B.wertet
Unbeliebt

Banker ist der derzeitige Alptraumberuf der Deutschen. Genauso unbeliebt sind nur Fernsehmoderatoren. Wollen wir einfach nicht mehr hören und sehen, wie über die Probleme der Welt nur geredet wird?
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Banker sind unbeliebt -  diese Einschätzung erfordert heute wohl kaum noch einen Beweis. Es gibt ganz anschaulich inzwischen Demonstrationen vor Banken gegen das Wirken in den Banken. So erstaunt es kaum, dass eine Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach die Gruppe der „Banker/Bankangestellten“ zum unbeliebtesten Beruf aus einer Liste von insgesamt 17 erklärte. Alles andere hätte uns eher verblüfft.

Seit 1966 ermittelt das Institut für Demoskopie Allensbach in regelmäßigen Abständen das Ansehen ausgewählter Berufe. Die Befragten sollen angeben, vor welchem Beruf sie am meisten Achtung haben, und von Beginn an führt der Arztberuf unangefochten die Liste an.

Daran änderte sich auch in der Allensbacher Berufsprestige-Skala 2011 nichts: 82 Prozent der Befragten zählten den Arzt zu den Berufen, vor denen sie am meisten Achtung haben. An zweiter Stelle folgt die Krankenschwester mit 67 Prozent und – mit bereits deutlichem Abstand – Lehrer mit 42 Prozent sowie Handwerker mit 41 Prozent. Am wenigsten Achtung hatten sie eben mit nur vier Prozent vor Bankern.

Der akademische Grad scheint also nicht ausschlaggebend zu sein für die Auswahl unter den Berufen, eher steht die Leistung, die für die Gesellschaft erbracht wird, hinter der Entscheidung. Wer sich um Kranke kümmert und ihnen hilft und wer Kinder erzieht, der verfügt auch über einen hohen Status. Und wer ganz praktisch, wie ein Handwerker, für das tägliche Wohl sorgt und uns morgens mit frischen Brötchen versorgt oder das Auto fachmännisch repariert, vor dessen Leistung ist Achtung durchaus angebracht.

Auch die Höhe des Gehaltes spielt hier offensichtlich keine Rolle – eher im Gegenteil erscheint die Höhe des Gehaltes manchmal als eine Art Kompensation für die Nichtachtung eines Berufes zu gelten. Nicht sehr weit oben im Ansehen der Bürger angesiedelt liegt auch der Unternehmer, er ist mit Rang neun im Mittelfeld der Beliebtheit verortet – interessanterweise genau zwischen dem etwas positiver eingeschätzten Pfarrer und dem schlechter bewerteten Polizisten. Was auch immer das im Detail zu bedeuten hat.

Doch zurück auf die untersten Ränge der Tabelle: Denn mit ebenfalls nur vier Prozent liegen gleichauf mit dem derzeitigen Alptraumberuf Banker ausgerechnet die Fernsehmoderatoren. Sind wir der immer neuen, frucht- und ergebnislosen Fernsehdiskussionen überdrüssig? Wollen wir einfach nicht mehr hören und sehen, wie über die Probleme der Welt nur geredet wird? Machen wir, wie seit Urzeiten, die Überbringer der schlechten Wahrheit für das Schlechte der Wahrheit verantwortlich? Das könnte auch erklären, dass die vorletzten Plätze mit jeweils nur sechs Prozent „Achtungserfolg“ von Politikern und Buchhändlern eingenommen werden. Handeln nicht  beide in irgendeiner Weise oftmals mit sehr fantastischen und kaum noch nachvollziehbaren Geschichten?

Ihre
cb

Christine Bortenlänger, geboren 1966 in München, ist Geschäftsführerin der Börse München.

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Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.
Christine Bortenlänger
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Kommentare zu " B.wertet: Unbeliebt"

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    Auf welchem Platz finden sich denn GEZ-EintreiberInnen & SteuerfahnderInnen?

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    Auf welchem Platz finden sich denn GEZ-EintreiberInnen & SteuerfahnderInnen?

  • Frau Bortenlänger, würden Börsenhändler explizit in der Umfrage erwähnt, könnte ihr Berufsstand sicher mit ihren Kollegen, den Bankern, im Ranking mithalten, haha. Ob nun berechtigt oder nicht.

    Sorry! Es gibt auch positive Ausnahmen in der Finanzbranche. In der Hochfinanz sind sie aber relativ selten, I'm afraid.

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