Der Finanzlotse

Erfolgreiches Deutschland am Pranger

Die Kritik am deutschen Exporterfolg zeigt: Wann immer es geht, möchte die Politik in den USA oder in der EU den Wettbewerb aushebeln. Das aber ist der falsche Weg aus der globalen Krise und würde zu Mittelmaß führen.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Es ist schon einigermaßen merkwürdig, dass eine Weltmacht, die in den ersten dreizehn Jahren dieses Jahrhunderts die globale Wirtschaft dreimal in den Krisenmodus zwangsversetzt hat, sich über die Wirtschaftspolitik anderer Länder entrüstet.

So aber geschah es, als die USA kürzlich den Bericht für den US-Kongress über die internationale Wirtschafts- und Währungspolitik veröffentlichten. In ungewöhnlich scharfer Form wurde Deutschland angegriffen: Mit seinen Exportüberschüssen belaste Deutschland die gesamte EU, das Land habe nur ein anämisches Wachstum, eine viel zu schwache Binnennachfrage und mache es dadurch den Nachbarländern schwer, ihrerseits wirtschaftspolitische Erfolge verzeichnen zu können.

„Ergänzt“ wird diese Schelte jetzt durch die Mahnung des Vizechefs der Weltbank, Deutschland solle sich verpflichten, seine Exporte zu begrenzen. Sogar die EU-Kommission überlegt nach Zeitungsberichten, Deutschland wegen seiner Exportlastigkeit mit einer Rüge und/oder einem Bußgeld zu belegen. Kein Zweifel, die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft stehen derzeit am Pranger.

Nun kann man darüber diskutieren, wie berechtigt oder unberechtigt eine solche Kritik ist. Das geschieht auch ausgiebig, wobei die jeweiligen politischen Positionen der Experten klar erkennbar sind. Gewerkschaftsnahe Volkswirte nutzen die Gelegenheit, höhere Löhne zu fordern, arbeitgebernahe Experten verweisen darauf, dass Deutschland nur deswegen so gut durch die Krise gekommen sei, weil es sich seine internationale Wettbewerbsfähigkeit durch mutige Reformen hart erkämpft habe.

Bedauerlich bei diesem Pro und Contra ist nur, dass eine grundsätzliche Frage der Marktwirtschaft dabei völlig außer Acht gelassen wird, nämlich die nach der Orientierung in einem System, dessen Kern eine Wettbewerbsordnung ist. Geben da die Besten den Takt vor oder bestimmt das Mittelmaß den Lauf der Entwicklung?

Ob wir wollen oder nicht, wir stehen mit den anderen Ländern dieser Erde nun mal im Wettbewerb. Wenn es uns gut gehen soll, das heißt, wenn wir ausreichend Arbeit und Brot haben wollen, müssen wir uns in diesem Wettbewerb behaupten. Das ist die maßgebliche Aufgabe für die Wirtschaft wie auch für die Politik.

Basis eines jeden wirtschaftlichen Erfolges in der Marktwirtschaft sind immer international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Die aber müssen von der Politik geschaffen werden, wozu manchmal auch unangenehme Entscheidungen in Sachen Standortqualität gehören.

Unsere Standortvorteile sind in Gefahr
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17 Kommentare zu "Der Finanzlotse: Erfolgreiches Deutschland am Pranger"

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  • "Man stelle sich das einmal in einer anderen Wettbewerbsordnung vor, etwa im Sport. Das hieße doch beispielsweise: Je mehr Fußballspiele Bayern München oder Borussia Dortmund gewinnen, mit umso weniger Spielern müssten sie auflaufen, damit die anderen Mannschaften eine bessere Chance haben".

    Sehr geehrter Herr Walter, auch ich ziehe den Sport immer zur Erklärung heran, wenn ich Nicht-Volkswirten
    erkläre, warum der Euro (im übrigen ein von Politikern planwirtschaftlich festgesetzter Preis für DM in Franc,
    Lira oder Drachme, der den marktwirtschaflichen Ausgleichsmechanismus der Wechselkurse für Unterschiede in den nationalen Wirtschaftordnungen, Mentalitäten und Wirtschaftstrukturen durch staatlichen Eingriff ausser Kraft gesetzt hat) immer weniger funktioniert.

    Die Bildung einer einheitlichen Eurozone kommt der Abschaffung unterschiedlicher Ligen im Fußball gleich.
    Bayern München (Deutschland)und Dortmund (Holland)
    spielen dort gegen FC Hintertupfingen(Griechenland)
    und Kickers Offenbach (Spanien).
    Die Behauptung, Griechenland oder Spanien könnten durch
    Lohnsenkungen und Reformen in der Einheitswährung Euro
    wettbewerbsfähig werden ist genauso unrealistisch,
    wie die Erwartung, die Fußballclubs aus Hintertupfingen und Offenbach könnten durch Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit in die erste Bundesliga aufsteigen und dort Bayern und Dortmund dann schlagen.

    Im übrigen gibt es z.B. auch im Golf Handicaps, die es
    den schwächeren Spielern erlauben, in einem Turnier (sprich einer Liga) mit sehr guten zu spielen. Das marktwirtschaftliche Äquivalent zum Handicap im Golfsport sind im internationalen Wettbewerb aber die durch den Staat außer Kraft gesetzten Wechselkurse!

