsamer, musste dazu noch der tatsächliche Edelmetallgehalt der Münzen vermindert werden. Heute laufen Geldmengenveränderungen rein buchhalterisch – man erinnere sich nur an die zwei Mal 500 Milliarden Euro, die die EZB den Banken kurzfristig zum Minimalzins zur Verfügung stellte. Diese  legen das Geld dann teilweise in höher verzinste Anlagen an – manche Staatsanleihen beispielsweise. Die Gelddruckmaschine fährt auf Hochtouren.

Wir Bürger aber, ein Schelm der Böses dabei denkt, sollen die tatsächliche Teuerung gar nicht zur Kenntnis nehmen. Und deshalb gibt es die offiziell verkündete Inflationsrate als Gradmesser für den Anstieg der Lebenshaltungskosten. Je niedriger die Inflationsrate, je erfreuter sind (fast) alle Seiten: Arbeitgeber müssen nur geringe Lohnerhöhungen als Inflationsausgleich anbieten; Schuldner profitieren davon, dass die Gläubiger den Zins niedriger ansetzen, weil der Ausgleich für die Geldentwertung in der Zukunft geringer ausfällt; Vater Staat profitiert als größter Schuldner von geringeren Zinsen und als größter Arbeitgeber von niedrigeren Löhnen, samt aller an die Löhne gekoppelten Renten- oder Sozialtransferleistungen.

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Die Trickkiste der Statistik

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  • Sehr geehrter Herr Dr.!
    Evtl. sollten sie die Möglichkeiten der Fortbildung selbst nutzen. Aller Augenmerk zur Inflationserwartung und Ermittlung hat sich auf die EZB verlagert seit wir einen gemeinsamen Währungsraum besitzen.
    Diese "Institution" rechnet sehr wohl nach dem Hedonischen Prinzip der Qualitäts- und Nutzwertsteigerung des selben Nutzproduktes, auch wenn sie es so nicht nennen.

    Ich verweise sie hiermit auf http://www.ecb.int/ecb/educational/hicp/html/index.de.html . Sie dürfen dort gern auf den Reiter "Gefühlte Inflation" klicken und sich beim Punkt "Preis- versus Qualitätsänderungen" weiterbilden. Vielen Dank.

  • Die Verfasserin dieses Artikels hat einen sehr wichtigen Punkt vergessen, nämlich das der Staat mit seiner unsozialen Geldpolitik, sich selbst schadet. Hat der Bürger weniger Geld, wird die Binnennachfrage für Güter erheblich gedrosselt, was zusätzlich, wegen weniger Gewinne der Firmen, die Steuereinnahmen senkt.
    Diese nicht ökonomische Handlungsweise stellt alle wirtschaftlichen Erfahrungswerte auf den Kopf, ein Beweis für die Unfähigkeit der Koalition, die auch die Schuldenpolitik zu verantworten hat.

  • @puk: Die Währungsunion mit der ehemaligen DDR trat zum 01.07.1990 in Kraft. Die Inflationraten in Deutschland waren 1990: 2,6%, 1991: 3,7%, 1992: 5,1% -> keine inflationäre Tendenzen?!

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