Der Transformer
Digitalmusik steckt noch in der Entwicklungsphase

Taylor Swift will nicht mehr mit dem beliebten Online-Musikdienst Spotify zusammenarbeiten. Die Abkehr der US-Sängerin offenbart eine Schwäche der neuen digitalen Tonträger.
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Die amerikanische Country- und Pop-Musikerin Taylor Swift hat aufmerksamkeitsstark verkündet, dass sie ihre vier bisherigen Alben künftig nicht mehr auf Spotify zum Hören anbieten wird. Während dies viele Musik-Liebhaber ziemlich kalt lassen wird, wirft diese Aktion ein interessantes Licht auf das Geschäft mit der digitalen Musik. 

Bei Taylor Swift und Spotify gibt es mehrere Themen, die überlagert werden. So hat die Künstlerin gerade erst ein neues Album veröffentlicht und will natürlich, dass dies die größtmögliche Aufmerksamkeit bekommt und entsprechend häufig gekauft wird. Daher war es, wie auch die anderen Alben, nicht zum Start bei Spotify zu finden. Zum anderen wurde am Wochenende bekannt, dass das Label Big Machine, bei dem Taylor Swift unter Vertrag ist, gerade einen Käufer sucht. Als Kaufpreis ist von 200 Millionen Dollar die Rede und da ist es sicherlich hilfreich, wenn die aktuelle Chart-Entwicklung sehr positiv verläuft. Hinzu kommt, dass iTunes als Download-Plattform für Musik auch ein großes Interesse nachgesagt wird, Taylor Swift an sich zu binden, was äußerst lukrativ für Label und Künstlerin sein dürfte.

Das Kernthema ist sicherlich die Ausschüttung, die Spotify den Künstlern anbietet und die Taylor Swift als zu gering betrachtet. Mit ihrer Kritik ist sie nicht alleine, auch viele andere Künstler beklagen, dass man von den Ausschüttungen nicht leben könne.

Der Konflikt zwischen Künstler, Label und Plattformen um eine gerechte Bezahlung ist noch lange nicht gelöst. Bei Superstars wird man davon ausgehen können, dass sie sich weiterhin eine warme Suppe leisten können, aber für Newcomer ist die Verbreitung über Streaming-Anbieter wie Spotify Fluch und Segen zu gleich. Denn die erzielte Reichweite ist nicht gleichbedeutend mit finanziellen Erfolgen.

Für die Verbraucher allerdings bedeutet die Entscheidung von Taylor Swift, künftig nicht mehr bei Spotify zu sein, zumindest eine Umgewöhnung, wenn nicht sogar mehr Kosten. Anders als mit der LP oder CD, die in Plattenläden verkauft wurden und überall abspielbar waren, gibt es bei digitaler Musik eine Verknappung des Angebots. Kaum ein Anbieter hat alles, was ein Verbraucher gerne hören möchte. Herauskommt eine Musiksammlung, die über mehrere Anbieter verteilt ist und für die man unterschiedlich bezahlt, sei es per Download oder per monatlicher Gebühr für das Streaming. 

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Digitale Musik ist zwar viel leichter legal verfügbar, als sie es noch vor wenigen Jahren war. Aber wir sind noch weit entfernt von einem Zustand, der wirklich verbraucherfreundlich ist. Es gibt keine Garantien, dass ein Katalog auch wirklich dauerhaft verfügbar ist, man kann nur eingeschränkt seine Musik von einem Anbieter zu einem anderen mitnehmen und beim Streaming ist das Konzept „meine“ Musik sowieso ad absurdum geführt worden, denn man erhält eben nur Zugang zur Musik. 

Positiv formuliert zeigt Taylor Swift, dass es noch jede Menge Bedarf an Innovation in der Musikbranche gibt, damit Künstler für ihr Werk ordentlich bezahlt werden und die Plattformen die Verbraucher zufriedenstellen.

Nico Lumma arbeitet als selbstständiger Berater und Autor in Hamburg und ist Mitglied im Gesprächskreis Netzpolitik des SPD Parteivorstandes. Er bloggt auf lumma.de.

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