Connellys Corner
Beziehungskisten

Autos können Gefühle in Wallung bringen.  Leider nicht meine.  Leidenschaft schenke ich einer anderen technischen Errungenschaft.
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Das „Handelsblatt“ berichtete diese Woche, dass Audi in diesem Jahr weltweit erstmals wohl mehr Autos als Mercedes verkaufen wird. Nicht nur gemessen an den Stückzahlen läuft es prächtig, auch die Profitabilität stimmt. Diese Meldung hat einen Gefühlssturm ausgelöst, der sich trefflich an der Anzahl der Online- Kommentare zu diesem Artikel messen lässt. Eine solche Leidenschaft verbindet mich leider nicht mit meinem Auto. Deutlich intimer ist mein Verhältnis zu Espressomaschinen.

Autos, und die damit verbundene Branche, genießen in Deutschland traditionell einen sehr hohen Stellenwert, vor allem - aber nicht nur - aus wirtschaftlicher Sicht. Für Männer ist dies oft ein dankbares Thema und verführt zu langen Debatten über das Für und Wider des einen oder anderen Autos beziehungsweise Marke, technische Vorzüge oder Nachteile, diverse Fahrgefühle und schwärmerisches Schwelgen in Erinnerungen an Autos früherer Zeiten.

Über Autos zu sprechen ist für mich eher quälend, zugegebenermaßen. Kürzlich wurde ich auf einer Party gefragt, welches Auto ich fahre.  Ich antwortete mit der Marke und dann mit dem Modell.  Die weiter fragenden Blicke der männlichen Gäste, verdutzten mich. Dann kam die höfliche Nachfrage hinsichtlich des sich im Wagen befindlichen Motors! Gut, soviel zur Konversation.

Meine Beziehung zum Auto ist recht einfach. Ich fahre seit gefühlt ewigen Zeiten die gleiche Marke. Der Wagen wechselt zum auslaufenden Leasingvertrag. Das notwendige, ausführliche Gespräch mit dem Verkäufer, freut ihn deutlich mehr als mich. Er stellt ähnliche Fragen wie die männlichen Partygäste – und leider noch viele mehr. Dabei ist mir nur wichtig, sicher, bequem, möglichst energieeffizient und flott ans Ziel zu kommen. Praktisch finde ich beispielsweise eine Automatikschaltung, ein angenehmes Fahrgeräusch, eine einfache Lenkung und vor allem, dass die Heckklappe sich per Knopfdruck bedienen lässt. Tja, das war’s fast schon.  Sorry.

Emotionaler wird es bei mir, wenn es zum Beispiel um meine Kaffeemaschine geht.  Der Anschuldigung, meiner Espressomaschine deutlich mehr Pflege und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen als dem wesentlich teurerem Auto, stimmt. Ertappt. Unabhängig ob nun Espresso oder Cappuccino aus frisch gemahlenen Bohnen oder gepressten Plastikdöschen, finde ich die Art der Milcherwärmung spannend. Vor allem mit welchem Gerät, ob gewärmt und gequirlt oder mit Wasserdampf aufgeschäumt. Ob Autofans diese Passion für ein solches Gespräch mit mir teilen, bleibt an dieser Stelle offen.

Meine intensivere Beziehung zum Kaffeeautomat liegt vielleicht an den vielen Gesprächen am Küchentisch, dampfende Kaffeetasse in Hand und Gesprächspartner im Blick. Oder einfach daran, dass sich Gespräche beim Kaffee entspannter führen lassen als beim Autofahren. Oder an der interessanteren Werbung mit dem schicken George Clooney. Ich finde, daran könnten die Autobauer arbeiten. Die immer größer werdende Zahl an kaufkraftstarker, weiblicher Kundschaft will erobert werden. Leidenschaftlich selbstverständlich.

 

Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche. Sie begann ihre Karriere 1989 bei Pioneer Investments in den USA und setzt diese mit Führungspositionen in der deutschen Fondsindustrie erfolgreich fort. Diese Kolumne repräsentiert die persönliche Meinung der Autorin.

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  • Ich wette, Sie fahren vom Typ her ein rotes Auto ?

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