Der Finanzlotse
Kein gutes Zeichen

Die geplante Rentenreform steht auf brüchigem Eis. Dafür sorgt die demographische Entwicklung in Deutschland. Zusammen mit den Staatsschulden droht der nächsten Generation ein gewaltiges Finanzierungsdesaster.
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Es ist selbstverständlich, dass politische Entscheidungen nicht ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gefällt werden können. Aber da, wo wirtschaftliche Entwicklungen beachtet werden müssen, ist es schlicht und einfach dumm und kurzsichtig, diese zu ignorieren.

Genau so ist es aber beim ersten Projekt der großen Koalition, der von Bundesgesundheitsministerin Andrea Nahles (SPD) geplanten Rentenreform. Sozialpolitisch lässt sich sicherlich gut begründen, die Renten für Mütter zu erhöhen, ebenso die so genannte Erwerbsminderungsrente für Kranke, die nicht mehr arbeiten können.

Viele Menschen werden es auch als soziale Wohltat begrüßen, wenn aus der Rente mit 67 eine mit 63 wird. Wenn aber die langfristige Finanzierung dieses Vorhabens auf brüchigem Eis steht, dann muss man fragen, ob aus der gut gemeinten Tat heute nicht eine Belastung wird, die für die morgen lebenden Menschen erdrückend werden kann.

Wie viele Milliarden auch immer das Rentenpaket kosten wird, schon heute steht fest, dass zunehmend Steuermittel aufgewendet werden müssen, um die zusätzlichen Rentenleistungen auch zu bezahlen zu können.

Das ist vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in Deutschland kein Pappenstiel. Niemand zweifelt daran, dass die Zahl der Deutschen in Zukunft spürbar kleiner und die Bevölkerung im Schnitt deutlich älter ist. Besonders alarmierend ist dabei, dass die Zahl der potenziell Erwerbstätigen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren noch viel stärker zurückgehen wird.

Nach einer umfangreichen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung wären das 2030 immerhin schon mehr als sechs Millionen potenzielle Lohn- und Einkommensteuerzahler. Das ist ein Minus von rund 15 Prozent – unter den Bedingungen der Rente mit 67 wohlgemerkt. Bei Rente mit 63 wird der Rückgang zwangsläufig noch stärker ausfallen.

Das wirft aus ökonomischer Sicht wenigstens zwei Fragen auf: Kann man immer weniger Steuerzahlern immer höhere Lasten für die Versorgung der älteren Generation zumuten?

Ist angesichts der Bevölkerungsentwicklung auf Dauer überhaupt mit einem nennenswerten realen Wirtschaftswachstum zu rechnen, welches dem Staat mehr Spielraum bei den Ausgaben einräumt?

Kommentare zu " Der Finanzlotse: Kein gutes Zeichen"

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  • Sehr geehrter Herr Walter.

    Die Politik in Deutschland und die Politik in Europa, verteilt gerade kräftig Streichhölzer für das Pulverfass auf dem Europa sitzt.

    Und SIE WISSEN DAS!

    Die deutsche Politik mag zwar derzeit noch die tatsächlichen 7 - 8 Mio Arbeitslose negieren.

    Die deutsche Politik mag vielleicht auch die Millionen von Hartz4 Empfängern und Aufstocker negieren.

    Man kann zwar mit Brot und Spiele das Volk zunächst belustigen, aber irgendwann kommt der Punkt der Wahrheit.

    Irgendwann fällt die Maske!

    In den nächsten Jahren werden ganze Branchen am Abgrund stehen: Versicherungen, Automobil, Einzelhandel.....etc

    Schlecker, MaxBahr, Praktiker, Brinkmann, ....waren gestern! Wann folgen die anderen in die Krise?

    Natürlich kann man alles schön reden , natürlich kann man die Hände in den Schoß legen und sich sagen, was geht mich der Nachbar an. Ist halt sein Pech, wenn er den Job bei MaxBahr oder im Weltbild-Verlag los wird.

    Leider ist das zu kurz gesprungen.

    Ein Freund berichtete mir aus Hamburg, das sein Arbeitgeber (ein Versicherer) hunderte von Arbeitnehmern bis zum 31.03.2014 freisetzt. Trotz seiner guten Berufsausbildung, hat er fast keinen vernünftigen Ausblick auf einen neuen Job, da im Großraum Hamburg seit Jahren fast alle Versicherer entweder Jobs abbauen oder gleich ganz vom Markt verschwinden.

    Jobs die er angeboten bekommen hat, liegen im Bereich 1500-2000 Euro Brutto! Damit können Sie in Hamburg weder vernünftig Wohnen, noch können Sie in Hamburg eine Familie ernähren, und gleichzeitig noch vernünftig vorsorgen!

    Mehr noch!

    Eine solche Person ist trotz erstklassiger Ausbildung, knapp 15 Monate von Hartz4 entfernt. Spätestens dann ist Ihre Altersvorsorge ggf mit Immobilie, Rentenversicherung und Barvermögen ohnehin zum Teufel.

    Wenn diese Generationen merken werden, wie Sie über die Politik der Jahre enteignet wurden, nach 20 30 oder 40 Berufsjahren, was wird dann mit den Streichhölzer in Ihrer Tasche?

  • Ganz ehrlich?! ich bin es leid immer zu hören das die nachfolgende Generation ein Finanzierungsdesaster erlebt. Vielleicht sollte man dann auch die Frage stellen woran es liegt, das es in Deutschland kaum noch Geburten gibt, weil Deutschland kunderunfreundlich ist. Es geht doch schon damit los das man kaum einen Kindergartenplatz bekommt. Meistens müssen auch beide Elternteile arbeiten um über die Runden zu kommen, also schaffe ich mir doch gar nicht erst Kinder an. Ich selber zahle jeden Monat viel Geld in die Rentenkasse und sorge auch privat vor und davon leben zur Zeit meine Eltern und nicht ich, also warum sollte ich nicht später von dem leben was meine Kinder dann einzahlen. War immer so und sollte auch so bleiben weil es richtig ist.
    Allerdings, und da gebe ich allen anderen hier Recht, alle sollten einzahlen und nicht nur einige wenige den das ist falsch.
    Ich freue mich auf meine Rente, jetzt endlich mit 63 JAhren, und alle anderen die länger arbeiten wollen und können, dürfen das gerne tun.

  • Renteneintritt mit 63 nach 45 Versicherungsjahren - um dieses Thema wird viel unnötiges Geschrei gemacht. Es trifft nur auf den Geburtsjahrgang vor 1953 zu, anschließend wird für jedes Jahr der Renteneintritt um 2 Monate nach hinten verschoben. Thema teure Mütterrente: meine beiden Söhne 25 und 28 Jahre alt, zahlen schon heute weitaus mehr ein Vielfaches in die Rentenkasse ein was ihre Mutter dafür später mal mehr an Rente erhalten wird.Das sind nämlich nur ein paar armselige Euro.

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