Der Ver(un)sicherer
Beamtenmikado um 155 Milliarden Euro

Privat Krankenversicherte können den Versicherer kaum wechseln, da sie ihre Altersrückstellung verlieren würden. Anstatt den Versicherten Zugriff zu den 155 Milliarden Euro zu gewähren, tut die neue Regierung nichts.
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Da war doch was? Gab es nicht ehedem vor der Bundestagswahl einiges an Diskussion um die Gesundheitsvorsorge? Da gab es doch Forderungen nach einer Bürgerversicherung oder zumindest nach Reformen innerhalb der Systeme! Und jetzt?

Es geht exotisch zu in Deutschland in Sachen Gesundheitsvorsorge. Wir haben nämlich das sogenannte „duale System“, fasst einzigartig in der Welt. Das hat (hier) nichts mit Müllentsorgung zu tun. Sondern es bezeichnet das Nebeneinander einer umlagefinanzierten Gesundheitsvorsorge (über die Krankenkassen) und einer kapitalgedeckten Vorsorge (über die privaten Krankenversicherungsunternehmen).

Und diese Exotik treibt verblüffende Blüten. So hat sich die Politik über die letzten Jahre redlich Mühe gegeben mehr „Wettbewerb“ in die Gesundheitsvorsorge zu bringen. Üblicherweise verbindet man ja gerade die Privatwirtschaft mit „mehr Wettbewerb“. In Sachen Gesundheit aber weit gefehlt, sehr weit. Denn hier haben die „staatlichen“ Kassen mittlerweile schon einen spürbaren Wettbewerb, der sogar dazu führt, dass die Versicherten zuweilen emsig zwischen den Kassen wechseln.

Von einem solchen Wettbewerb kann man bei den privaten Krankenversicherungen nur träumen. Hier heißt es für den Verbraucher, einen Vertrag einmal abzuschließen und dann möglichst nie, nie wieder freiwillig den Anbieter wechseln. Wenn sich das Versicherungsunternehmen von sich aus ändert, dann muss der Kunde natürlich mitmachen (Raider heißt jetzt Twix, Vereinte heißt jetzt Allianz). Möchte der Privatversicherte aber von sich aus wechseln, dann muss er das teuer bezahlen. Nämlich mindestens mit einem spürbaren Teil seiner Alterungsrückstellung, oft auch mit der gesamten Alterungsrückstellung.

Bei der Alterungsrückstellung geht es nicht nur um Peanuts. Da geht es um richtig viel Geld, nach Angaben der Versicherungsunternehmen um etwa 155.000.000.000 Euro. Bei einer solchen Zahl werden natürlich Begehrlichkeiten geweckt. Die Versicherungsunternehmen (sehr viele) möchten sich nur ungern von diesem Geld trennen, manche Gesundheitspolitiker (eher wenige) sehen hier einen Pool aus dem man schöpfen kann, um das umlagefinanzierte System zu stützen und andere Gesundheitspolitiker (schon ein paar mehr) möchten mit dem Geld das Zusammenführen der beiden Systeme ausfinanzieren.

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Fehlanzeige! Fehlanzeige! Fehlanzeige!

Kommentare zu " Der Ver(un)sicherer: Beamtenmikado um 155 Milliarden Euro"

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  • Offiziell will man bei uns ja keine Zweiklassengesellschaft, aber dass man Gutverdienern eine bessere Krankenbehandlung zugesteht, das versteht sich doch von selbst. Für alle Bevölkerungsschichten eine Gleichbehandlung kann es gar nicht geben, weil wir eben doch nicht gleich sind. Und zu den Ungleichen gehören auch die Politiker, die sich auch nicht zwei Stunden ins Wartezimmer setzen wollen, wie die Gewöhnlichen.

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