Der Finanzlotse
Die Kosten der Unfreiheit

Die Selbstverantwortung von Wirtschaft und Gesellschaft weicht einer immer stärkeren staatlichen Regulierungen des öffentlichen und privaten Lebens. Aber: Immer mehr Wohlfahrtsstaat schafft immer weniger Wohlfahrt.
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Vor wenigen Tagen hat das renommierte kanadische Fraser Institut in Vancouver  seinen 17. Jahresbericht über den Stand der ökonomischen Freiheit in 152 Ländern dieser Erde veröffentlicht. Anders als in den USA und Kanada wird dieser Bericht in Europa und insbesondere auch in Deutschland nur wenig beachtet. Zu viel mehr als einer kleinen Meldung in einer Zeitungsspalte, dass zum Beispiel Deutschland in dieser Analyse in diesem Jahr den 19. Platz einnimmt, reicht es normalerweise nicht.

Das ist schade, und diese Missachtung hat der Bericht auch nicht verdient. Mit großer Sorgfalt ermittelt das Fraser Institut in Zusammenarbeit mit vielen internationalen Organisationen den Grad der ökonomischen Freiheit und misst diese dann für jedes Land auf fünf Gebieten: Umfang der Staatstätigkeit im Verhältnis zum Privatsektor, Rechtssystem und Eigentumsrechte, Stabilität des Finanzsystems, Freiheit des internationalen Handels und Regulierung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens.

Bemerkenswert ist vor allem der nahezu einzigartige Abstieg der USA in den vergangenen Jahren. Noch im Jahr 2000 nahm das Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten den zweiten Platz in der Rangliste ein, jetzt landete es knapp vor Deutschland auf Platz 17. Schuld daran sind vor allem die ungelösten US-Haushaltsprobleme und der „regulatorische Overkill“. Beides engt die Entscheidungsfreiheit von Wirtschaft und Gesellschaft immer mehr ein.

Auch Deutschland bekleckert sich auf Platz 19 nicht gerade mit Ruhm. Von den europäischen Staaten sind die Schweiz, Finnland, Dänemark und Großbritannien wesentlich besser positioniert. Es ist auch kein Trost, dass Frankreich nur auf dem 40., Italien und Griechenland gar nur auf dem 83. und 85. Platz gelandet sind - eingerahmt von Belize und Kasachstan. Das ist viel mehr ein schlimmes Zeichen dafür, wie weit wir in Europa noch von einem wirklich freien Binnenmarkt und erst recht von einer Politischen Union entfernt sind.

Wer nun meint, es sei doch egal, wo man in dieser Rangliste landet, Hauptsache es gehe einem gut, der irrt gewaltig. Alle bisherigen Berichte zeigen, dass eine höhere ökonomische Freiheit zu mehr Investitionen, besserem Wirtschaftswachstum, größeren Einkommen und geringerer Armut führt. So ist im ersten Viertel der untersuchten Länder mit dem höchsten Grad an ökonomischer Freiheit das Durchschnittseinkommen um mehr als das Achtfache höher als im letzten Viertel der Länder. Außerdem zeigt sich, dass auch innerhalb der jeweiligen Gruppen die Länder mit einem höheren Grad an wirtschaftlicher Freiheit deutlich besser abschneiden als die anderen.

 

Kommentare zu " Der Finanzlotse: Die Kosten der Unfreiheit"

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  • Wenn mir ausgerechnet der Ex-Chef der mittlerweile pleite gegangenen Dresdener Bank erzählen will, das das alles nur wegen der unfreiheit in Deutschland passiert ist - ist jeder Kommentar überflüssig

  • Komisch, dass viele große Vermögen in der EU noch aus den komplett steuerfreien Zeiten vor mehr als 120 Jahren herrühren, oder?

    Mit Arbeit Vermögen aufzubauen ist nicht mehr möglich! Selbst die Einnahmen eines Freiberuflers tritt dieser heute zu mindestens 25% als Marge an die grassierende Vermittler-Zeckenkultur ab. Bei Immobilien ist das gesetzlich auf 3.5% Maklercoutage begrenzt, in der freiberuflichen Welt gibt es (noch) keine Grenze.

    Das würde aber langsam Zeit! Freiberufler werden heute so bezahlt, als wäre ihr Einkommen im Jahre 1998 stehen geblieben. Ein Realverlust von 35%, wenn man 2-3% Inflation zugrunde legt!

    Nur die, die die Arbeit anderer ausbeuten werden reich und die, die solche Unternehmen aufbauen, die einen Mehrwert für alle haben (wie Aldi es einmal war). Auch Rohstoff und Index-Zocker beuten letztlich andere aus.


  • Die Argumentation von Herrn Walter möchte ich untermauern. Schon als junger Mensch bin ich viel mit dem Rucksack durch die Welt gereist. Und immer stellte ich fest, dass der Wohlstand in vergleichbaren Ländern immer dort stärker stieg, wo der Staat sich möglichst aus den meisten Bereichen raus gehalten hat. Besonders krass ist meiner Meinung nach Südostasien, weil wir hier viele Länder einer Region haben, die verschiedenste Regierungsformen durchgemacht haben, wobei die verschiedenen Bevölkerungen zumindest ähnliche Mentalitäten und Wertauffassungen haben. Und bei diesen Ländern korreliert der jetzige Wohlstand der Bevölkerung eindeutig mit der vorhergehenden Unfreiheit. Weiterhin konnte ich z. B. 1996 in Vietnam beobachten, wie stark der Wohlstand einer an sich komplett verarmten Bevölkerung auf einmal wachsen kann, wenn man der Bevölkerung auch nur ein bisschen ökonomische Freiheit zurück gibt. Durch diese Erfahrungen bin ich Anhänger liberaler Parteien geworden.
    Selbstverständlich sollte man aufgrund einer Korrelation noch nicht auf eine Kausalität schließen. Leider reicht hier der Platz nicht für eine kausale Begründung.
    Aber nur so viel: Durch die von Rot-Grün und jetzt anscheinend auch von der CDU geplante Erhöhung der EK-Steuer wird sich statistisch die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen. Es ist schließlich in Deutschland immer schwieriger, mit Arbeit überhaupt noch Vermögen aufzubauen. Folglich ist ein immer kleinerer Rest von Erben vermögend, während niemand aus der Gruppe der "Armen" (naja, wirkliche Armut haben wir in DE nicht) es durch Arbeit schaffen kann, vermögend zu werden. Und wie negativ staatliche Gängelei sich auswirkt, wenn jede Form von Unternehmertum unterdrückt wird, kann ich aktuell in Frankreich beobachten. Ich hoffe doch sehr, dass wir da nicht hin wollen.

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