B.wertet
Was bedeutet eigentlich „Gutmenschentum“?

Überall ist von Gutmenschen die Rede, doch was zeichnet diese Menschen aus? Sind sie tatsächlich gut oder wollen sie es nur sein? Schwingen sie bloß die Moralkeule oder sind sie wichtig für die Demokratie? Eine Analyse.
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Einige Kommentatoren haben mir als Reaktion auf meine letzte Kolumne „Gutmenschentum“ vorgeworfen. Weil das der langjährigen Chefin einer Börse nicht alle Tage widerfährt, habe ich darüber nachgedacht, was sich hinter diesem Begriff des Gutmenschentums eigentlich verbergen könnte. Er begegnet uns allenthalben und kaum jemand scheint davor gefeit, als solcher identifiziert – oder soll ich besser sagen – diffamiert zu werden.

Vom ordentlich behelmten Liegefahrradfahrer über den akribischen Mülltrenner bis zum längst in den Institutionen ergrauten End-68er erklären Internetforen inzwischen im Prinzip die gesamte „Mitte der Gesellschaft“, die „politisch Korrekten“, zu ausgewachsenen Gutmenschen. Ich bin also nicht allein.

Offensichtlich ist der Gutmensch, so legen es die Ausführungen der Kommentatoren nur allzu nahe, eindeutig negativ besetzt. Aber unterscheiden sich Gutmenschen nun von „guten Menschen“ dadurch, dass sie nicht „gut“ sind oder dass sie es nur „gut meinen“ oder einfach nur durch und mit ihrem Gutsein nerven, angeben oder zumindest anecken? Und was sollen wir ansonsten sein? Abwertend? Gehässig? Böse und gemein?

Ziehen wir die guten Menschen – oder Gutmenschen? – die eifrig und für Gotteslohn für Wikipedia schreiben, zu Rate. Sie definieren den Begriff als „meist abwertend gemeinte Bezeichnung für Einzelpersonen oder Personengruppen, denen ihr Attribut „Gutsein“ oder „Gutseinwollen“ als übertrieben moralisierendes oder naives Verhalten unterstellt wird“.

Naiv und ständig die Moralkeule schwingend, das sollen also Gutmenschen sein. Das alte Wort des „Moralapostels“ kommt einem dabei in den Sinn – aber wahrscheinlich können heute viele Forenschreiber mit dem Wort Apostel nichts mehr anfangen, auch wenn die Übersetzung eines „Moralapostels“ schlicht „Sendbote der Moral“ lautete.

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  • Eine ganz tolle Idee das Thema aufzugreifen, und dann zu diskutieren !

  • Super formuliert Gratulation :-) Ich wollte schreiben, so gut konnte ich das nicht. Ergänzen möchte ich noch: das Güte und das Böse ist dem Menschen immanent, leider. So ist es wichtig miteinander über Alles sprechen zu können, das aber wollen Gutmenschen nicht. Sie wissen unterbewusst sie haben diesen Schatten auch, wollen es aber nicht wahr haben und "der bessere Mensch" sein. Und wenn nun ein anderer Mensch sich erlaubt anderer Meinung als der gängigen Meinung (die der Gutmensch meint für sich gepachtet zu haben) zu sein, schlimmstenfalls an den Schatten erinnert, dann wird der Gutmensch "zur Wildsau" und fängt an um sich zu schlagen, er ist dann auch nicht mehr fähig zur Diskussion oder Besprechung, er wird emotional heftig - und schneidet den Schatten brutal ab. Was aber ist wenn der Schatten des Menschen dauerhaft unterdrückt wird? Dann besteht für mich tatsächlich die Gefahr, dass er eines Tages ins Bewusstsein drängt und die Dinge bestimmt. Deshalb ist es wichtig, daß Gutmenschen erkennen, daß sie keine Demokraten sind und lernen sich für eine ganzheitliche Diskussion zu öffnen. Denn die Welt ist bunt und vielfältig und nicht so wie sie sie - gutgemeint, aber ängstlich - haben wollen. Anders: man muss Dinge beim Namen nennen dürfen (siehe z.B. Sarrazinbücher) und sich dann tatsächlich mit Fakten statt Emotionen beschäftigen, Vor- und Nachteile abwägen. Der Gutmensch aber unterdrückt und das behindert und kann zu Katastrophen führen, denn Verdrängung war noch nie ein guter Ratgeber für die Menschen.

  • Wie alle Gutmenschen fühlt sich Frau Bortenlänger ungerecht behandelt, denn das Kennzeichen des Gutmenschen ist, daß er sich moralisch höherwertig sieht. Dies macht ihn den grünroten Ideologen so ähnlich und die wählt er auch.
    Sein Maß an Gutheit und politischer Korrektheit erwartet er auch von anderen, denn nur er ist die wirkliche Mitte.
    Charakteristisch für Gutmenschen ist die claudiastische Betroffenheitshausiererei und die Nazikeule, mit der er Uneinsichtige abstraft; er huldigt dem Feminismus, dem Pazifismus und Multikulti und er verkörpert die soziale Gerechtigkeit, mit der er Europa und die Welt mit dem Geld anderer Leute retten will, sein Katechismus ist die Ökoreligion.
    Er ist Priester der Opferkultur, die sein Alter Ego, der Neomarxist Marcuse ihm vorgeplappert hat und er glorifiziert die Mühseligen und Beladenen dieser Welt, nämlich Frauen, Behinderte, Schwule und ethnisch andersartige, unermüdlich lichterkettet er gegen imaginierte Nazis und das Böse an sich, den weißen Mittelschichtsmann.

    Er ist der Prototyp des erkenntnisresistenten Kulturmarxisten und der Untergang des Abendlandes.

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