Der Finanzlotse
Zurück auf Los?

Ein solides Fundament ist immer die beste Absicherung gegen Erschütterungen. Wenn Europa die Krise bewältigen will, müssen die Dinge in Ordnung gebracht werden, die verantwortlich für deren Ausbruch waren.
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An diesem Donnerstag wird die Europäische Zentralbank (EZB) die Öffentlichkeit über ihren weiteren geldpolitischen Kurs informieren. Auch wenn es dabei wie gewöhnlich nur um die nächsten Monate gehen dürfte, schießen die Spekulationen doch kräftig ins Kraut.

Was mich an diesen Mutmaßungen irritiert, ist die manchmal kaum verborgene Sympathie dafür, dem Kurs der Notenbanken in den USA, in Großbritannien und Japan zu folgen. Der besteht aus drei Eckpfeilern: Die Druckerpressen sind so geschaltet, dass sie den Banken jede Menge Liquidität quasi zum Nulltarif liefern. Die Währungspolitik ist auf eine Abwertung der heimischen Währung ausgerichtet und die himmelhoch verschuldeten Regierungen werden durch den hemmungslosen Kauf von Staatsanleihen vor dem Bankrott gerettet.

Bei Punkt eins gibt es kaum Unterschiede zwischen EZB und den anderen drei Notenbanken, bei den nächsten beiden Punkten tut sich die EZB aus strukturellen  und politischen Gründen deutlich schwerer.

Oberflächlich betrachtet scheint der Kurs von Fed und Bank of England erfolgreich zu sein. Janet Yellen, die neue Fed-Chefin, hat bereits angekündigt, den geldpolitischen Krisenmodus zu korrigieren, und ihr britischer Kollege, Mark Carney, wird sich demnächst diesem Thema stellen müssen. Nur in Japan will das noch nicht so recht funktionieren, dort ist die Krisenstarre anscheinend unüberwindlich.

Was ich mich nur frage: Ist es eigentlich völlig egal, ob bei einer angestrebten Rückkehr zur geldpolitischen Normalität Staat und Banken auf einem soliden Fundament stehen oder eben nicht? Nein, weil Wirtschaftswachstum ohne wettbewerbsfähige Strukturen und Konditionen im Staats- und Finanzbereich nicht möglich ist.

Kommentare zu " Der Finanzlotse: Zurück auf Los?"

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  • DIE STAATSSCHULDEN STEIGEN WEITER! Von einer Stabilisierung kann gar keine Rede sein. Mit steigender Liquiditaet werden lediglich die Schmerzen bekaempft. Sobald die Dosis an Schmerzmittel gesenkt wird (Tapering), werden die Schmerzen zurueckkehren. Eine Normalisierung der Geldpolitik wuerde unweigerlich in die Depression fuehren. Nichts wird sich normalisieren! Wir sind auf der Strasse ohne Wiederkehr.

    Wenn es denn ueberhaupt noch Heilungschancen gaebe:
    1) Vollstaendige Glaeubigerhaftung, weder direkte noch indirekte Beteiligung der Steuerzahler, kein Bailout, rechtzeitige Einleitung von Insolvenzen fuer Banken und Staaten
    2) Keine Staatsfinanzierung durch Notenbanken
    In Folge wuerde ein Pleitedomino die Weltwirtschaft zunaechst in eine tiefe Depression, vielleicht ins wirtschaftliche Chaos stuerzen. Aber es gaebe die Chance fuer einen Neuanfang. Die Alternative ist in jedem Fall langandauerndes, sich staendig verschlechterndes Siechtum, was den endgueltigen Zusammenbruch nur aufschiebt.

    Ich stimme den Aussagen des Autors zu, aber ich wollte, er faende deutlichere Worte.

  • Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 respektive der Eurokrise 2010 geht es den Notenbanken doch in erster Linie um die Reduktion der Unsicherheit. Primäres Ziel ist und war Stabilisierung der Lage, vor allem durch Verhindern einer Wirtschaftsflaute. Nun schreiben wir 2014 und die "Gesamtwetterlage" scheint zumindest deutlich besser zu als noch vor 2-3 Jahren. Es wird daher eine riesige Herausforderung für die Zentralbanken sein, wieder zur Normalität zurückzukehren. Den ersten, wenn auch zögerlichen Schritt, hat die Fed mit dem Zurückfahren der Anleihenkäufe getan. Überraschenderweise wurde dies positiv an den Finanzmärkten aufgenommen. Die restlichen Zentralbanken der Welt sollten nun langsam ebenfalls den Fuß vom Gas nehmen und versuchen, sich langsam aber sicher aus dem Krisenmodus zu verabschieden..

  • Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 respektive der Eurokrise 2010 geht es den Notenbanken doch in erster Linie um die Reduktion der Unsicherheit. Primäres Ziel ist und war Stabilisierung der Lage, vor allem durch Verhindern einer Wirtschaftsflaute. Nun schreiben wir 2014 und die "Gesamtwetterlage" scheint zumindest deutlich besser zu als noch vor 2-3 Jahren. Es wird daher eine riesige Herausforderung für die Zentralbanken sein, wieder zur Normalität zurückzukehren. Den ersten, wenn auch zögerlichen Schritt, hat die Fed mit dem Zurückfahren der Anleihenkäufe getan. Überraschenderweise wurde dies positiv an den Finanzmärkten aufgenommen. Die restlichen Zentralbanken der Welt sollten nun langsam ebenfalls den Fuß vom Gas nehmen und versuchen, sich langsam aber sicher aus dem Krisenmodus zu verabschieden..

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