Kurz und schmerzhaft

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Bruns Breitseite: Die Aktie und ihre Feinde

Die Deutschen mögen keine Aktien. Doch der größte Feind dieser Anlageform ist hierzulande der Staat, gefolgt von vielen anderen Widersachern. Dabei sind Aktien das überlegene Instrument langfristigen Vermögenswachstums.

von Christoph Bruns
Christoph Bruns ist Fondsmanager und Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG.
Christoph Bruns ist Fondsmanager und Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG.

In Anlehnung an Karl Poppers wichtiges Buch, „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ ließe sich der Frage nachgehen, warum eine erfolgreiche Volkswirtschaft wie die Deutsche das klassische Instrument der Beteiligung an der Wirtschaft – die Aktie – seit Jahrzehnten vernachlässigt. In meinen Augen ist der Staat der größte Feind der Aktienanlage in Deutschland. Gleich dahinter kommen Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und zum Teil auch Vorstände und Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften.

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Beim Staat ist die Lage offensichtlich. Er finanziert sich durch Schuldtitel und fürchtet den Wettbewerber Aktie im Kampf um Anlegergelder. Seine Präferenzen setzt der Staat hoheitlich durch, indem er Staatsanleihen bei der Risikoanrechnung von Versicherungen, Banken und anderen institutionellen Anlegern gegenüber Aktien bevorzugt. Zudem diskriminiert der Staat die Aktie, indem ausgeschüttete Gewinne systemwidrig doppelt besteuert. Weitere Aspekte ließen sich anführen.

Ebenso eindeutig ist die Rolle der Versicherer. Ihnen ist an dem Verkauf der staatlich seit Jahrzehnten besonders geförderten Lebensversicherung gelegen. In der Aktie und Aktienfonds erblicken sie einen gefährlichen Wettbewerber.

Erwähnenswert ist noch, dass die Versicherer traditionell sehr gute Verbindungen in die Politik besitzen. Dies kann man von den Banken und der Fondsindustrie nicht sagen, sie haben ihren Kredit – so sie ihn denn jemals einen solchen gehabt haben – verspielt.

Weniger eindeutig ist die Rolle der Banken. Da aber in Deutschland viele Banken unter Staatkuratel stehen (Commerzbank, Landesbanken, Sparkassen, KfW, etc.) verweigern sie sich überwiegend der Förderung der Aktienkultur. Ein überbürokratisches Geflecht aus Aufsichts- Beratungs- und Prüfungsregeln macht die Förderung der Aktie zudem finanziell unattraktiv für Banken und gegebenenfalls sogar risikoreich. Der Verkauf von Sparprodukten, steuergeförderten Anlagen wie Schiffsfonds, Goldschließfächern und Versicherungsprodukten ist wesentlich lukrativer, auch für Bankenvertriebe.

  • 17.01.2013, 15:00 Uhrunbequem

    Herr Bruns scheint zumindest was den deutschen Aktienmarkt angeht nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. Seit 2000 schwankt der DAX sehr stark und befindet sich kontinuierlich unter dem Höchstwert von Februar 2000. D.h,. selbst mit einer Anlage auf dem Sparbuch hätte man den DAX geschlagen. Wenn man sich die Kursentwicklung renommierte Firmen wie Allianz, Telekom oder Münchener Rück ansieht, wird einem übel. Aber da Herr Bruns selber Fonds auflegt und vertreibt, sollte man seinen Kommentar nur als gewerbliche Anzeige kennzeichnen.

  • 17.01.2013, 15:20 Uhrproaktie

    Ich stimme Herrn Bruns generell zu: langfristig führt kein Weg um die Aktie herum. Dass die Deutschen hier zögerlich sind, steht einem sinnvollem Wohlstandsaufbau im Wege (siehe hierzu andere Länder - andere Sitten). Wer sich bspw. nur auf Staatspapiere verlässt, kann sein blaues Wunder erleben. Wer hält diese heute noch für "mündelsicher"....d.h. wenn man kostensensitiv anlegt, bspw. über ETFs, macht man vermutlich langfristig keinen Fehler angesichts eines ggf. Inflationsumfeldes.Und @Unbequem: haben Sie in Ihrer Anmerkung auch die Dividendenausschüttungen berücksichtigt? Vermutlich nicht, und dann sieht Ihr Sparbuch ziemlich alt aus.

  • 17.01.2013, 15:22 UhrMabuse

    @unbequem: Wer nur zum abslouten Höchstkurs kauft und zum absoluten Tiefstkurs verkauft, hat sicher eine schlechtere Rendite als ein Sparbuch. - aber wer tut das schon? -
    Bei einem Aktiensparplan oder einem etwas vernünftigem Timing (!) passiert so etwas nicht.
    Und worin liegt denn derzeit das Problem der Versicherer? Sie haben zu wenig (rendite- und dividendenträchtige) Aktien und zu viel an niedrigst-verzinsliche Staats-anleihen. Ganz im Sinne des Staates - so macht finanzielle Repression doch Spaß!
    Also ich denke, die Mischung machts letztlich. Und mit seinem eigenen Geld sollte man sich schon hin und wieder beschäftigen. Wer denn sonst?

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