Der Ver(un)sicherer
Altersvorsorge nach der Ampel

Rot bedeutet Gefahr, Gelb steht für Risiko, Grün für unbedenklich: Die Idee, Altersvorsorgeprodukte nach Ampelfarben zu klassifizieren, erlebt eine Renaissance. Bei komplexen Produkten hilft nur „Einfahrt verboten“.
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Lange Zeit stand sie alleine: Edda Castello, die streitbare Verbraucherschützerin aus Hamburg, die als erste mit einer Ampelsymbolik verschiedene Altersvorsorgeprodukte klassifizierte. „Rot“ machte als Warnfarbe deutlich, dass es sich um ein Produkt handelt, welches Gefahren in sich birgt (zum Beispiel die Kapitallebensversicherung). Mit „Gelb“ wurden riskante oder mit Nachteilen behaftete Angebote markiert (zum Beispiel Aktienfonds oder Zertifikate). Und „Grün“ wies schließlich darauf hin, dass es sich hier um empfehlenswerte oder unbedenkliche Geldanlagen handelt.

Sofort bei Veröffentlichung 2009 rief der Ampelcheck stürmische Proteste hervor: Man könne ja nicht einfach so behaupten, dass die Kapitallebensversicherung als Altersvorsorge ungeeignet sei. Und überhaupt, was soll das, Gold als eine mögliche Vorsorge anzusehen (und für Experten sogar Briefmarken- und Kunstsammlungen). Seitdem müssen sich Verbraucherschützer immer wieder der vermeintlich amüsanten Frage stellen, ob denn nun die Briefmarkensammlung geeignet sei oder nicht (ist sie natürlich nicht, war sie auch nach dem Ampelcheck nicht).

Was bei aller Kritik immer verkannt wird: Diese Art der Ampeldarstellung hilft dem unvoreingenommenen Verbraucher erst mal ungemein. Bekommt er doch einen ersten vagen Eindruck von der Vorsorgelandschaft, ohne sich bereits in die Untiefen der Versicherungsintransparenz einarbeiten zu müssen.

Eigentlich wollen die Versicherer mit ihren „Risiko/Chance“-Klassen nun etwas ganz Ähnliches auf die Beine stellen. Dabei wird allerdings auf die Semantik „Rot / Gelb / Grün“ verzichtet und diese durch (vermutlich fünf) Klassen ersetzt. Ein Hauptargument gegen die Ampel war ja stets, dass eine Kategorisierung in nur drei Klassen zu vereinfachend sei.

Nun erlebt aber auf einmal die alte Idee der Ampel wieder eine Renaissance. Niemand geringeres als Elke König, Chefin der Aufsichtsbehörde (und eigentlich nicht besonders verbraucherschutznah), hat die Ampel wieder ins Spiel gebracht. Womöglich kommt nun über Frau König wieder ein neuer Ansatz für eine Altersvorsorge-Ampel (die dann aber vermutlich auf eine Bewertung der Briefmarkensammlung verzichten wird).

Ehrlich gesagt, bezweifle auch ich, dass eine saubere und unproblematische Einordnung sämtlicher Produkte in das Ampelschema gelingen wird. Dazu ist die Produktlandschaft mittlerweile doch zu sehr durcheinander. Und es gibt viele Angebote, die selbst die Vermittler nicht mehr richtig verstehen (können), weil sie zu komplex und intransparent sind.

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Rot, Gelb, Grün – und Einfach verboten

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  • Das Problem bei der Ampel ist ja ein ganz anderes. Es macht keinen Sinn, Produkte mit farbigen Punkten zu versehen, denn das ist nur die produktzentrierte Sicht. Dummerweise steht auf der anderen Seite der "Verbraucher". Und da kann nun einmal für den einen gelb oder grün bedeuten,was für den anderen rot sein muss. Das Produkt allein ist nicht gefährlich oder ungefährlich (bis auf bestimmte wenige Ausnahmen), erst im Zusammenspiel mit den Kenntnissen und Erfahrungen und vor allem den Zielen des Verbrauchers ergibt sich eine sinnvolle Empfehlung oder auch Warnung.
    Der dumme Effekt einer dummen Ampel ist ganz einfach, das Finanz- und Versicherungsprodukte dann von vornherein pauschal abgelehnt oder angenommen werden, ohne sich damit weiter auseinander zu setzen. Das kann in falscher Sicherheit wiegen. Und so kann eine entsprechende Farbkennzeichnung im Endeffekt mehr Schaden anrichten als nützen. Danke Edda? Oh nein, bewahrt uns vor solchen mit ideologischen Scheuklappen bewehrten Vebraucherschützern und vor Verunsicherern die ihrem Namen tatsächlich alle Ehre machen!

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