B.wertet

Was bedeutet eigentlich „Gutmenschentum“?

Überall ist von Gutmenschen die Rede, doch was zeichnet diese Menschen aus? Sind sie tatsächlich gut oder wollen sie es nur sein? Schwingen sie bloß die Moralkeule oder sind sie wichtig für die Demokratie? Eine Analyse.
35 Kommentare
Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Einige Kommentatoren haben mir als Reaktion auf meine letzte Kolumne „Gutmenschentum“ vorgeworfen. Weil das der langjährigen Chefin einer Börse nicht alle Tage widerfährt, habe ich darüber nachgedacht, was sich hinter diesem Begriff des Gutmenschentums eigentlich verbergen könnte. Er begegnet uns allenthalben und kaum jemand scheint davor gefeit, als solcher identifiziert – oder soll ich besser sagen – diffamiert zu werden.

Vom ordentlich behelmten Liegefahrradfahrer über den akribischen Mülltrenner bis zum längst in den Institutionen ergrauten End-68er erklären Internetforen inzwischen im Prinzip die gesamte „Mitte der Gesellschaft“, die „politisch Korrekten“, zu ausgewachsenen Gutmenschen. Ich bin also nicht allein.

Offensichtlich ist der Gutmensch, so legen es die Ausführungen der Kommentatoren nur allzu nahe, eindeutig negativ besetzt. Aber unterscheiden sich Gutmenschen nun von „guten Menschen“ dadurch, dass sie nicht „gut“ sind oder dass sie es nur „gut meinen“ oder einfach nur durch und mit ihrem Gutsein nerven, angeben oder zumindest anecken? Und was sollen wir ansonsten sein? Abwertend? Gehässig? Böse und gemein?

Ziehen wir die guten Menschen – oder Gutmenschen? – die eifrig und für Gotteslohn für Wikipedia schreiben, zu Rate. Sie definieren den Begriff als „meist abwertend gemeinte Bezeichnung für Einzelpersonen oder Personengruppen, denen ihr Attribut „Gutsein“ oder „Gutseinwollen“ als übertrieben moralisierendes oder naives Verhalten unterstellt wird“.

Naiv und ständig die Moralkeule schwingend, das sollen also Gutmenschen sein. Das alte Wort des „Moralapostels“ kommt einem dabei in den Sinn – aber wahrscheinlich können heute viele Forenschreiber mit dem Wort Apostel nichts mehr anfangen, auch wenn die Übersetzung eines „Moralapostels“ schlicht „Sendbote der Moral“ lautete.

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35 Kommentare zu "B.wertet: Was bedeutet eigentlich „Gutmenschentum“?"

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  • Eine ganz tolle Idee das Thema aufzugreifen, und dann zu diskutieren !

  • Super formuliert Gratulation :-) Ich wollte schreiben, so gut konnte ich das nicht. Ergänzen möchte ich noch: das Güte und das Böse ist dem Menschen immanent, leider. So ist es wichtig miteinander über Alles sprechen zu können, das aber wollen Gutmenschen nicht. Sie wissen unterbewusst sie haben diesen Schatten auch, wollen es aber nicht wahr haben und "der bessere Mensch" sein. Und wenn nun ein anderer Mensch sich erlaubt anderer Meinung als der gängigen Meinung (die der Gutmensch meint für sich gepachtet zu haben) zu sein, schlimmstenfalls an den Schatten erinnert, dann wird der Gutmensch "zur Wildsau" und fängt an um sich zu schlagen, er ist dann auch nicht mehr fähig zur Diskussion oder Besprechung, er wird emotional heftig - und schneidet den Schatten brutal ab. Was aber ist wenn der Schatten des Menschen dauerhaft unterdrückt wird? Dann besteht für mich tatsächlich die Gefahr, dass er eines Tages ins Bewusstsein drängt und die Dinge bestimmt. Deshalb ist es wichtig, daß Gutmenschen erkennen, daß sie keine Demokraten sind und lernen sich für eine ganzheitliche Diskussion zu öffnen. Denn die Welt ist bunt und vielfältig und nicht so wie sie sie - gutgemeint, aber ängstlich - haben wollen. Anders: man muss Dinge beim Namen nennen dürfen (siehe z.B. Sarrazinbücher) und sich dann tatsächlich mit Fakten statt Emotionen beschäftigen, Vor- und Nachteile abwägen. Der Gutmensch aber unterdrückt und das behindert und kann zu Katastrophen führen, denn Verdrängung war noch nie ein guter Ratgeber für die Menschen.

  • Wie alle Gutmenschen fühlt sich Frau Bortenlänger ungerecht behandelt, denn das Kennzeichen des Gutmenschen ist, daß er sich moralisch höherwertig sieht. Dies macht ihn den grünroten Ideologen so ähnlich und die wählt er auch.
    Sein Maß an Gutheit und politischer Korrektheit erwartet er auch von anderen, denn nur er ist die wirkliche Mitte.
    Charakteristisch für Gutmenschen ist die claudiastische Betroffenheitshausiererei und die Nazikeule, mit der er Uneinsichtige abstraft; er huldigt dem Feminismus, dem Pazifismus und Multikulti und er verkörpert die soziale Gerechtigkeit, mit der er Europa und die Welt mit dem Geld anderer Leute retten will, sein Katechismus ist die Ökoreligion.
    Er ist Priester der Opferkultur, die sein Alter Ego, der Neomarxist Marcuse ihm vorgeplappert hat und er glorifiziert die Mühseligen und Beladenen dieser Welt, nämlich Frauen, Behinderte, Schwule und ethnisch andersartige, unermüdlich lichterkettet er gegen imaginierte Nazis und das Böse an sich, den weißen Mittelschichtsmann.

