Der Transformer Datenschutz statt Google-Bashing

Blogger Nico Lumma startet heute seine neue Kolumne. Zu Beginn geht es um Google: Die Politik schießt sich auf den Konzern ein – vor Überwachung schützt sie die Bürger nicht. Ein Zeichen von Hilflosigkeit?
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Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Es ist ein bemerkenswerter Vorgang – und ein hervorragendes Beispiel, wie Agenda-Setting in der Politik funktioniert. Vor einem Jahr hat Edward Snowden die flächendeckende Überwachung des Internets durch die Geheimdienste NSA und GCHQ öffentlich gemacht. Doch in Deutschland wird nicht etwa diskutiert, wie man die Freiheit des Einzelnen vor staatlicher Überwachung schützen kann. Vielmehr geht es darum, ob nicht Google zerschlagen werden sollte.

Viel zu lange haben wir in Deutschland nicht über die Digitalisierung und die Herausforderungen für die demokratische Gesellschaft diskutiert. Das holt uns jetzt ein. Die Forderung, Google zu zerschlagen, zeigt nur, wie hilflos die Protagonisten sind.

Die Bundesregierung hat kaum Interesse, gegen die Überwachungspraxis der Bündnispartner USA und Großbritannien vorzugehen. Doch nicht nur das: Man merkt auch deutlich, wie wenig sie die Dimensionen der Digitalisierung bislang im Fokus hatte. Mittlerweile wird klar, dass Deutschland zu lange abgewartet hat und folgerichtig im internationalen Vergleich nicht die vorderen Plätze belegt. 

Daher wird nun versucht, in der Diskussion über die digitale Agenda zu überholen ohne einzuholen, indem die bewährte Keule der Zerschlagung ausgepackt wird. Allerdings ist Google nicht über Nacht groß geworden, genau so wenig übrigens wie Amazon, Apple oder Facebook. Diese Firmen haben sich von kleinen Start-ups mit disruptivem Potential hin zu großen, weltweit agierenden Ökosystemen mit immenser Marktmacht entwickelt.

Diese Ökosysteme neuer Prägung zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie den Nutzern eine Fülle von Diensten aus einer Hand anbieten. Gleichzeitig wird es für Nutzer – je nach Nutzungsdauer und -intensität – immer schwieriger, das jeweilige Ökosystem nicht mehr zu nutzen. Entweder weil alle Freunde auf Facebook sind, oder weil die Musiksammlung bei iTunes ist, man sich an die Suche gewöhnt hat, oder Filme und Serien Teil eines pauschalen Versandkostenangebots sind - die Möglichkeiten für den sog. Lock-in des Nutzers sind vielfältig.

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