B.wertet: Was uns die Causa Schlecker lehrt

B.wertet
Was uns die Causa Schlecker lehrt

Schlecker ist insolvent, das Familienvermögen weg. Doch so weit hätte es nicht kommen müssen. So merkwürdig es auf den ersten Blick klingen mag, ein Auffangbecken wäre wohl eine Börsennotierung der Drogeriekette gewesen.
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Wir haben uns in den vergangenen Jahren ja an einige Pleiten und Insolvenzen gewöhnt: Es waren große Namen aus dem Handel, darunter Karstadt, Quelle oder Woolworth, Traditionsfirmen mit hohem Bekanntheitsgrad und den unterschiedlichsten Produkten von Märklin über Pfaff bis Schiesser und Rosenthal. Manche hatten das Glück, „too big to fail“ zu sein wie so einige Banken von der IKB bis zur Hypo Real Estate, aber auch die amerikanischen Autohersteller General Motors und Chrysler.

Das Schicksal der vielen von der Insolvenz betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stimmt nachdenklich, in der schon von früheren Pleiten wie Grundig oder AEG betroffenen Region Fürth/Nürnberg meldeten sich allein 4.000 Menschen arbeitslos. Um den Ansturm zu bewältigen, musste das Arbeitsamt  im Quelle-Versandhaus provisorisch eine eigene Außenstelle eröffnen.

Kaum in den Fokus der Öffentlichkeit rückten allerdings die vielen Beschäftigten und Selbstständigen der kleineren Firmen rund um die Großinsolvenzen, die plötzlich ihren Hauptabnehmer verloren hatten und so mit in den Pleitestrudel gerissen wurden. Da ist dann in der Presse gerne auch mal von den „gierigen Gläubigern“ die Rede, die eine geordnete Insolvenz verhinderten – als handele es sich bei Lieferanten um Investoren. Geldgeber verlieren aber höchstens ihre bis dato gut verzinste Geldanlage, Lieferanten im Zweifelsfall ihre Existenz.

Doch mich beschäftigt im Zuge dieser Insolvenzen eine ganz andere Frage. Wer fängt die Unternehmer auf? Gibt es Auffanggesellschaften für gefallene Milliardäre? Wer finanziert sie, die Gewerkschaften oder Ex-Aufsichtsräte? 

Uns allen steht noch die dramatische Aussage von Madeleine Schickedanz vor Augen, sie habe kaum noch genügend Kapital zum Leben, ja zum Überleben. Und jetzt erschütterten uns die Auskünfte der Familie Schlecker. Nicht nur sei das Unternehmen insolvent, es gebe auch kein Kapital mehr innerhalb der Familie.

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde das Privatvermögen von Senior Anton Schlecker auf mehrere Milliarden Euro geschätzt, jetzt sei es dahingeschmolzen, es sei „nichts mehr da“, so seine Tochter Meike Schlecker auf der ersten Pressekonferenz von Schlecker nach zwanzig Jahren.  Damit muss auch Anton Schlecker Privatinsolvenz anmelden. Das Familienvermögen sei in den vergangenen Jahren in die Handelskette reinvestiert worden. Da die gewählte Rechtsform des Unternehmens mit seinen mehr als 6.000 Märkten sowie 32.000 Beschäftigten in Deutschland die eines e.K., eingetragenen Kaufmanns, gewesen sei, hafte die Familie persönlich. Zahlen über Umsatz, Gewinn oder Verlust liegen nicht vor.

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Der Börsengang als Auffangbecken

Kommentare zu " B.wertet: Was uns die Causa Schlecker lehrt"

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  • Klingt zwar ganz gut ,ist aber nicht hinreichend durchdacht.
    Die Einbringung in eine AG und deren Notierung hätte erhebliche Steuern gekostet und das bei so knapper Liquidität.

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