Der Finanzlotse
Flucht? Zwecklos!

Die SPD wollte Reiche stärker belasten. Am Ende wird eine Große Koalition Millionen von Anlegern zur Kasse bitten. Denn es drohen höhere Steuern auf Kapitaleinkünfte. Die Politik verschärft so das Anlage-Dilemma.
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Die SPD hat auf ihrem Konvent am Wochenende ein Zehn-Punkte-Papier verabschiedet, in dem die wesentlichen Forderungen für die anstehenden Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU zusammengefasst sind. Und siehe da: Von der Forderung nach einer Erhöhung der Einkommensteuer oder Wiedereinführung der Vermögensteuer ist kein Wort mehr zu lesen.  Das sorgt bei vielen Bürgern und Unternehmern für Erleichterung, bei einigen SPD-Linken jedoch für Verdruss. War doch eine höhere Belastung für Besserverdienende ein (wenn auch mäßig erfolgreicher) Wahlkampfschlager.

Aber es gibt gute Gründe zu der Annahme, dass die drei Parteien doch noch Wege finden werden, um Mehreinnahmen für den Staat zu generieren. Sie werden das nur etwas diskreter machen als über eine plumpe Anhebung der Einkommenssteuer. Zum Beispiel, indem sie die Abgeltungssteuer auf Zins- und Dividendenerträge erhöhen.

Wer sich an die Verhandlungen über eine große Koalition von 2005 erinnert, dem schwant dabei nichts Gutes. Damals verlangte die Union eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte. Am Ende wurden es satte drei.

Ich habe den starken Verdacht: Ähnlich wird es mit der Abgeltungssteuer laufen. Die SPD verlangt hier in ihrem Wahlprogramm 32 statt bisher 25 Prozent. Es würde mich nicht wundern, wenn sie nun mit der Forderung in die Koalitionsverhandlungen geht, in Zukunft sogar den persönlichen Steuersatz zugrunde zu legen. Das hätte eine Anhebung auf maximal 47,5 Prozent inklusive Soli zur Folge. Anschließend kann sie sich von der Union wieder ein wenig herunterhandeln lassen und im Gegenzug etwa den flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn durchsetzen.

Klar, mag der ein oder andere Bürger denken, die Börsenzocker werden doch wohl noch ein paar Euro mehr bezahlen können. Die Abgeltungssteuer trifft allerdings nicht nur sogenannte „Heavy Trader“ vom Schlage eines Uli Hoeneß, sondern Millionen Bürger, die privat etwas für die Zukunft zurücklegen und den jährlichen Freibetrag von 801 (Ledige) beziehungsweise 1602 (Verheiratete) Euro in einem Jahr überschreiten.

Ein Beispiel: Wer als Lediger einen Investmentfonds nach zehn Jahren mit einem Gewinn von 5000 Euro verkauft, zahlt darauf schon heute inklusive Soli und Kirchensteuer mehr als 1100 Euro an Vater Staat. Ein Einzelfall? Mitnichten! Alleine die Höhe des Steueraufkommens  zeigt, dass der Staat hier nicht nur bei ein paar Zockern kassiert: 6,9 Milliarden Euro flossen aus der Abgabe alleine in den ersten neun Monaten dieses Jahres in die öffentlichen Kassen – das ist mehr als aus der Kfz-Steuer!

Kommentare zu " Der Finanzlotse: Flucht? Zwecklos!"

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  • Der Bürger wollte eine große Koalition bzw. eine neue Einheitspartei in berlin, dann soll er auch die Konsequenzen die sich daraus ergeben ohne Murren tragen.

    Er ist selbst Schuld am Ende, Basta.

  • Nach 1 / 1,95583 auf die Guthaben nicht verschuldeter und
    für seine Familien und sich selbst Vorsorge betreibender Deutscher Frauen, Männer, Mütter, Väter, ist für mich rückblickend seit September 2009 (Kundus), direkter nach Mai 2010 und dem was danach so alles abgenickt wurde (ESM +) die kommende, mittlerweile 3. Regentschaft dieser Dame aus Strahlsund alles möglich was einen Deutschen Bürger mehr belastet, alternativlos versteht sich. Nun, ein Lichtblick, Gold steigt wieder langsam aber immerhin... die Hoffnung stirbt stets zuletzt selbst wenn schon die granden in Brüssel nicht mehr mit ihrem Geld auskommen (aktuell heute).

  • Natürlich kann man sich die
    Differenz wiederholen.

    Es bleibt die Vorauskasse und damit der Zinsverlust.
    Den Zinsgewinn verbucht der Fiskus.

    Die Opportunitätskosten einer Steuererklärung
    sind ebenfalls zu berücksichtigen.

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