Der Finanzlotse Kontrolle der Banken ist nicht alles

Wertpapiergeschäft und Investmentbanking sind Reizwörter für die Politik. Sie will diese beiden Banken-Sparten an die ganz kurze Leine nehmen. Das aber wäre von zweifelhaftem Nutzen.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Was waren das noch für Zeiten, als in den achtziger Jahren in Deutschland über die „Macht der Banken“ gestritten wurde. Das war eine von Gegnern wie Befürwortern dieser These auf einem hohen intellektuellen Niveau geführte facettenreiche Debatte. Sie führte auch zu einem konkreten Ergebnis, nämlich zum Ende der verkrusteten Deutschland AG.

Wie anders geht es da zu beim aktuellen Streit über die Kontrolle der Banken. Der mutet eher an wie eine ungute Mischung aus Polemik und Schuldzuweisungen, die keinen Schritt weiter führen. Für Politiker wie Wolfgang Schäuble ist die Sache klar: Wir brauchen mehr und härtere Kontrollen, weil Banken ja doch immer versuchen, diese zu umgehen. Außerdem sollten diejenigen, die schuld an dem ganzen Krisenschlamassel sind, mal schön den Mund halten und kuschen.

Es ist keine Frage, dass Banken in den Vorkrisenjahren gewaltige Fehler gemacht haben. Ebenso klar ist, dass Manipulationen von Zinssätzen, Devisenkursen oder Edelmetallpreisen in Investmentbank-Abteilungen es nahelegen, die Wertpapierindustrie gleiche einem Spielsalon im Wilden Westen voller skrupelloser Betrüger und Blender. Das gilt ganz besonders für Deutschland, dessen Kreditinstitute weit überwiegend in der historisch gewachsenen Kreditkultur leben. Die kann mit dem Auf und Ab der Märkte, den schnellen Umschwüngen bei Kursen und Preisen wenig anfangen. Schon das ist Grund genug für die Forderung nach immer schärferen Kontrollen und härterer Regulierung.

Aber sind härtere Kontrollen durch Beamte und Politiker ein Allheilmittel gegen derartige Machenschaften? Wohl eher nicht, wenn man an die überwiegend politischen Kontrolleure bei den in der Krise besonders arg gebeutelten Instituten wie IKB, WestLB oder SachsenLB denkt. Zu fragen wäre auch, welche europäischen Politiker denn die bis über die Ohren verschuldeten Staaten wie Griechenland, Italien, Spanien und Portugal rechtzeitig gedrängt haben, sich bei der Neuverschuldung zurückzuhalten? Es war doch der Markt und nicht die Politik, der die Notbremse gezogen und diesen Ländern neue Kredite verweigert hatte.

Was bei dieser Art der Kontrolldebatte völlig unter den Tisch fällt, ist aber die viel wichtigere Frage, wohin die Reise überhaupt gehen soll. Im Mittelpunkt steht dabei das Wertpapiergeschäft im Allgemeinen und das Investmentbanking, als dessen zentraler Bestandteil, im Besonderen.

Wertpapierindustrie bietet preisgünstige Alternative
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6 Kommentare zu "Der Finanzlotse: Kontrolle der Banken ist nicht alles"

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  • Auf jeden Fall muss eine Wertpapier-"Industrie" verhindert werden, deren Produkt Geld ist! Im Endeffekt muss die Politik dafür sorgen, dass keine privaten Institutionen Geld drucken dürfen (wenn doch, will ich das auch!!!). Die Geldmenge M3 darf nicht überproportional zur Realwirtschaft wachsen.

    Das trifft aber nicht nur die Banken, sondern auch die Staaten. Zu gern wollten die an dem Geld-druck-System partizipieren, direkt über staatliche Isntitute oder indirekt über Steuern. Darum hat niemand das Casino gestoppt...

    Und viele denken am Ende der Krise kann man das wieder neu auflegen. Und genau das darf nicht passieren. Vielleicht kann man das aber erst bei den dann neuen Währungen abstellen.

  • "Banken haben Fehler gemacht..." . So, so. Wer war denn an höchst verantwortlichen Stellen bei der größten und zweitgrößten Bank Deutschlands?
    Hieß der nicht Herbert Walter?

  • Eine besonders grosse Regulierungspleite war die Befreiung der Banken von der Kapitalvorhaltepflicht fuer Staatskredite. Diese Regulierung ging faelschlicherweise davon aus, dass Staatsanleihen sicher sind und war intendiert, Kredite in die Staatsfinanzierung zu lenken, zulasten der Unternehmensfinanzierung. Ein guter Teil der Bankenkrise geht darauf zurueck, dass die Rueckzahlung vieler Staatskredite hoechst gefaehrdet ist und damit die Existenz vieler Banken und damit der ganzen Wirtschaft bedroht.

    Das unsaegliche Gefasel ueber Bankregulierung zeichnet sich besonders dadurch aus, dass die beteiligten Diskutanten die Sachverhalte nicht kennen, die Konsequenzen nicht abschaetzen koennen und nicht aus Erfahrungen lernen koennen.

    Die naechste Pleite zeichnet sich bei dem Bankenabwicklungsfonds ab. Wer entscheidet, wie die 55 Mrd. Investiert werden? In was werden sie investiert? In Staatsanleihen? Wann, wie und von wem wird eine Bank abgewickelt? Viele Fragen. Nur mit einem koennen wir sicher rechnen, naemlich dass die Institution eine franzoesiche Leitung bekommen wird.

  • Das Beispiel mit den Autos ist gut: Wie viel Vorschriften zu Sicherheit und Umwelt gibt es für Autos heute? Und das Beste: Nur wenn ein Auto eine entsprechende Zulassung hat, darf es auf dem Europäischen Markt verkauft werden. Wo bleibt denn die Forderung des Kommentators nach einem Finanzmarkt-TÜV?

  • Sehr guter Artikel. Gibt es das Plädoyer von Herrn Grillo auch zum nachlesen? Google hilft mir gerad nicht dabei...

  • Trennt das Banking vom Zocken und das Problem wäre gelöst.

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