Kurz und schmerzhaft

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B.wertet: Unterschätzte Disziplin

Wer kennt das nicht? Abends nur ein Bier, dann werden es zwei. Die letzte Fernsehsendung - doch es bleibt nicht dabei. Uns mangelt es an Selbstdisziplin, dabei würde sie uns das Leben erleichtern.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.
Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Altmodisch, militaristisch, anstrengend, lustfeindlich, eine Sekundärtugend: Die Disziplin, genauer, die Selbstdisziplin, hat es schwer in der heutigen Zeit. Eigene Interessen zurückzuschrauben zu Gunsten fester Grundsätze, moralischer Einschränkungen, ethischer Richtlinien oder den einfachen Regeln eines zivilisierten Zusammenlebens erfreut sich keiner großen Beliebtheit.

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Bei einer Befragung unter mehr als zwei Millionen Menschen, die ihre eigenen Charakterstärken beschreiben sollten, landete die Selbstdisziplin an letzter Stelle. Bei den Schwächen hingegen nahm sie eine Spitzenstellung ein – als ob wir absichtlich damit kokettierten.

Das Fehlen von Disziplin lässt sich vom Großen zum Kleinen mit einer wahren Fülle von Beispielen belegen, angefangen schon einmal von der fehlenden Haushaltsdisziplin vieler, wenn nicht der meisten Länder. Diese schreiben wir gerne ausschließlich der Politik und den Banken zu und nicht etwa unseren hohen Ansprüchen und der Versuchung, mehr haben zu wollen, als vorhanden ist. Auch privat wächst ja die Tendenz, sich zu verschulden. Trotzdem, die Freude, mit der die Politik mehr ausgibt, als sie einnimmt, dient nicht gerade als Vorbild für Haushaltsdisziplin in jeder Form.

Da ist es kein Wunder, dass viele professionelle Investoren wenig Vertrauen in das Verhalten der amtierenden Politiker haben, wie die jüngsten Zinsaufschläge für spanische Staatsanleihen wieder unter Beweis stellten. Zugegeben, in der Politik fällt Disziplin besonders schwer, wenn der politische Gegner mit immer neuen Versprechungen locken kann, ohne Gewähr, sie auch einzuhalten, wenn er das Ruder übernimmt. Auch hier wäre mehr Disziplin durchaus angebracht.

Wir alle kennen mangelnde Selbstdisziplin, den inneren Schweinehund, den wir mit Schokolade füttern oder im Bett liegen lassen, statt durch morgendliches Joggen zu vertreiben. Es bleibt nicht beim Gläschen Wein oder der einen Flasche Bier und Chips gehören zum Fernsehabend.

  • 22.06.2012, 13:50 UhrMary

    Womit wir beim ESM wären
    Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
    Bitte Frau Bortenlänger, schreiben Sie ab und zu im Dax-Forum.

  • 21.06.2012, 12:30 UhrPoldi 0824

    Womit wir bei der EM wären und der Hoffnung, dass am morgigen Freitag derjenige gewinnt, der Siegeswillen – auch eine Form von Selbstdisziplin – mit Begabung und Einfallsreichtum paart

    Disziplin ist für den Menschen immer mit einer Anstregung verbunden.
    Anders sieht es bei der Motivation aus, wenn vorhanden.

    Wenn z. B. der normale Ägypter öfters eine Stunde zu spät zur Arbeit kommt ist das kein Beinbruch. Oder wenn beim Inder das Telefon klingelt, ihm aber nicht nach telefonieren ist, kann er es ganz ruhig klingeln lassen. Ein Telefonklingeln beim Deutschen ist elektrisierend wie ein Befehl, den er zu befolgen hat und es auch tut.

    Einen steigenden Mangel an Selbstdisziplin kann ich nur in geringem Umfang feststellen.Die Selbstdisziplin hat sich nur verlagert. Der D braucht die Kraft jetzt für den Existenzerhalt, die Arbeit. Oft egal welche bei steigenden Anforderungen. Was früher durch Motivation ganz leicht war, erfordert heute den Einsatz seiner Willenskräfte und davon hat jedermann nur begrenzt.

    Auch der Deutsche aber auf hohem Niveau.

    Schönen Tag noch.

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