Connellys Corner
Ich bin dann mal weg

Sabbatical-Programme in deutschen Unternehmen gewinnen an Fahrt. Die Bahn ist pünktlich am Start und geht mit gutem Beispiel voran.
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Eine deutsche Tageszeitung meldete diese Woche den Vorstoß der Deutschen Bahn,  ein Sabbatical-Programm für ihre Führungskräfte einzuführen. Der Meldung zufolge können sich Manager bis zu sechs Monaten frei nehmen, bei Garantie auf Rückkehr zum alten Arbeitsplatz und vollem Lohnausgleich. Diese Vorfinanzierung seitens der Bahn kann später durch z.B. teilweisen Boni-Verzicht über einen Zeitraum von drei Jahren wieder ausgeglichen werden.

Auszeitenregelungen gibt es zwar schon in vielen Unternehmen, aber zumeist bedürfen diese Einzelvereinbarungen und werden nur auf Nachfrage gewährt. Und meist erstrecken sich solche Abmachungen nicht auf Führungskräfte. Auch ist eine Vorfinanzierung unüblich. Gängiger sind zum Beispiel Zeitansparmodelle für längere Auszeiten.

Mit der Einführung eines Sabbatical-Programms, das im Übrigen auch einen hohen Stellenwert bei der Deutschen Telekom genießt, werden Führungskräfte ermutigt, mit gutem Beispiel voranzugehen. Dies mag für manchen Arbeitnehmer wie ein Hohn wirken, da Führungskräfte als sehr gut bezahlt gelten. Aber Geld ist nicht mehr der alleinige Zufriedenheitsfaktor in unserem Alltag. Der Wunsch, den Drahtseilakt von Arbeit und Privatleben in den Griff zu bekommen, wird zunehmend von Großunternehmen erkannt.  Es ist auch eine Antwort auf vermehrte Meldungen über Burn-Outs von Managern und die Herausforderung, knapper werdendes Fachpersonal zu gewinnen und zu halten.

Schließlich birgt eine Auszeit potenzielle Schwierigkeiten – aber auch Chancen -  für beide Seiten. Unternehmen müssen ohne die Fachkraft auskommen und die hinterlassene Lücke füllen. Gleichzeitig bietet es die Chance, andere Mitarbeiter zu fordern und zu fördern.  Dies bietet Anreize für aufsteigende Mitarbeiter und für Unternehmen, ihren „Talentpool“ besser zu sortieren. Hier liegt unter anderem das Risiko für den Auszeitnehmer, dass andere den Arbeitsplatz nach der Rückkehr beanspruchen. Hinzu kommt, dass eine Auszeit für Führungskräfte oft als Karriereaus gewertet wurde. Nicht selten wurde eine Kündigung einem Sabbatical vorgezogen. Eine Kündigung fürchten Arbeitgeber zwar auch, aber es ist verstanden worden, dass bei Gewährung von Sabbaticals diese eigentlich eher verhindert als gefördert werden. Der Mitarbeiter kommt motiviert zurück und ist wieder leistungsbereit.

Ich finde diese Auszeitregelung ist ein zeitgemäßes Angebot und eine gute Antwort auf die vielfältigen Herausforderungen an Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Dass Führungskräfte ein Sabbatical bei Bedarf nehmen können, setzt ein wichtiges Signal.  Es ist meines Erachtens kein Zeichen der Schwäche, sondern der Stärke. Es verlangt Mut, sich für ein ausgewogenes Leben einzusetzen. Führungskräfte sind damit in der Lage dieses ermutigende Signal an andere weiterzugeben. Die damit einhergehende Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber machbar. Und ich bin dann mal weg für heute, ganz pünktlich.

 

Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche. Sie begann ihre Karriere 1989 bei Pioneer Investments in den USA und setzt diese mit Führungspositionen in der deutschen Fondsindustrie erfolgreich fort. Diese Kolumne repräsentiert die persönliche Meinung der Autorin.

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