  • Wenn die deutschen Lohnempfaenger mehr Geld verdienen, kaufen sie tuerkische Oliven, aber keine griechischen. Wenn der Merzedes teurer wird, kaufen die Franzosen Toyota, aber keinen Renault.

  • Exportueberschuesse sind gut, wenn der Kaeufer die Waren bezahlt. Der Kaeufer kann auch Kredit aufnehmen um deutsche Waren zu bezahlen. Wenn aber absehbar ist, dass der Kaeufer diese Kredite nicht zurueckzahlen kann, sollte man auf diesen Kunden verzichten.

    Der deutsche Steuerzahler subventioniert aber nicht nur die auslaendischen Abnehmer sondern gleichzeitig auch die deutschen Exporteure. Die so erzielten Uberschuesse sind volkswirtschaftlich gesehen grober Unfug und ein Verstoss gegen marktwirtschaftliche Prinzipien.

    Wenn sich der Staat interventionistischer Eingriffe zugunsten der Exportwirtschaft enthaelt, verschwinden zuerst die Exportueberschuesse in diejenigen Staaten, die jetzt am lautesten die Deutschen verurteilen.

  • Die Zahlen mögen ja nicht aktuell sein...

    Aber wenn hier irgendein Analystenschlumpf glaubt, dass Deutschland Lohndumping betreibt, hier wird er eines besseren behlehrt:

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/183571/umfrage/bruttomonatsverdienst-in-der-eu/

    Und ups... siehe da... in Frankreich bezahlt man weniger... Deutschland ist im Vergleich zu seinen Nachbarn nach wie vor ein Hochlohnland!

  • "ES fände ein gnadenloser Wettbewerb über den Preis statt. Also: Dacia gegen Mercedes. Da hätte dann Mercedes keine Chance mehr, im Ausland zu bestehen."

    Die Preisbildung ist doch schon lange nicht mehr durch Wettbewerb bestimmt. Auch diese hängt unmittelbar mit der Vermögensverteilung, Bildungsstand und Rohstoffen zusammen.
    Ginge es tatsächlich nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten, würde ein Apple IPhone nicht über 500 € kosten, und zwar trotz Produktion durch niedrigste Kosten. Selbst wenn die Löhne in China exorbitant steigen würden, gäbs immer noch genug Marge, allerdings nicht für den Aktienwert.
    Allerdings könnten sich dann dort zumindest mehr einen Dacia leisten.
    Marktwirtschaft und Wettbewerb haben heute ganz andere Mechanismen, die reine Lehre ist schon lange vorbei, genau genommen seit der Schlacht von Waterloo, mindestens seit Bismarck :).
    Aber mit der Automatisierung und immer mehr Wefgall von Arbeitsplätzen, wird es erst richtig deutlich.
    Arbeit, Arbeitplätze, Einkommen, Gesundheit, Lebensqualität müssen anders definiert werden, und das nicht nur in Deutschland.
    Da werden keine Lobbyisten, Besitzstandswahrer antiquarischer Systeme, kein Heizkostenzuschuß und Antispionage-Abkommen etc. was dran ändern.

  • Das mit dem Fussballspiel ist ein schöner Vergleich - man muss ihn aber auch zu Ende denken. Erstens weiß jeder beim Fußball es ist nur ein Spiel also keine existentielle Bedrohung. In einer freien Wettbewerbs-Wirtschaft ist der Wettbewerb nur wirklich "frei", wenn niemand in seiner Existenz bedroht ist, wenn man mal auf der Verliererstraße ist. Eine Wettbewerbsordnung benötigt also ein Minimum an sozialer Absicherung für die Verlierer. Das ist auch der Grund warum die USA, die sich derzeit relativ und zum Teil auf der Verliererstraße befinden, dies nicht wahrhaben können. Sie müssten eine staatliche soziale Grundsicherung aufbauen, was aber an ideologischen Beschränkungen scheitert. Lieber gibt man sich der Realitätsverweigerung und dem Traum vom "ewigen Sieger" hin und hofft das durch Kreditbetrug und Gelddrucken schon alles gut wird.

    Zweitens gibt es im Fußball verschiedene Leistungsklassen/Ligen. D.h. der Verlierer von heute in der ersten Liga kann der Gewinner von morgen in der zweiten sein. Durch dieses gestaffelte System gewinnt der Wettbewerbsgedanke die notwendige Tiefe, die er in einer Einheitsliga niemals haben kann. Ein Beispiel sind hier die Wärhungen. Die DM war eine Erstligawährung und sie mittels Maastricht-Euro Ländern überzustülpen, die wirtschaftlich in Zweit- und Oberliga spielen zeugt von Wunschdenken und Größenwahn. Auf jeden Fall wird es die "Spieler" für die der Maßstab einfach zu hart ist entweder komplett demotivieren oder er wird weiter aufgeweicht (aktuelle Politik) und demotiviert dann auch noch die, für die er zu weich ist. Am Ende haben wir dann eine flache mittelmäßige Einheitsliga, in der sich niemand wiederfindet. Ob man nun zurück zu mehr nationalen Währungen findet - auf jeden Fall sollte es wie auch immer organisiert, gestaffelte Märkte (z.B. 1., 2. und 3. Arbeitsmarkt) geben.

