Der Ver(un)sicherer: China ist auch keine Hilfe

Der Ver(un)sicherer
China ist auch keine Hilfe

Die Deutschen werden immer älter – und es gibt auch immer weniger Junge. Die Demographie sorgt für ein Dilemma in der Altersvorsorge, sowohl bei staatlicher wie privater Rente. Gibt es einen Ausweg?
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Wir haben in Deutschland ein demographisches Problem. Klar ist, dass unsere Gesellschaft im Schnitt immer älter wird. das hat Auswirkungen. In dem Umlagesystem der staatlichen Rente sind immer weniger Menschen aktiv in Lohn und Brot. Und diese Wenigen müssen dann immer mehr ältere Mitbürger finanzieren. Da müssen dann entweder die Aktiven auf Geld verzichten, oder aber die Älteren bekommen weniger Rente.

In dieser Situation klingt doch die Kapitaldeckung der privaten Altersvorsorge, in der jeder seine persönliche Rente selbst anspart, nach einer pfiffigen Lösung: Diejenigen, die später im Alter weniger Rente befürchten, legen heute das Geld an und bekommen dann durch Zinsen eine Zusatzrente.

Dann ist das mit der niedrigeren Rente durch das Umlagesystem auch nicht mehr so schlimm und die zukünftigen Generationen müssen keine übermäßigen Abzüge befürchten.

Aber ist das so einfach? Leider nicht. Bei der Kapitaldeckung privater Vorsorge ist der vermeintliche Kniff ja gerade, dass die Rentenzahlungen aus dem Umlagesystem durch Zinszahlung aus der Kapitaldeckung ersetzt werden sollen. Während bei der Umlage die zukünftig Aktiven geschröpft werden, wäre dies bei den Zinszahlungen ja nicht der Fall – so der Volksglaube.

Stimmt das wirklich? Und wer zahlt dann die Zinsen? Die Zinserträge sind ja kein virtuelles Geld. Sie müssen irgendwie aus der Realwirtschaft abgezwackt werden, wenn sie als echte Rentenzahlungen dann auch verbraucht werden sollen.

Irgendjemand muss also im echten Wirtschaftsleben Erträge, Gewinne als Zinszahlungen an die Rentner überweisen (dann meist über den Umweg einer Bank oder Versicherung).

Zukünftig steht dieses Geld dadurch aber der Realwirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Das führt zum Beispiel zu niedrigeren Löhnen für die dann aktiv Erwerbstätigen. Oder aber es finden weniger Investitionen statt und es gibt weniger Arbeitsplätze. Auf jeden Fall fehlt das Geld im normalen Wirtschaftsleben. Die zukünftige Realwirtschaft wird durch die Zinszahlungen belastet. So funktioniert das Kapitaldeckungsverfahren.

Es ist also ein Dilemma: Im Umlageverfahren der staatlichen Rente müssen die Aktiven zukünftig mehr Geld an die dann Alten überweisen und im Kapitaldeckungsverfahren der privaten Vorsorge müssen die Aktiven zukünftig eine um die Zinszahlungen an die Alten geschwächte Realwirtschaft ertragen.

Was also tun?

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Kampf um die Altersvorsorge

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  • c) Ist –weltweit betrachtet – aufgrund der immer noch wachsenden Weltbevölkerung wohl ten-denziell weiterhin mit einem Wachstum der Weltwirtschaft zu rechnen. Wesentliche Wachs-tumsmotoren sind jedoch mit Sicherheit nicht hier in Deutschland oder Europa zu finden sondern eher in aufstrebenden Schwellenländern mit wirtschaftlichem Nachholbedarf. Seinen persönlichen Anteil am dortigen Wachstum, der die hierzulande zu erwartende Stagnation ausgleichen könnte, kann man sich jedoch (siehe Punkt c) nur über Kapitaleinkünfte, also Zinsen oder Unternehmensgewinne sichern.
    d) Beschränken sich die wesentlichen Einkünfte der meisten deutschen auf Lohneinkünfte, oder im Fall eines Rentners/Pensionärs aus seiner Pension/Rente sowie den in Deutschland präfe-rierten Zinseinkünften. Aufgrund der Zinsflaute dürfte bei letzteren jedoch auf absehbare Zeit kein wesentliches bzw. kein real gleich bleibendes Einkommen erzielt werden können; aufgrund des demographischen Wandels kann dies wohl für Pensions- und Renteneinkünfte ebenso ausgeschlossen werden wie für die Gesamtheit des deutschen Volkseinkommens (inkl. Unternehmensgewinne). Was in Deutschland jedoch bei weitem unterrepräsentiert ist, ist die Beteiligung an der Wirtschaft (Aktien), welche immer noch gute Dividenden bringen – und nebenbei noch Mitspracherechte im Unternehmen beinhalten. Leider befindet sich jedoch der Großteil der deutschen Unternehmen mehrheitlich in ausländischer (angelsächsischer Hand), was bedeutet dass nicht nur die Unternehmensgewinne (+ Steuern) ins Ausland wandern sondern auch die Unternehmensführung oftmals wesentlichen Einflüssen/Interessen aus dem Ausland unterworfen ist (z.B. Standortverlegungen, Schließungen, steuerliche Gestaltungen a la Luxemburg/Caymen Islands/Bahamas usw). Durch eine stärkere Umschichtung des Volksvermögens ins (eigene) Produktivvermögen ließen sich hier somit mehrere Aspekte zum volkswirtschaftlichen Gemeinwohl bewegen.

