Der Finanzlotse
Wer zu spät kommt ...

Schon heute benutzen viele Kunden für den Kauf von Finanzprodukten mobile Endgeräte. Doch die Finanzbranche reagiert nur halbherzig auf den Megatrend der Digitalisierung des Geschäftslebens. Das wird sich bitter rächen.
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Seit einiger Zeit fällt weltweit auf wohl jedem Bankenkongress, so oder so ähnlich formuliert, ein Satz: Finanzinstitute werden sich strategisch, organisatorisch und operativ neu aufstellen müssen, wenn sie die Chancen der Digitalisierung erfolgreich nutzen wollen. Dann wird – vor allem in Deutschland – brav genickt und das war´s dann auch schon.

Erst kürzlich wurde diese defensive Haltung in einer deutschlandweiten Studie von KPMG wieder bestätigt. Man mag es kaum glauben, aber darin gab nur jeder Fünfte der befragten Führungskräfte in Banken und Versicherungen an, dass der durch Digitalisierung verursachte Wandel bis 2020 starke Auswirkungen auf das Geschäftsmodell haben wird. Anders formuliert, 80 Prozent der Bank- und Versicherungsmanager sind offensichtlich überzeugt, dass die Entwicklungen im Internet und bei Smartphones sowie Tablets in den nächsten Jahren keine oder nur geringe Auswirkungen auf das aktuelle  Geschäft haben werden.

So fest von der Zukunft ihres aktuellen Geschäftsmodells überzeugt war in der Studie nur noch die Autoindustrie. Insbesondere in der Telekommunikations- und Medienbranche ist der Anteil derjenigen Manager, die mit fundamentalen Änderungen rechnen mit 60 Prozent dreifach so hoch.

Diese Einschätzung scheint mir doch realistischer zu sein, als die der Finanzindustrie. Das gilt vor allem, wenn man bedenkt, mit welcher rasenden Geschwindigkeit sich die Nutzung des Internets und vor allem der mobilen Endgeräte ausbreitet.

Untersuchungen zeigen, dass in den USA in diesem Jahr vier von zehn Bankkunden ein Smartphone oder Tablet für Bankgeschäfte nutzen. In nur gut einem Jahr hat sich die Zahl dieser Nutzer glatt verdoppelt. In Deutschland geben aktuell sieben von zehn Bundesbürgern unter 30 Jahren an, für Kauf oder Bestellung von Produkten mobile Endgeräte zu benutzen. Bei der Information über Finanzprodukte ist das Internet – egal, ob es am Computer oder am Smartphone genutzt wird – innerhalb von wenigen Jahren die mit Abstand wichtigste Informationsquelle geworden.

Im Grunde kann es nur zwei Erklärungen dafür geben, warum die Finanzindustrie auf diese Entwicklungen so verhalten reagiert: Entweder es fehlt am Geld oder am Willen zur Veränderung. Ersteres mag man noch der lang anhaltenden Finanzkrise in die Schuhe schieben können, für den fehlenden Willen zur Veränderung sind aber die Führungskräfte selbst verantwortlich.

Kommentare zu " Der Finanzlotse: Wer zu spät kommt ..."

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  • Bereits jetzt merkt man, dass ein Großteil der innovativen digitalen Applikationen für das Thema Finanzen nicht von den Banken kommt, sondern von Drittanbietern. Die deutschen Banken laufen hier Gefahr, massiv ins Hintertreffen zu geraten… Auch wenn es für die Banken schwer ist, sowohl die Aufarbeitung der Finanzkrise als auch die digitale Transformation zu managen, müssen diese wieder mehr Gewicht auf die digitale Transformation legen!

  • Also wenn Sie eine ungesicherte Transaktion machen ,oder im offenen Netz Ihr Konto ansehen sind Sie selber schuld.
    Das macht man einfach nicht.
    Jeder kann da mit ein wenig Geschick alles einsehen.
    Ohne eine plausible gesicherte Transaktion mache im online banking ueberhaupt nichts.
    Sie koennten ja auch im Flugzeug Ihren Kontostand und andere private Infos einsehen.
    Aber das gibt es leider all zu oft.
    Ich habe das schon mehrmals erlebt.Diesen Ignoranten ist einfach nicht zu helfen

  • Nun, man kann auch Herrn Walter mal zustimmen :).
    Die deutschen Banken sind schwerfällig, arrogant und nahe am Hinterwald gebaut.
    Diesen Unterschied stellt man auch erst fest, bzw. kann man erst feststellen, wenn man mit ausländischen Banken, sowohl als Kunde, als auch als Anleger, zu tun hat.
    Das fängt beim Kunden selbst an und hört bei Billings, Onlineshops etc. noch lange nicht auf.
    Aber das mit Zahlen übers Handy, ich vermute eher da will die Telkom und Co mal wieder zuviel absahnen, wie bei den anderen Mehrwertdiensten auch.
    Immer wenn Deutschland irgendwo technisch hinterher hinkt, liegt das an Interessengruppen die mitkassieren wollen.

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