Der Transformer
Algorithmen in der Grundschule

Revolution an der Schule: England macht Programmieren zum Pflichtfach. Auch in Deutschland wäre das nötig – schon damit die Kinder verstehen, was die Welt bestimmt. Doch hier wird das Geld lieber in Papier investiert.
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In England beginnt mit dem neuen Schuljahr etwas, was in Deutschland derzeit undenkbar ist: Es wird für alle Schülerinnen und Schüler zwischen 5 und 15 Jahren verbindlich das Schulfach Programmieren geben.

Dieser Schritt erfolgte vor allem aus zwei Gründen. Die konservative (sic!) Regierung in Großbritannien hatte erkannt, dass die Schülerinnen und Schüler in internationalen Vergleichen immer weiter den Anschluss verlieren. Der zweite Grund ist allerdings noch viel naheliegender: Untersuchungen hatte ergeben, dass die klassische Art des Informatikunterrichts vor allem die Vermittlung von Office-Kenntnissen beinhaltete und dies sowohl die Schülerinnen und Schüler, als auch die Lehrer langweilte.

Also verkündete Education Secretary Michael Gove im Juli vor einem Jahr einen neuen Lehrplan mit einem Pflichtfach Programmieren. Gove hat zwei Kinder im Teenager-Alter und weiß daher vermutlich recht gut, wie der Unterricht in der Praxis aussieht.

In Deutschland wäre so etwas nicht möglich, nicht nur wegen des föderalen Systems, sondern weil der Druck von Elterninitiativen, Lehrerverbänden und anderen Besitzstandswahrern viel zu groß werden würde. Auf den Stress können die meisten Bildungspolitiker verzichten. Daher werden auch 2014 lieber Pilotschulen vorgestellt, die mit Tablets ausgestattet werden, anstatt mal wirklich etwas Neues zu wagen.

Dabei sorgt eine frühe Beschäftigung mit dem Programmieren für die Lösung eines Problems, das dieser Tage angeregt diskutiert wird: Es gibt zu wenig Frauen, die programmieren können. Dementsprechend gibt es auch viel weniger Frauen, die im IT-Bereich Start-ups gründen und einen generellen Männerüberhang in vielen Berufsfeldern der Kreativwirtschaft.

Führt man Mädchen und Jungen frühzeitig an das Programmieren heran, bekommen sie nicht nur ein Verständnis davon, wie sehr Software viele Aspekte des Lebens bereits jetzt schon beeinflusst, sondern nähern sich dem Thema spielerisch und unvoreingenommen, ohne in überkommende Rollenmuster zu verfallen.

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Kommentare zu " Der Transformer: Algorithmen in der Grundschule"

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  • Es geht nicht nur darum, schon von Kindesbeinen ein tieferes Verständnis für das Programmieren zu entwickeln, sondern auch um die Vermittlung von Methodenkompetenz und den richtigen Umgang mit den heute omnipräsenten digitalen Medien. Von daher wäre die Aufnahme von IT-Inhalten in den Schulkanon sehr zu begrüßen. Es geht nicht darum „Rohlinge für die Wirtschaft“ zu pressen, sondern unsere Kinder auf das Leben vorzubereiten. Und dazu gehört neben Mathematik, Religion und der Kunst auch der verantwortungsvolle Umgang mit der digitalen Transformation in allen Lebensbereichen.

  • @Volker Hetzer

    "- die Zeiten sollten eigentlich vorbei sein,..."

    Richtig, aber man muß Kinder nicht so erziehen, daß sie ohne Digital-Gimmick vollkommen hilflos sind - da sind viele Erwachsene schon schlimm genug.

    Und Überweisungsformulare haben ihren Sinn, denn bedingt durch die Langsamkeit gibt es bessere Kontrollmöglichkeiten (was Fehler betrifft) für den Überweisenden als beim schnellen Klick des Oline-Bankings.

  • Sie gehen davon aus, daß Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nicht mehr sind, als Rohlinge für die Industrie. Sind sie aber nicht; sie sind Persönlichkeiten von Anfang an und sollten sich auch als solche entwickeln dürfen. Dazu brauch man soch "unnütze" Fächer wie Religion, bildende Kunst und Musik. Nebenbei: ich hatte in meiner Schulzeit alle drei Fächer gehaßt und erst später den Sinn dieser Fächer erkannt.

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