Der Finanzlotse
Stress vor dem Stresstest

Eigentlich sollte die europäische Bankenunion die engen Beziehungen zwischen Staat und Banken lockern, doch das Gegenteil ist der Fall. In den Krisenländern der Eurozone sind die Bande fester denn je.
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„Der Stress hat deutlich nachgelassen, wir haben das Schlimmste hinter uns, wir können nach vorne blicke“, so lauten aktuell die offiziellen Botschaften zur Lage der Eurozone im Allgemeinen und zur Situation der Eurozone-Banken im Besonderen.

Wenn es da nur nicht den nächsten großen Schritt in Richtung europäische Bankenunion gäbe, den im Sommer drohenden Stresstest von Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischer Bankenaufsicht (EBA).

Mit diesem Test wollen die beiden Behörden demnächst untersuchen, wie es den 128 künftig von der EZB beaufsichtigten Banken gelingt, unliebsame Überraschungen an den Märkten selbst aufzufangen. Da ist das große Ziel der Bankenunion im Spiel: Die Institute sollen sich künftig nicht mehr auf Kosten der Steuerzahler vor der Pleite retten können, sondern das mit ihren Eigentümern und Gläubigern selbst regeln.

Noch wissen die betroffenen Banken nicht, welche Art von Stress auf sie zukommen wird. Nur Eines wissen sie schon, irgendetwas wird sich bei der Risikobewertung von Staatsanleihen tun, die innerhalb der Eurozone bislang nicht mit einem einzigen Eurocent Eigenkapital unterlegt werden müssen.

Entsprechend groß ist die Nervosität in den Vorstandsetagen der Institute, denn damit steht eine ganze Reihe von Banken, vor allem in den europäischen Krisenstaaten, vor einer gewaltigen Herausforderung. Im schönsten gegenseitigen Einvernehmen haben Politiker und Banker in diesen Ländern nämlich keineswegs daran gearbeitet, die festen Bande zwischen ihnen zu lockern, sondern im Gegenteil, diese noch fester gezogen.

Das Zauberwort dafür heißt Staatsschulden. Mit der grenzenlosen Liquidität der EZB fast zum Nulltarif haben die europäischen Institute heimische Staatsanleihen für hunderte Milliarden Euro gekauft. Insgesamt standen Mitte des Jahres Staatsschulden in Höhe von 1650 Milliarden Euro in den Büchern der „Stresstest-Banken“, das ist laut EBA knapp ein Fünftel der gesamten Ausleihungen dieser Institute.

Krise hin oder her, den Politikern gelang es dadurch, die immer weiter steigenden Staatsschulden zu finanzieren. Die Banker freuten sich über ein glänzendes Geschäft, das sie dringend brauchten, um zum Beispiel notleidende Kreditgeschäfte mit Unternehmen verkraften zu können.

Die Folge: Die Banken in Italien, Spanien und Co. sind die größten Gläubiger ihrer Staaten. Rom steht bei Italiens Banken mit 415 Milliarden Euro in der Kreide, das sind über 20 Prozent der gesamten italienischen Staatsverschuldung. Noch dramatischer ist es in Spanien, dort haben die heimischen Banken sogar fast 35 Prozent der spanischen Staatsschulden in ihren Büchern.

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Krisenländer tricksen mit Banken

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  • Herr Walter, das ist doch alles Lüge.

    Glaubt etwa ein einziger Bürger, dass unsere Politiker dies, was Sie schreiben, nicht auch wüssten, wenn es denn wahr wäre?

    Wenn es wahr wäre, würden doch alle Politiker aus ihrem Amt gejagt, weil sie das deutsche Volk immer tiefer in die "Sch..." reiten. Das deutsche Volk würde ob der großen Last auf die Strasse gehen, rebellieren wie einst bei der französischen Revolution.

    Oder haben Sie doch die Wahrheit geschrieben?

    Dann sollten Sie vorsichtiger formulieren. Diese Art des kritischen Regierungsjournalismus findet man bei HANDELSBLATT-ONLINE kaum noch oder nur zweimal - ein erstes und ein letztes Mal. Als Leser hat man den Eindruck, dass in der Redaktion die Umstellung schon erfolgt ist.

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