Der Transformer
ARD und ZDF springen gefesselt in die Zukunft

Die öffentlich-rechtlichen Sender verschlafen die Zukunft. Diskutiert wird über die Tagesschau-App, aber nicht über innovative Formate. Dabei könnten ARD und ZDF wichtige Dienste leisten – etwa als Facebook-Ersatz.
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Das Verhältnis zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland ist schon paradox. Einerseits ist das Wehklagen über die Haushaltsabgabe groß, andererseits wird den Anstalten der Sprung ins digitale Zeitalter nur mit zusammengebundenen Schnürsenkeln erlaubt.

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) kümmert sich vornehmlich um die Realisierung von Einsparpotentialen und sorgt damit beispielsweise für eine Umgewichtung von angestellten Redakteuren hin zu freien Mitarbeitern. Sie nutzt aber nicht die Möglichkeiten des Finanzrahmens, um den Sender neue Perspektiven zu ermöglichen.

Idiotischerweise gehen wir in Deutschland sogar noch weiter und beschneiden die öffentlichen-rechtlichen Anstalten, indem sie zur sogenannten Depublizierung von Inhalten verpflichtet werden – Videos müssen nach einiger Zeit wieder aus dem Netz verschwinden. Das zeugt gleichermaßen von einem geringen Verständnis von der Digitalisierung der Medien wie von einem Kotau vor den ebenfalls auf dem Markt agierenden Medienhäusern.

Klassische Verlage und private Fernsehsender entwickeln sich zu crossmedialen Medienhäusern, das sollte man auch von ARD und ZDF nicht nur erwarten, sondern aktiv vorantreiben.

Wenn wir die Perspektive eines zahlenden Nutzers einnehmen, dann ist es lange überfällig, dass wir anfangen zu diskutieren, wie denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Zukunft aussehen sollte. Dabei geht es um mehr als die Frage, ob die Tagesschau eine App haben darf und wie viel Text-Anteil diese haben kann, sondern generell um die Herausforderung, aus einem großen Apparat heraus in immer schneller werdenden Zyklen innovative Formate zu entwickeln.

Die deutschen Medienhäuser sind da vergleichsweise fein raus, sie gründen Inkubatoren oder Acceleratoren, um Start-ups zu unterstützen. So binden sie frühzeitig junge, innovative Menschen an das Unternehmen und lassen diese neue Formate entwickeln, die zum Angebot eines Medienhauses neuer Prägung passen können.

Derweil wird in der Politik und in den Führungsetagen der öffentlich-rechtlichen Anstalten diskutiert, ob wir einen eigenen Jugendsender in Deutschland benötigen. Natürlich nicht: Während die jugendliche Zielgruppe lineare Formate immer weniger wahrnimmt und die Kombination von Whatsapp und Youtube für zeitnah kuratierte Inhalte sorgt, wird weiter versucht, mit der Denke des 20. Jahrhunderts auf die Bedürfnisse einer Zielgruppe zu reagieren. Das kann nur schiefgehen.

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Telekolleg fürs Netz

Kommentare zu " Der Transformer: ARD und ZDF springen gefesselt in die Zukunft"

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  • Wenn ich schon das Wort "Formate" lese, wird mir übel. Ich will Sendungen sehen, keine Formate. Muss man denn mit mit einer Sprache, die nur ausdrücken soll wie trendy der Schreiber ist, alles zukleistern. Und so saß das alte Ehepaar vor dem Fernseher und er sprach zu ihr: "Nun, Schatz, welches Format wollen wir uns denn heute abend ansehen?" - "Formate" ist ein journalistischer Fachterminus, dem Normalbürger wird er nicht gerecht.

  • Die Einnahmen von ARD und ZDF sind mehr als ausreichend, um ihre Auftrag nachzukommen. Leider ziehen es diese Sender vor den Privatsendern nachzueifern und den Quoten hinterher zu laufen.

    Wer Zwangsgebühren erhält sollte Klasse statt Masse liefern.

  • von der Rückzahlung der Zusatzeinnahmen würde niemand profitieren ?
    Naja, ausser allen Beitragszahlern eben.
    Und die Bürger sollen politische Themen nicht mehr frei sondern
    nur noch auf staatlichen Platformen diskutieren ? Am besten
    mit der bereits bei den Foren von ARD/ZDF installierten Zensur
    die bei Kritik an der Regierung und der EU Kommentare entfernt
    oder das Kommentieren gleich ganz abschaltet.

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