Der Finanzlotse
Erfolgreiches Deutschland am Pranger

Die Kritik am deutschen Exporterfolg zeigt: Wann immer es geht, möchte die Politik in den USA oder in der EU den Wettbewerb aushebeln. Das aber ist der falsche Weg aus der globalen Krise und würde zu Mittelmaß führen.
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Es ist schon einigermaßen merkwürdig, dass eine Weltmacht, die in den ersten dreizehn Jahren dieses Jahrhunderts die globale Wirtschaft dreimal in den Krisenmodus zwangsversetzt hat, sich über die Wirtschaftspolitik anderer Länder entrüstet.

So aber geschah es, als die USA kürzlich den Bericht für den US-Kongress über die internationale Wirtschafts- und Währungspolitik veröffentlichten. In ungewöhnlich scharfer Form wurde Deutschland angegriffen: Mit seinen Exportüberschüssen belaste Deutschland die gesamte EU, das Land habe nur ein anämisches Wachstum, eine viel zu schwache Binnennachfrage und mache es dadurch den Nachbarländern schwer, ihrerseits wirtschaftspolitische Erfolge verzeichnen zu können.

„Ergänzt“ wird diese Schelte jetzt durch die Mahnung des Vizechefs der Weltbank, Deutschland solle sich verpflichten, seine Exporte zu begrenzen. Sogar die EU-Kommission überlegt nach Zeitungsberichten, Deutschland wegen seiner Exportlastigkeit mit einer Rüge und/oder einem Bußgeld zu belegen. Kein Zweifel, die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft stehen derzeit am Pranger.

Nun kann man darüber diskutieren, wie berechtigt oder unberechtigt eine solche Kritik ist. Das geschieht auch ausgiebig, wobei die jeweiligen politischen Positionen der Experten klar erkennbar sind. Gewerkschaftsnahe Volkswirte nutzen die Gelegenheit, höhere Löhne zu fordern, arbeitgebernahe Experten verweisen darauf, dass Deutschland nur deswegen so gut durch die Krise gekommen sei, weil es sich seine internationale Wettbewerbsfähigkeit durch mutige Reformen hart erkämpft habe.

Bedauerlich bei diesem Pro und Contra ist nur, dass eine grundsätzliche Frage der Marktwirtschaft dabei völlig außer Acht gelassen wird, nämlich die nach der Orientierung in einem System, dessen Kern eine Wettbewerbsordnung ist. Geben da die Besten den Takt vor oder bestimmt das Mittelmaß den Lauf der Entwicklung?

Ob wir wollen oder nicht, wir stehen mit den anderen Ländern dieser Erde nun mal im Wettbewerb. Wenn es uns gut gehen soll, das heißt, wenn wir ausreichend Arbeit und Brot haben wollen, müssen wir uns in diesem Wettbewerb behaupten. Das ist die maßgebliche Aufgabe für die Wirtschaft wie auch für die Politik.

Basis eines jeden wirtschaftlichen Erfolges in der Marktwirtschaft sind immer international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Die aber müssen von der Politik geschaffen werden, wozu manchmal auch unangenehme Entscheidungen in Sachen Standortqualität gehören.

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Unsere Standortvorteile sind in Gefahr

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  • "Man stelle sich das einmal in einer anderen Wettbewerbsordnung vor, etwa im Sport. Das hieße doch beispielsweise: Je mehr Fußballspiele Bayern München oder Borussia Dortmund gewinnen, mit umso weniger Spielern müssten sie auflaufen, damit die anderen Mannschaften eine bessere Chance haben".

    Sehr geehrter Herr Walter, auch ich ziehe den Sport immer zur Erklärung heran, wenn ich Nicht-Volkswirten
    erkläre, warum der Euro (im übrigen ein von Politikern planwirtschaftlich festgesetzter Preis für DM in Franc,
    Lira oder Drachme, der den marktwirtschaflichen Ausgleichsmechanismus der Wechselkurse für Unterschiede in den nationalen Wirtschaftordnungen, Mentalitäten und Wirtschaftstrukturen durch staatlichen Eingriff ausser Kraft gesetzt hat) immer weniger funktioniert.

    Die Bildung einer einheitlichen Eurozone kommt der Abschaffung unterschiedlicher Ligen im Fußball gleich.
    Bayern München (Deutschland)und Dortmund (Holland)
    spielen dort gegen FC Hintertupfingen(Griechenland)
    und Kickers Offenbach (Spanien).
    Die Behauptung, Griechenland oder Spanien könnten durch
    Lohnsenkungen und Reformen in der Einheitswährung Euro
    wettbewerbsfähig werden ist genauso unrealistisch,
    wie die Erwartung, die Fußballclubs aus Hintertupfingen und Offenbach könnten durch Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit in die erste Bundesliga aufsteigen und dort Bayern und Dortmund dann schlagen.

    Im übrigen gibt es z.B. auch im Golf Handicaps, die es
    den schwächeren Spielern erlauben, in einem Turnier (sprich einer Liga) mit sehr guten zu spielen. Das marktwirtschaftliche Äquivalent zum Handicap im Golfsport sind im internationalen Wettbewerb aber die durch den Staat außer Kraft gesetzten Wechselkurse!

  • Wenn die deutschen Lohnempfaenger mehr Geld verdienen, kaufen sie tuerkische Oliven, aber keine griechischen. Wenn der Merzedes teurer wird, kaufen die Franzosen Toyota, aber keinen Renault.

  • Exportueberschuesse sind gut, wenn der Kaeufer die Waren bezahlt. Der Kaeufer kann auch Kredit aufnehmen um deutsche Waren zu bezahlen. Wenn aber absehbar ist, dass der Kaeufer diese Kredite nicht zurueckzahlen kann, sollte man auf diesen Kunden verzichten.

    Der deutsche Steuerzahler subventioniert aber nicht nur die auslaendischen Abnehmer sondern gleichzeitig auch die deutschen Exporteure. Die so erzielten Uberschuesse sind volkswirtschaftlich gesehen grober Unfug und ein Verstoss gegen marktwirtschaftliche Prinzipien.

    Wenn sich der Staat interventionistischer Eingriffe zugunsten der Exportwirtschaft enthaelt, verschwinden zuerst die Exportueberschuesse in diejenigen Staaten, die jetzt am lautesten die Deutschen verurteilen.

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