B.wertet
Sind wir böse Spekulanten?

Immer wieder wird der Kampf gegen die Spekulanten als Ziel genannt, das Eindämmen der Spekulation zur Rechtfertigung herangezogen. Aber das ist ein Fehler.
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Ob bei der Diskussion über die Börsenumsatzsteuer, bei Maßnahmen zur Eindämmung des Hochfrequenzhandels, bei der Infragestellung der Notwendigkeit von Investmentbanken oder der Diskussion der Aufgaben der EZB im Schuldentaumel – immer wieder wird der Kampf gegen die Spekulanten als Ziel genannt, das Eindämmen der Spekulation zur Rechtfertigung herangezogen. Auf der schwarzen Liste breiter Bevölkerungskreise und der Politik scheint der Spekulant einen Spitzenplatz einzunehmen. Spekulanten bereichern sich an unserem sauer verdienten Vermögen und verursachen Finanz- und Wirtschaftskrisen, so könnte man wohl die Volksmeinung auf den Punkt bringen. Doch im eigentlichen Wortsinn bedeutet Spekulation nichts anderes als in Zukunft gerichtetes Handeln. Also heute zu entscheiden, was zu tun ist, wenn sich – zum Beispiel – ein Wertpapier in nächster Zeit so oder eben anders entwickelt. Wirtschaftlich gesehen will der Spekulant einen finanziellen Erfolg aus dieser seiner Entscheidung ziehen, trägt aber auch das Risiko einer immer möglichen Fehlentscheidung. Mittels Information und unterschiedlichster Analysetechniken versucht er, dieses Risiko einzugrenzen. Auf philosophisches Eis – Spekulation als Denken des Ungedachten – will ich mich an dieser Stelle aber lieber nicht wagen.

In diesem Sinne ist aber auch beispielsweise jede Versicherung Spekulation. Wir entscheiden heute, einem Unternehmen Geld zu zahlen, damit wir bei Eintreten eines bestimmten Ereignisses daraus resultierende Verluste erstattet bekommen. Anders ausgedrückt: Wer zum Beispiel eine Glasbruchversicherung abschließt, "spekuliert darauf", dass Glas bricht – sonst hat er ja "fehlinvestiert" und ohne Grund seine Police bezahlt. Wer keine Haftpflichtversicherung abschließt, "spekuliert darauf", dass ihm schon kein Missgeschick passiert. Und die Versicherung "spekuliert" mit dem angelegten Geld, damit sie im Notfall auch über genügend Kapital verfügt, den Schaden zu bezahlen. Sind das immer alles böse Spekulanten, sind wir also mehr oder weniger alle Spekulanten? Wo beginnt Spekulation im landläufig verwendeten Sinne? Gibt es eine Grenze, ab der vorausschauendes Handeln unanständig wird? Ist die Geldanlage auf dem Sparbuch auch "Spekulation"?

Kommentare zu " B.wertet: Sind wir böse Spekulanten?"

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  • @popper: Realwirtschaftlicher Nutzen einer Fussballwette - warum nicht wenn es den Beteiligten Spass macht? Komme doch bitte keiner mit der Erklärung alles Handeln muss einen irgendwie gearteten Nutzen haben. Eine Oper oder modernes Theater hat für mich nullkommanull Nutzen; trotzdem ein Big Business.

    Analog dazu von einer Pervertierung des Finanzmarktes zu sprechen ... das ganz Spiel geht nur wenn eine Firma, Staat, Land, Kommune sich so bescheuert verhält dass die jeweilige Institution auch anderweitig über kurz oder lang über den Jordan gegangen wäre. Weiß nicht wer hier der Perversere ist.

  • @Weekend: Für wie dumm halten Sie uns eigentlich dass Sie uns so eine abenteuerliche Spekulation der Tatsachen andrehen? Ich kaufe diese abstrusen Sinnverdrehungen nicht! Im Übrigen ist der Verweis auf "früher war alles besser" keinen Deut besser. Sie haben ja glücklicherweise die Freiheit sich ein "einfacheres Leben" anzutun um dann mal zu merken um wie viele banalere, aber lebenswichtige Dinge Sie sich tagtäglich selbst kümmern müssten.

  • ..jaja. Und wer jede Woche einen Lottoschein ausfüllt und darauf spekuliert, ein paar Richtige zu treffen: Überflüssige Spekulation, verbieten! Und wer im Sommer seinen Heizöl-Tank füllt, weil er darauf spekuliert, dass das Öl im Winter teurere wird: Vebieten! Und wer eine Frau heiratet, weil er darauf spekuliert, mit ihr glücklich zu werden: Verbieten!

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