  • Sehr geehrter Herr Kleinlein,
    prinzipiell liegen Sie mit Ihrer Analyse schon richtig. Letzten Endes handelt es sich immer um eine Umverteilung von aktueller Wirtschaftsleistung – egal ob in Form von Zinsen, Dividenden oder auch in Form von Löhnen bzw. Rentenversicherungsbeiträgen/Steuerzahlungen. Jedoch gibt es doch einige große Punkte, die für eine Stärkung der privaten, kapitalgedeckten Altersvorsorge sprechen.
    a) Verschiebt sich langfristig, wie bereits von einigen Vorkommentatoren angemerkt wurde, das volkswirtschaftliche Einkommen leider meist Einseitig zu Gunsten von Unternehmens-/Kapitalgewinnen und zu Lasten von Lohneinkommen. Diese Situation ist übrigens nicht neu, was auch schon von Karl Marx bemerkt und kritisiert wurde (siehe Volkseigene Betriebe der DDR). Eine Streuung des Einkommens auch auf die Seite der Kapitalgewinne hin ist also hier langfristig ein guter Garant für eine bessere Aufteilung des gesamten volkswirtschaftlichen Einkommens und Vermögens.
    b) Lässt sich mit Kapitaleinkünften das Einkommen nicht nur lokal bzw. national streuen, wie dies bei Lohneinkommen der Fall ist. Eine schwere Wirtschaftskrise oder aber der bevorstehende Demographische Wandel könnte hierzulande für größere Verwerfungen und insgesamt zu deutlichen Einbußen beim gesamten Volkswirtschaftlichen Einkommen führen. Über entsprechende Kapitalanlagen ist wie richtig bemerkt wurde ein Abschöpfen von Einkommen aus anderen Wirtschaftsräumen, wie dies z.B. die USA seit Jahrzehnten erfolgreich betreiben, ebenso möglich wie eine damit einhergehende Risikostreuung (Diversifikation) der Einkommensströme für den einzelnen oder auch die gesamte Volkswirtschaft.

  • Hallo Herr Kleinlein,
    ich gebe zu, dass ich mit dem amackenroth-Theorem schon immer Problemehatte.
    Denn Zinsen entstehen zum Großteil aus dem erwirtschaftetem Mehrwert im Anlagezeitraum.
    Wenn ich ein Haus finanziere und vermiete erwirtschaftet der Mieter einen Großteil der fälligen Zinszahlungen,,dafür nutzt er ja das Haus. Zwar zahle ich auch selbst zu,mdoch dafür gehört mir die Hütte auch irgendwann schuldenfrei.
    Ziehe ich dagegen selbstbein, spare ich die Miete und ersetze sie durch den Mix Zins plus Tilgung und diejenigen, die mir das Geld leihen, verdienen an den Zinsen.
    Ist also lles gut kalkuliert und nicht zu teuer erworben oder finanziert, rechnetnsichndas für alle Seiten.
    Zinsen belasten also eine Wirtschaft nur dann, wenn sie dem Konsum dienen
    Ein Unternehmer, der Projekte finanziert und sich dafür Geld leiht, tut dies, so,er gute kalkuliert ebenfalls nicht zu seinem Schaden, denn er verdient an dem Projekt.
    Ist er ein schlechter Unternehmer scheidet er bald aus dem Markt.
    Pensionskassen legen ihre Geldeingänge ja auch weltweit an und erwirtschaften so einen Mehrwert, der zukünftig bei Auszahlung der Renten wieder aushezahlt wird.
    Das Geld der Renter arbeitet also und bei Auszahlung fließt es ebenfalls wieder in den Geldkreislauf.
    Daher kann ich Ihnen ausnahmsweise nicht so recht zustimmen.
    doc es mag auch sein, dass ich den guten alten Mackenroth nicht so richtig kapiert habe.

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