Connellys Corner
Abwarten und Kaffee trinken?

Geldanlageentscheidungen sind dieser Tage ein schwieriges Unterfangen.  Aber ein unvermeidliches.
  • 2

„Gib Dein Geld aus!“  Diesen Rat erteilt mir mein 70-jähriger Onkel bei einer Tasse Kaffee. Er hat gut reden. Er bezieht als ehemaliger Ingenieur eine gute Rente und besitzt noch andere Vermögenswerte. Er hat Geld zum Ausgeben und tut genau das dieser Tage.

Diesen Rat scheinen auch viele Deutsche zu befolgen. Neueste Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks  weisen auf ein Rekordumsatzjahr für Handwerker hin. Absatzstatistiken der Investmentfondsbranche hingegen zeigen hohe Mittelabflüsse, vor allem bei Publikumsfonds, die primär von Privatanlegern gekauft werden.  Dies zeigt die hohe Verunsicherung und Enttäuschung der Anleger.

Die Verunsicherung der Anleger ist verständlich. Nicht nur die täglichen Schreckensmeldungen zu Rekordverschuldungen von Staaten, stets neue Rettungsversuchspakete für den Euro und wankende Börsen sind einige der Unwägbarkeiten. Schlimmer noch, hört man gestandenen Investmentprofis zu, so entsteht oft der Eindruck kollektiver Ratlosigkeit. Und eine Kultur des Abwartens, des Abpassens des richtigen Einstiegzeitpunkts etwa in Aktienmärkte. Gerade letzteres ist ein sehr schwieriges Unterfangen und glückt selten.

Viele Anleger sind enttäuscht von ihren Geldanlagen. Die Euphorie der T-Aktie ist längst verflogen und beschäftigt heute deutsche Gerichte. Anleger sind oft frustriert von Ergebnissen ihrer Fondsanlagen,  und dies bezieht sich nicht nur auf die volatileren Aktienfonds.   Gleiches gilt für die sehr beliebten „offenen“ Immobilienfonds, die nun reihenweise geschlossen sind und teilweise von der Auflösung bedroht sind.

Schade ist auch, dass der Begriff Fonds oft undifferenziert angewandt wird.  Insbesondere geschlossene Fonds haben mit den vorgenannten Investmentfonds wenig gemein. Diese gelten als stark reguliert und sehr transparent und bieten somit  eine größere Angriffsfläche als weniger transparente Produkte. Dazu zählen geschlossene Fonds, die in Schiffe, Flugzeuge oder Filme anlegen.

Diese sind eigentlich Unternehmensbeteiligungen, die vermehrt zum Desaster für Anleger mutieren. Der  Reiz nach Steuerbegünstigung (und lukrativen Beraterprovisionen) beflügelte sehr lange diese Branche und war der Hauptgrund für ein Engagement in dieser Anlageform. Eine Aussicht auf nachhaltigen Gewinn schien nicht wirklich wichtig und hat sich in diesen Tagen leider bestätigt. Im Gegenteil, viele Anleger müssen Geld nachschießen. Diese Produkte erfahren zu Recht einen starken Absatzrückgang.

Was tun, wenn ich – wie viele andere – im Gegensatz zu meinem Onkel noch ein paar Jahre arbeiten muss, um eine Rente zu sichern? Eigenverantwortung für den Aufbau eines Altersvorsorgepolsters zu übernehmen halte ich für wichtig.  Und zwar jetzt, auch wenn es schwer fällt.

In einem sind sich die meisten Investmentprofis einig – Aktien sind eine sehr gute Sachwertalternative zu Immobilien. Ein Engagement über gut gemanagte Aktienfonds bietet sich an, gerne in Form eines regelmäßigen Sparplans. Dies führt zu einer Minimierung des Einstiegsrisikos und kann auf Schwankungen der Märkte ausgleichend wirken.

Ob wir künftige Handwerkerrechnungen in Euro, Deutsche Mark, Dollars oder Silberstücke begleichen werden, wird sich zeigen. Und für gute Ratschläge bei einer Tasse Kaffee langt es auf jeden Fall.

Anne Connelly ist Marketingdirektorin Europa von Morningstar. Bevor sie 2001 zu dem internationalen Researchhaus wechselte war sie unter anderem bei der Fondsgesellschaft Pioneer Investments in verschieden Positionen tätig.

Kurz und schmerzhaft: alle Kolumnen

Kolumnenkabinet

Kommentare zu " Connellys Corner: Abwarten und Kaffee trinken?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Aktien wären ja eine Option, wenn da nicht die Steuer wäre. Bei Gewinn holt sich der Staat 25%, egal wie lange ich die Aktien halte. Bei Verlust bekomme ich aber nichts vom Finanzamt. D.h., ich müsste selbst eine Wertsteigerung in Höhe der Inflation versteuern, obwohl ich real keinen Gewinn gemacht habe. Da bin ich mit Gold oder Immobilien besser dran, die kann ich nach 1, 3 (Immo selbstgenutzt) oder 10 (Immo vermietet) Jahren steuerfrei veräußern.

  • Ach du heilige.... Sie arbeiten bei Morningstar und waren vorher bei Pioneer tätig?!? Und dann fallen Sie auf das Argument des Durchschnittskosteneffekts rein? Das ist hier ja die geballte Kompetenz. http://www.sfb504.uni-mannheim.de/publications/dp02-51.pdf

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%