B.wertet
Wachstum - Fluch oder Segen?

Weniger Ausgaben und höhere Einnahmen sind die besten Wege, die Verschuldung in den Griff zu bekommen. Zu viel Sparen kostet aber Wachstum, erhöhte Ausgaben schaffen Wachstum, steigern aber die Verbindlichkeiten.
  • 7

Neun europäische Länder wurden von der Ratingagentur Standard & Poor’s herabgestuft, am prominentesten dabei Frankreich, das sein AAA einbüßte. Begründet haben die Analysten von S&P diesen Schritt damit, dass die einseitige Sparpolitik Wachstum koste. Wachstum ist jedoch, und dazu braucht es nicht die Erkenntnisse einer Ratingagentur, die essenzielle Voraussetzung, um die Mittel zu erwirtschaften, mit denen Kredite zurückgezahlt werden können. Weniger Ausgaben (Sparen) und höhere Einnahmen (Wachstum) sind die besten Wege, die Verschuldung in den Griff zu bekommen. Allerdings, zu viel Sparen kostet Wachstum, erhöhte Ausgaben schaffen Wachstum, steigern aber die Verbindlichkeiten. Hier muss die Wirtschaftspolitik zwischen Skylla und Charybdis den bestmöglichen Kurs finden. 

Doch es gibt immer mehr Menschen, die Wachstum ganz generell ablehnen. „Wachsen um des Wachstums willen ist die Ideologie von Krebszellen“, erklärt der amerikanische Naturforscher, Philosoph und Schriftsteller Edward Abbey. Ideen wie eine „Postwachstumstheorie“ stoßen heute auf großes Interesse und seit Erscheinen der „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome im Jahr 1972 wächst das Lager der Wachstumsgegner mit hohen Wachstumsraten. Sollen wir uns also einer neuen Genügsamkeit verschreiben und uns auf immaterielle Werte stürzen? Wollen wir künftig „Schrumpfungs-Ziele“ ausloben? Wird es eine Wachstumspolizei geben, die uns verbietet, bestimmte Produkte zu kaufen, weil wir schon genügend davon haben? Soll VW die Bänder still legen, wenn die Summe der produzierten Autos die des Vorjahres übersteigt?

Meiner Meinung nach sehen Wachstumskritiker das Wachstum viel zu einseitig. Sie richten ihr Augenmerk vor allem auf die gebräuchlichste Messgröße für Wachstum, das Bruttosozialprodukt. Mit dieser Kennzahl wird versucht, die jährliche Wertschöpfung einer Volkswirtschaft zu berechnen. Damit erhält man – umgerechnet pro Kopf – einen weltweiten Vergleichsmaßstab. Gerne wird von Kritikern das Beispiel zitiert, dass eine Karambolage auf der Autobahn mit vielen hundert beteiligten Autos zwar das BIP deutlich erhöhe, aber gleichzeitig natürlich nicht Wohlstand, Glück, Zufriedenheit in der Bevölkerung stiegen. Auch berücksichtige das BIP nicht die Wohlfahrtsgewinne, die entstehen, weil Menschen ehrenamtlich tätig sind, obwohl sie zweifelsfrei Werte schaffen und für Zufriedenheit sorgen. 

 

Seite 1:

Wachstum - Fluch oder Segen?

Seite 2:

Eine Gesellschaft muss wachsen

Kommentare zu " B.wertet: Wachstum - Fluch oder Segen?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie www.bandbreitenmodell.de/wachstum zeigt, ist ewiges Wachstum weder möglich, noch kann es ein Ziel sein.

    Wie sagte Ökonom Kenneth Boulding: "Wer glaubt, unendliches Wachstum in einer endlichen Welt sei möglich, ist entweder völlig verrückt, oder ein Wirtschaftswissenschaftler."

    Wachstum ist ungleich Quatiltätssteigerung. Schauen Sie sich einfach mal das Mengenwachstum bei Waren und Rohstoffen an. Viele Dinge sind qualitativ auch nicht mehr nennenswert steigerbar (Einrichtungsgegenstände, Baustoffe, Dienstleistungen, Handel).

    Es gilt, das OPTIMALE Wachstum zu finden. www.bandbreitenmodell.de/wachstum beantwortet das u.a. mit der Metapgher eines Baumes: Weder Bonsai noch 3 Kilometer hoher Monsterbaum.

  • Danke fuer den tollen Link. Ich lebe z.Zt. in den USA. Was mich als erstes total entsetzt hat, ist diese Verschwendungssucht und Wegwerfmentalitaet. So kurbelt man das Wachstum an. In Europa sind wir leider mittlerweile genau auf diesem Weg. Schade. Nur weil wir uns nicht vorstellen koennen, wie unsere Wirtschaft ohne Wachstum ueberleben kann, heisst es nicht, dass es nicht einen Weg geben koennte.

  • Kleine Korrektur:

    Die Produktionsfaktoren heißen:

    Arbeit, Boden und Kapital.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%