Kurz und schmerzhaft

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Der Transformer: Die gute Seite von Big Data

Dass die DFB-Elf Weltmeister geworden ist, verdankt Deutschland auch der Datenanalyse. Sie war im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Denn Big Data bedeutet viel mehr als nur gläserner Verbraucher.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.
Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Seit Jahren schon gilt der Ausspruch „Daten sind das neue Gold“, aber selten wurden die Auswirkungen so deutlich wie in den letzten vier Wochen. Denn bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wurde Big Data in großem Stil eingesetzt, um die Mannschaften noch besser abstimmen zu können. Zwar sieht man niemanden im Trainerstab, der mit Laptop oder Tablet auf der Bank sitzt, sondern es wird während des Spiels herkömmlich mit Zettel und Stift gearbeitet. Mittlerweile ist die Anzahl der während eines Spiels erhobenen Datenpunkte ist aber locker im Bereich dessen, was man als Big Data bezeichnet.

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Die Branche ist seit Einführung der Ran-Bundesliga-Statistik durch den damaligen Sat.1-Sportchef Reinhold Beckmann 1993 einen weiten Weg gegangen, um mehr als nur interessante Zahlen zu produzieren. Die Analyse und Interpretation des fußballerischen Datengolds wird in Deutschland anhand von SAP Match Insights für Fußball vorgenommen und auch wenn der Name etwas merkwürdig klingen mag, so sind die Analysen für die deutsche Nationalmannschaft Gold wert gewesen.

Interessanterweise denken die meisten Menschen beim Thema Big Data bislang daran, dass der hauptsächliche Anwendungsfalls ist, aus dem mündigen Bürger den gläsernen Verbraucher zu machen. Seine Vorlieben sollen durch Big-Data-Analyse zum Vorschein gebracht und wirtschaftlich ausgebeutet werden. Daher rührt auch die weit verbreitete Abneigung gegen das Sammeln und Auswerten von Daten in sozialen Netzwerken und auf E-Commerce-Plattformen.

Wenn hingegen der Wirtschaftsminister nach getaner Regierungsarbeit abends in seine Arbeitereckkneipe kommt und ihm ein kurzes „N'ahmt! Eima wie imma?“ entgegnet wird, dann freut er sich bestimmt, dass ihm zeitnah ein Salat und ein Glas Wasser kredenzt wird. Oder so ähnlich, jedenfalls kennt man sich auf einer persönlichen Ebene. Wenn allerdings über die Kreditvergabe ein Algorithmus entscheidet, dann sorgt das Zusammenspiel einer anonymen, nicht greifbaren Einheit mit den eigenen Daten eventuell für Unzufriedenheit beim Kunden. Ganz zu schweigen von den ewigen Werbebannern mit Damenhandtaschen, wenn man einmal auf einen Link geklickt hat, der eigentlich nur Informationszwecken dienen sollte und ein Algorithmus nun ein Interesse wittert, das gar nicht da ist.

Wenn man aber Big Data anders versteht, dann geht es nicht nur um die vermeintlich verbesserte Ansprache der Kunden mit passenderen Werbebotschaften, sondern um ein anderes Verständnis der Abläufe innerhalb von Unternehmen und im Zusammenspiel mit deren Geschäftspartnern. Daraus können nicht nur verbesserte Arbeitsbedingungen und ein optimierter Rohstoffeinsatz resultieren, sondern auch greifbare Produktinnovationen und bessere Prognosen über die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens.

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Nora-Vanessa Wohlert - Die Frauenversteherin

Auf Augenhöhe mit Männern, im Büro und auch zu Hause? „Die Frauenversteherin“ wirft einen weiblichen Blick auf Beruf und Lebensalltag.

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Nico Lumma - Der Transformer

Nico Lumma bloggt auf lumma.de. Er arbeitet als selbstständiger Berater und Autor in Hamburg und ist Mitglied im Gesprächskreis Netzpolitik des SPD Parteivorstandes.

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