    Er ist der Prototyp des erkenntnisresistenten Kulturmarxisten und der Untergang des Abendlandes.

  • @Germanenhengst:
    Guter Kommentar, aber ist kaiserbubu nicht ein gutes Beispiel eines Gutmenschens? ;)

    Siehe auch sein Kommentar in einem anderen Thread:

    kaiserbubu
    "Man muss nur in dem Forum lesen. Was sich hier teilweise outet ist gelinde gesagt erschreckend. Stammtisch Vorurteile gegenüber Südländern und asoziale chauvinistisch nationale Töne mit Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Der hässliche Deutsche ist mit Sarrazin wieder aus der Box gesprungen."

  • kaiserbubu
    „Mein Kampf“ die Vorsilbe gut wiederholt in abwertendem Zusammenhang verwendet hatte.
    ---------------------------------
    Na,..endlich wieder was mit Adolf gefunden Kaiserbubu.
    Ihre Beiträge kommen selten ohne aus..Immer auf der
    Suche den Nazi-Deutschen noch eins überzuziehen..
    Adolf hat öfter abwertend "gut" gesagt.Auweia..




  • @Kaiserbubu

    Wissen Sie, das schöne an einer 'vermuteten Herkunft von den Nazis' ist immer das, dass dann alle gleich ganz verschreckt in alle Winde wegstauben, weil mit 'diesen Bösen' will ja keiner der 'uns Guten' was zu tun haben...

    Es ist einfach nur wunderbar, sich ein solch zünftiges Totschlagargument hochzuhalten, weil es meiner gegengelagerten Meinung so herrlich diffamierend den legitimierten Boden entziehen kann.

    Aber wissen Sie was?

    Auch wenn ein Adolf in seinen maßgeblichen 12 oder auch 25 Jahren oft das Wort 'gut' für sich gebraucht haben mag, könnte ich mir vorstellen, dass darüber hinaus im Laufe der tausende Jahre alten Geschichte unseres Volkes auch ganz andere Größen der 'Dichter und Denker' mannigfach über 'gut' sinniert haben - und dabei sicherlich genauso das Phänomen des öffentlich anbiedernden Gefälligkeitsstreben entdeckt haben.

    Denn "Gutmenschen" folgen stets der dominierenden Idee DES AKTUELLEN ZEITGEISTES - auch wenn diese gelegentlich auch mal Hexenverbrennungen auf dem Marktplatz fordern sollten.

  • Der Deutsche Journalisten-Verband vermutet in Zusammenarbeit mit Sprachforschern des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung die Herkunft des Begriffes in der Zeit des Nationalsozialismus.[4] Demnach soll die Bezeichnung „Gutmensch“ bereits für die Anhänger von Kardinal Graf von Galen verwendet worden sein, die gegen die Ermordung Behinderter in der NS-Zeit auftraten. „Gutmensch“ sei eine Ableitung vom jiddischen „a gutt Mensch“. Der DJV verweist auf Adolf Hitler, der in seinen Reden und seinem Buch „Mein Kampf“ die Vorsilbe gut wiederholt in abwertendem Zusammenhang verwendet hatte. So waren für ihn gutmeinende und gutmütige Menschen diejenigen, die den Feinden des deutschen Volkes in die Hände spielten.[22]

  • >” Das alte Wort des „Moralapostels“ kommt einem dabei in den Sinn – aber wahrscheinlich können heute viele Forenschreiber mit dem Wort Apostel nichts mehr anfangen “<
    Und das war wieder so eine arrogante Spitze ‘holier than thou / claiming the high moral ground’ -- gute Frau Bortenlänger, ich bin ja religiös und damit besser als ihr dummen Heiden die nicht mal wissen was ein Apostel ist. Sehen Sie was wir meinen ?!?

    Solche Mortalapostel die Wasser predigigen aber selber Wein trinken, die dazu noch wie Sie ein Teil des von vielen inzwischen als kriminell angesehenen Finanzjongleurtums sind, und die andere auffordern doch bitte schön “allen zu helfen” und jedwede Kritik zu unterlassen (because of political correctness) werden auch als Heuchler (Hypocrites) oder Gutmenschen bezeicnet.

    Also eine Kombination aus Heuchelei (selber nichts dazu beitragen) gepaart mit naiven Weltverbessertum, ohne daran zu denken das dieses unpraktisch / nicht zu Ende gedacht/ in keinster Weise durchsetzbar/finanzierbar ist – und dann noch von oben herunter zu belehrern.

    Wie war das doch bei Goethes Faust “die Kraft die stets das Gute will und stets das Böse schafft”

  • Entrüstungskitsch der Dauer-Empörten
    wie er sich oft in Solidaritätsappellen, Lichterketten oder Mahnwachen manifestiert.
    Gegen das Bösmenschentum,reichlich naiv,wirkungslos,feige
    und realitätsverdrängend.





  • das gegenteil von gut ist gut gemeint

    das ist das gutmenschentum

    gut sein zu wollen und von nix eine ahnung haben

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