Oder Facebooks neue Timeline, die zur ständigen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit zwingt. Das harmloseste daran ist ein stetes Wiedersehen mit Haarfrisuren, die frau lieber vergessen möchte. Bei verflossenen Partnern wird es schon heikler.
Problematisch ist die neue Form der Piraterie von Facebook, Google und Co. und ruft zu recht neue politische Strömungen auf den Plan. Die Piratenpartei ist zwar noch eine chaotische Truppe, aber das waren die Grünen auch einst. Deren Strickzeug ist zeitgemäß dem Laptop gewichen. Das von den Piraten geforderte Recht auf informationelle Selbstbestimmung könnte aktueller nicht sein und erweckt das Schutzbedürfnis des digitalen Nutzers.
Dieser ist dank der neuen Netzwerke nicht nur in der Lage, nachweislich politische Veränderungen zu erwirken. Der Preis dafür ist die eigene Transparenz. Nicht nur Politiker müssen sich neuen Anforderungen an ihre Integrität stellen. Dies trifft nun alle digitalen Nutzer. Zur Unsterblichkeit verdammt ist jeder Tweet, jede Statusmeldung und sonstige Eingabe und führt durch die immer ausschweifendere Verzahnung unterschiedlicher Netzwerke zu werbefinanzierten, unnötigen Hinweisen.
Diese Profilierung von Einzelnen und Speicherung der Informationen ist extrem bedenklich und muss dringend vom Gesetzgeber neu geregelt werden. Die aktuellen Anstrengungen seitens der EU sind der richtige Weg, um dem Einhalt zu gebieten. Schließlich sollten digitale Rattenfänger ihre Nutzer nicht zu Zombies verkommen lassen dürfen.
Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche. Sie begann ihre Karriere 1989 bei Pioneer Investments in den USA und setzt diese mit Führungspositionen in der deutschen Fondsindustrie erfolgreich fort. Diese Kolumne repräsentiert die persönliche Meinung der Autorin.