Der Finanzlotse
Ohne Kunden ist alles nichts

Mit ausgefeilten Programmen wollen Banken im Filialgeschäft Kosten senken und Erträge stabilisieren. Der Wunsch der Kunden nach preiswerten und einfachen Produkten bleibt dabei weitgehend auf der Strecke.
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Es scheint so, als steckten Deutschlands Filialbanken in einem Teufelskreis. Die Regulierung treibt die Kosten. Das Geschäft mit Privatanlegern kommt nicht auf Touren. Die Konkurrenz von Direktbanken und anderen Finanzdienstleistern macht ihnen das Leben zunehmend schwerer.

Mal abgesehen davon, wie die Institute ihr Kosten- und Ertragsproblem im Einzelfall lösen wollen, drei ganz entscheidende Voraussetzungen dafür sind:

Erstens, dass es nicht zu einem breitflächigen Anti-Banken-Populismus kommt – heute hat nur mehr einer von fünf Deutschen Vertrauen in die Bankenbranche.

Zweitens, dass nicht massenweise Kunden abwandern – jeder Vierte will hierzulande in den kommenden zwölf Monaten Konten umschichten.

Drittens, dass das Misstrauen der Privatanleger nicht völlig überschießt – die Angst, Banken würden sich auf Kosten von Anlegern bereichern, ist seit 2008 erheblich gestiegen, so kürzlich das Aktieninstitut.

Eines wird jeden Tag deutlicher: Das Geschäftsmodell, mit dem unsere Kreditinstitute seit der Jahrtausendwende bewiesen haben, dass man auch in Deutschland das Filialgeschäft rentabel betreiben kann, ist in die Jahre gekommen. Die Zeiten haben sich geändert, die Nebengeräusche sind zu laut geworden. Vieles, was gestern richtig schien, passt heute nicht mehr so recht in die Landschaft.

Beispiel Fonds: Angesichts ultraniedriger Zinsen verstehen deutsche Fonds-Anleger zunehmend, dass der Segen künftig mehr im kostengünstigen Einkauf als in der weiteren Optimierung der Bruttorendite liegen wird. Wenn Bankberater sie in aktiv gemanagte Fonds hineinberaten, mit einer Kostenquote von zwei oder drei Prozent, blocken viele Kunden heute ab.

Immer weniger Privatanleger glauben daran, dass die hohen Gebühren für diese Produkte auch erwirtschaftet werden können. Und auch institutionelle Anleger, wie die Allianz, sehen sich in einem Anlagedilemma und beklagen, dass die Anforderungen an die Renditen heute von den wenigsten Anlagen erfüllt würden.

Ein Ausweg aus dem Dilemma könnten Indexfonds sein, mit denen sich die Gebühren dramatisch senken ließen. Ein Aktien-Indexfonds (ETF) kostet jährlich etwa 0,1 Prozent bis 0,3 Prozent Gebühren. Für viele Anleger macht es in der aktuellen Situation überhaupt keinen Sinn, einen gemanagten Fonds zu kaufen, für den sie jährlich das Zehn- bis Zwanzigfache hinblättern müssen. Daran ändert auch die absolut unverbindliche Aussicht auf eine über dem Markt liegende Entwicklung des Fonds nichts.

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