Der Finanzlotse
Das gelobte Anlageland des Warren Buffett

Bei Kapitalanlagen geht für den Starinvestor Warren Buffett nichts über die USA. Das sehen wir Europäer gerne anders. Es ist aber mehr dran, als wir mit unseren europäischen Aktien wahrhaben wollen.
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Die drei wichtigsten Kriterien bei der Auswahl einer Immobilie sind für Profis Lage, Lage, Lage. Der US-Starinvestor Warren Buffett sieht das auf seinem Terrain, dem Kauf von Unternehmen, ganz ähnlich. Zwar geht seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway gelegentlich auch im Ausland auf Einkaufstour, aber ansonsten gilt für ihn: USA, USA, USA.

Allen Krisen zum Trotz ist für den 83jährigen seine Heimat das gelobte Anlageland – und das nun schon mehr als sechs Jahrzehnten. Angesichts der ungelösten Haushaltsprobleme, der rapide steigenden Staatschulden und der fast schon aberwitzig anmutenden Geldpolitik der US-Notenbank könnte es nahe liegen, dem Manne grenzenlosen Optimismus vorzuwerfen.

Damit aber täte man Buffett unrecht. Er ist keiner, der alles in rosigen Farben sieht, weder in der Politik, noch an der Börse. Den Hype um die New Economy machte er ebenso wenig mit wie den um die Schwellenländer und auch Europa ist für ihn bestenfalls nur ein Randthema.

Vermutlich mit gutem Grund: Die bedrohliche Situation in der Ukraine zeigt doch erneut, wie fragil die politischen Rahmenbedingungen auf dem alten Kontinent im Vergleich zu denen in den USA sind. Selbst innerhalb der Europäischen Union sind wir längst noch nicht so weit, wie es die gemeinsame Währung, der Euro, vermuten lässt. Das Gefeilsche um Reformen und Finanzhilfen in den europäischen Krisenländern oder die schier unendlichen politischen Abstimmungsprozesse machen das Dilemma doch für alle sichtbar.

Erst recht gilt das für die Schwellenländer. Die gewaltigen Kapitalzuflüsse in diese Staaten ebenso wie eindrucksvolle Exporterfolge der Wirtschaft, haben Anlegern eine wirtschaftliche und politische Stabilität vorgegaukelt, die in dem Maße einfach nicht gegeben war. Die Unruhen in Ländern wie Thailand, Venezuela oder der Türkei belegen das deutlich.

Auch China, das mit Abstand wirtschaftlich erfolgreichste Land der vergangenen 15 Jahre, ist aus Anlegersicht keine Alternative zu den USA. Seit dem letzten Jahr vor Ausbruch der globalen Finanzkrise, 2007, sind die Kurse an der Börse Shanghai bis heute um etwa 60 Prozent gefallen, und seit Anfang dieses Jahrhunderts gibt es insgesamt nur einen sehr mäßigen Kursanstieg. Inklusive aller Kapitalerhöhungen und Börsengänge sind chinesische Aktien aktuell weniger wert als vor sieben Jahren. Es ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, wie die Entwicklung an der chinesischen Aktienbörse mit der erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung dieses Landes in Einklang zu bringen ist.

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Amerika verkraftet Krisen schneller

Kommentare zu " Der Finanzlotse: Das gelobte Anlageland des Warren Buffett"

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  • Herr Walter, ich vermisse in Ihrem Beitrag das Licht auf der Verschuldung der USA. Vielleicht können Sie darauf im nächsten Beitrag eingehen und auch erklären, weshalb die USA den Goldstandard aufhoben und die Bundesbank ihr Gold noch nicht aus New York zurück hat.

    Da gibt es doch gewiss einfache oder hintergründige Erklärungen für die Bürger.

    Meine Einschätzung zur USA:
    Die USA haben viel für den Aufbau der Bundesrepublik getan, besonders viel zu Zeiten des kalten Kriegs. Aber seit den Golfkriegen überziehen sie in nicht mehr akzeptabler Weise. Andere mögen für Grenze bereits beim Vietnamkrieg ziehen wollen.

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