Connellys Corner
Ach, du liebe Zeit!

Familienministerin Kristina Schröder entdeckt die Zeitpolitik für Familien. Endlich. Und es ist Zeit für ein Lob.
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Die Vorstellung des Familienberichts durch die Ministerin hatte sofort meine volle Aufmerksamkeit. Eine beauftragte Sachverständigenkommission hat in ihrem Bericht „Eckpunkte für eine familienfreundliche Zeitpolitik entwickelt“.  Insbesondere Frau Schröders Aussage zur Notwendigkeit der besseren Abstimmung der Öffnungszeiten von Schulen oder Kitas mit Arbeitszeiten, ist von Bedeutung. Kaum zu fassen, aber die Realität vieler erziehender Berufstätigen hat die Politik und eine breite Öffentlichkeit erfasst.  Endlich.

Über die Hälfte der Mütter und Väter wünschen sich eine höhere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dies gilt für Erziehende, die einer bezahlten Arbeit nachgehen, wie Erziehende, die hauptberuflich ihre Kinder betreuen. Letztere würden häufig gerne außer Haus arbeiten, sehen sich aber aufgrund mangelnder Betreuungsmöglichkeiten nicht dazu in der Lage. 

Die Betreuungsmöglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren zwar drastisch verbessert, sind in den westlichen Bundesländern aber noch „suboptimal“, um mal Herrn Schröder (nicht verwandt!) zu zitieren. Vorhandene Betreuungseinrichtungen gönnen sich oft Öffnungszeiten, als hätte es eine Änderung des Ladenschlussgesetzes nie gegeben. Oder Ferien.

Diese knapp bemessenen Öffnungszeiten sind eine der größten Herausforderung und Stressfaktoren für arbeitende Mütter und Väter. Lobenswert die Anstrengungen von höchster politischer Ebene, diese Problematik auf kommunaler Ebene anzugehen und zu lösen.  Dies sollte mit etwas organisatorischem Talent und relativ geringem finanziellem Aufwand zu meistern sein.  Das ist im Zeichen ausufernder Rettungspakete eines Lobes wert.

Verlängerte Betreuungszeiten werden die Arbeitgeber erfreuen. Aber Vorsicht. Es geht nicht ohne Veränderungen auf Arbeitgeberseite. Flexible Arbeitszeiten sind gefragt und vor allem, Schluss mit sinnloser Präsenzkultur in Firmen. 

Ich habe schon so manch erstauntem Angestellten in die Augen geblickt und erklärt, dass in unserem Hause das Endergebnis zählt und nicht wie lange er im Büro sitzt. „That don’t impress me much“, wusste schon Shania Twain, in einem meiner Lieblingssongs. Aber vielleicht erklärt dies auch den Unterschied zwischen Herrn und Frau Schröder - beziehungsweise zwischen Mann und Frau.

Anne Connelly ist Marketingdirektorin Europa von Morningstar. Bevor sie 2001 zu dem internationalen Researchhaus wechselte war sie unter anderem bei der Fondsgesellschaft Pioneer Investments in verschieden Positionen tätig.

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Kommentare zu " Connellys Corner: Ach, du liebe Zeit!"

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  • Ja, Sie haben recht.
    Frauen sollten wieder kochen lernen.
    Dazu, allerdings, müssten ihnen die Männer a) zeigen wo der Herd ist und b)
    danach erklären, was ein Herd ist.

  • die von ihnen zu recht kritisierte präsenzkultur ist ein populistscher seitenhieb -es gibt es gar nicht. ich habe im berufsleben festgestellt, daß sich ein gewisser lebens- oder tagesrhythmus individuell einspielt und sich selbst zu disziplinieren fällt vielen schwer, insb esondere b ei den vielen ablenkungsmöglichkeiten... ich gucke noc mal schnell die aktuellen börsenkurse oder die letzten wirtschaftsnachrichten usw.

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