Kurz und schmerzhaft

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Bruns Breitseite: Die Demographie und das Geld

Deutschland gibt jährlich knapp 200 Milliarden Euro dafür aus, die Geburtenrate zu steigern. Vergeblich, der Gesellschaft droht die Vergreisung. Anleger sollten ihre Depots entsprechend justieren.

Christoph Bruns ist Fondsmanager und Inhaber der Fondsboutique Loys.
Christoph Bruns ist Fondsmanager und Inhaber der Fondsboutique Loys.

Bundeskanzlerin Merkel hat den zweiten Demographiegipfel der Bundesregierung benutzt, um für mehr Zuwanderung nach Deutschland zu werben. Damit räumt sie das Scheitern ihrer Familienpolitik auf der ganzen Linie ein. Den Vorgängerregierungen war es keinen Deut besser ergangen.

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Wichtiger als derartige Erklärungen sind allerdings die fiskalischen Konsequenzen dieser Einsicht. Die Bundesrepublik gibt im Jahr rund 200 Milliarden Euro für Familienförderung aus. Angesichts der offenbaren Unwirksamkeit dieser Ausgaben in Hinsicht auf die Geburtenrate wäre es nur konsequent, hier den Einstieg in die überfällige Haushaltssanierung zu nehmen. Allerdings sind keine Zeichen erkennbar, denen zufolge ein ernsthafter Sparwillen in Berlin existierte.

Wie nun weiter zu vernehmen war, will die Bundesregierung künftig auf Nettozuwanderung setzen, nachdem das Ziel einer höheren Geburtenrate stillschweigend beerdigt wurde. Allerdings scheint der Regierung nicht hinreichend bewusst zu sein, dass Deutschland für gut ausgebildete junge Leute nicht sonderlich attraktiv ist.

Insbesondere die hohe Abgabenlast in Deutschland dürfte abschreckend auf diese international umworbene Bevölkerungsgruppe wirken. Bis zum Jahr 2025 wird laut Bundesagentur für Arbeit das Arbeitskräftepotential in Deutschland um ca. 6,5 Millionen Menschen auf dann 38 Millionen abnehmen.

Wie diese Lücke geschlossen werden kann, ist schwer zu sehen. Ohne Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum wird diese Entwicklung nicht bleiben. Und am Wirtschaftswachstum hängen Themen wie Staatsverschuldung, Löhne, Aktienkurse und Rente.

Immer weniger lässt sich der Umstand leugnen, dass die demographische Entwicklung in Deutschland umfangreiche Reformen zu ihrer Bemeisterung erfordert. Am wichtigsten wäre der Rückbau des Staates und dessen konsequente Reduzierung auf die Unterstützung der wirklich Bedürftigen.

  • 24.05.2013, 16:11 Uhrhermann.12

    @pit,

    wir leben zumindest der Definition nach in einem freiheitlichen Land. Schön für sie, dass sie sich nicht gegängelt fühlen, darf ich fragen, in welchem Bundesland?
    Und was bitte schön haben meine Einlassungen mit dem Problem Alleinerziehender zu tun?
    Wir schlagen uns wöchentlich mit Unterrichtsausfall, Unplanbarkeit schulischer Veranstaltungen, finanzieller Kostenabwälzung und vorsichtig ausgedrückt einigen Lehrern herum, die eher unter psychatrischer Behandlung gehörten.
    Ich will nicht bestreiten, das auch manche Dinge funktionieren, es sogar manche gute Dinge gibt. Nur nützt das wenig, wenn sie das ständig wegen der Ausfälle überwachen müssen. Lehrpläne Unwichtiges wichtig machen und Wichtiges unzureichend behandeln, wenn Masse statt Klasse bei den Bildungsinhalten dominiert.
    Staatliche Gängelung wird eben immer erst dann zum Problem, wenn das Angebot nicht funktioniert, weil dann die Möglichkeiten recht schnell zu Ende gehen bzw. man selbst anfängt die Defizite zu kompensieren.

    H.

  • 23.05.2013, 23:42 UhrNeueZeit

    @Siegeszug des Kulturmarxismus und niedrige Geburtenrate

    So ist es. Mark Steyn ein bekannter konservativer kanadischer Kommentator hat recht.


    Der Siegeszug des Kulturmarxismus und der damit einhergehenden Hedonismus und Feminismus-Ideologie, bei dem es um weit mehr geht als die Emanzipation der Frau, hat sicher mit zum Geburtenrückgang beigetragen.

    Linke kulturmarxistische Parteien und Ideologen führen einen Kampf gegen die traditionelle Familie und die natürliche Mutterrolle

    Parteien wie die Grünen, SPD oder Linke und ihrer ideologischen Gesinnungsgenossen an den Universitäten und Medien zelebrieren die ich-zentrierte sprich h e d o n i s t i s c h e Karriefrau als ideelles Rollenbild, während sie die Mutterrolle beständig abwerten. Man denke nur an das Wort "Hemdprämie" . Nur wenig der heutigen Linken mehr verhasst zu sein als eine Mutter, die sich um ihre Kinder kümmert, oder gar zu Hause bleibt, um sich ihren Kindern zu widmen. Kinder sind Ballast.

  • 23.05.2013, 20:06 UhrFreiheit

    Das Wallstreetjournal schreibt über Europa: "In ganz Europa gehen die Geburtenraten zurück. Dieser Geburtenrückgang wird nach Ansicht von Experten den Schrumpfungs- und Alterungsprozess der europäischen Bevölkerung beschleunigen, die ohnehin schon mit geringem wirtschaftlichem Wachstum und hohen öffentlichen Ausgaben zu kämpfen hat."

    Leider macht man uns immer wieder vor, unsere geringe Geburtenrate hat mit mangelnder finanzielle Unterstützung zu tun. Tatsächlich spielen Faktoren wie Religiosität und Wertesystem eine viel größere Rolle.
    So wirkt sich der Hedonismus und der in Europa weit verbreitete kulturelle Selbsthass negativ auf die Geburtenrate aus (Quelle: Mark Steyn)

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