  • Preiswettbewerg wäre die Folge von Restriktionen!

    Die Mittelmäßigkeit ist die Folge unterschiedlichen Könnens und Wollens. Es ist eben nur ein Durchschnittswert. Aber alle können es nicht gleichermaßen gut. Das sehen wir ja in der EU, in der der Kostenwettbewerb läuft und nicht mehr durch Ab- und Aufwertungen korrigiert werden kann.

    Wird der Durchschnittswert zum Maßstab des Marktgeschehens, dann wäre nicht mehr die Qualität,sondern die Quantität das Maß aller Dinge.

    ES fände ein gnadenloser Wettbewerb über den Preis statt. Also: Dacia gegen Mercedes. Da hätte dann Mercedes keine Chance mehr, im Ausland zu bestehen.

  • Es war Herr Walter, ich habe die beiden wahrscheinlich auch verwechselt, weil diese Positionen an sich meist wenig unterscheiden.

    Ich halte es hier mit Gorbatshow, wer zu spät kommt etc.
    Die Realiät überholt auch irgendwann Theorien von gestern, vor allem wenn man in der Historie sehen kann, das bestimmte Denkmodelle auch bisher nicht funktioniert haben.
    Funktioniert hat der Gedanke der Sozialpartnerschaft, oder wer gut arbeitet, soll auch gut bezahlt werden, und wer noch mehr arbeitet, soll noch besser bezahlt werden. Egal ob als Arbeiter oder Manager, durch Arbeit hat man auch im Alter ein Auskommen.
    Inzwischen ist das Einkommen aber immer weniger durch Arbeit beeinflußbar, und wer immer weniger Einkommen hat, kann sich auch am "Wachstum" nicht beteiligen, auch wenn er es wollte.
    Die Welt um jeden deutschen Theoretiker herum hat sich schon längst in andere Strukturen verabschiedet. Wer das nicht sehen kann, der hält sich halt daran das andere nur neidisch sind und man sich am Pranger fühlt.
    Auch der vermeintliche Ausgleich für Arme und Familien ist so eine Theorie, die zwar einem sozialen Gedanken entspringt, aber letztendlich schon lange der Zeit davon gelaufen ist. Es gibt nicht mehr Kinder, und mehr Arbeit gibts auch nicht.
    Da helfen auch keine mehr oder weniger hilflose Versuche Geldströme umzulenken, zu subventionieren, zu verschenken oder Lohnniedrigwettbewerb bis die meisten Rentner mit dem Suppenteller am Amt stehen, und sich ein Millardär als großzügig erweisen kann, in dem er dem Staat die 7% Mehrwertsteuer schenkt, die abgelaufene Lebensmittel immer noch kosten, wenn man sie nicht im Verbrennungsofen landen lassen will.
    Wer sich hier noch auf marktwirtschaftliche Mechanismen berufen will, der schläft wirklich den Schlaf des arroganten Gerechten. Aber andere sind natürlich schuld, logisch. Gönnt man uns halt nicht.
    Arme Hascherli aber auch ...

  • Der Artikel geht völlig am Theme vorbei!!!

    Unglaublich wie man hier bornierten Propethen einen Platz einräummt.

    Wir haben eben KEINE EURO KRISE. Sondern eine Kapitalsimuskrise. Da dieses System NUR AUF REINEM WACHSTUM AUFBAUT!! Das bedeute nichts weiter als Fressen und Gefressen werden.

    so ist das aber mit der verlogenen, ideologisch verdummten Oberschicht. Hauptsache blödsinnige Artikel verfassen und diese auch noch gut bezahlt bekommen, gelle

    Wen nicht die Deutschen den Süden gefressen hätten, würden es andere halt machen. Der Auf-und Niedergang ganzer Nationen war wegen dem System schon immer so in der Welt!! Allen voran wegen der korrupten Elite/Oberschicht die sich am Rest des Volkes bereicherte!

    Einer Arm...der andere Reich!

  • Herr Henkelist sicherlich noch ein Anhänger eines grenzenlosen Wirtshaftswachstums.
    Er kann ob seines schmalen Gesichtsfeldes kaum Grenzen erkennen.Es wid Zeit, dass er sich da etwas bildet.
    Deutschland ist keineswegs wegen seiner guten, zukunftssicheren Produkte so stark, sondern nur wegen der Ausbeutung der Arbeitenden.
    So fallen in Belgien Arbeitsplätze in Schlachthöfen weg, da dieses Land als Industrieland einen Mindestlohn hat - weil in Deutschland Sudosteuröpäer die Arbeit für 2,5€/ Stunde im Rahmen von Werkverträgen machen.
    Ist das wirtschaftliche Stärke? Nein, da unterstützt die Politik ein gesindel, das sich auf Kosten der in der EU arbeitslosen Menschen Geld zusammenraft!

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