Der Ver(un)sicherer
Der Aktuar – einer der brutalsten Berufe?

Film und Fernsehen hat die Versicherungsmathematiker für sich entdeckt. Meistens werden Aktuare als brutale Mörder oder Psychopathen dargestellt. Dabei gibt es bei den Versicherern ganz andere Herrscher des Horrors.
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Der „Aktuar“, oder einfacher ausgedrückt der „Versicherungsmathematiker“ ist eine seltene Spezies. Seine Aufgaben sind hochkomplex, man findet ihn meist an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Betriebswirtschaft und (Unternehmens-)Politik.

Stets ist es der Aktuar, der im Unternehmen der Garant für die Einhaltung des Kollektivgedankens ist. Er gilt als Wahrer des Versicherungsgedankens. Und eigentlich hat er auch die Aufgabe, das erste Bollwerk des Verbraucherschutzes zu sein. Für diejenigen, die diesen Berufszweig nicht kennen stellt sich aber immer wieder die Frage: Wer sind diese Aktuare?

Geht man alleine nach dem Deutschen Fernsehen, so ist der Berufsstand des Aktuars außerordentlich gewalttätig. Aktuare wären demnach eher brutal und drangsalieren ihre Mitmenschen bis hin zum Mord. Die Beispiele aus der Fernsehwelt machen das deutlich.

Erst in diesem Frühjahr in der Fernsehserie „Bloch“, versuchte Dieter Pfaff als Psychotherapeut Maximilian Bloch einen Aktuar zu therapieren. Der Versicherungsmathematiker schlug und misshandelte seine schwangere Frau. Devid Striesow (auch bekannt als Saarbrücker Tatortkommissar) spielte den psychisch derangierten Aktuar und ließ diesen Berufsstand nicht im besten Licht erscheinen. Geradezu krankhaft zählt Striesow Kacheln und lässt den Zuschauer glauben, Versicherungsmathematiker würden die Welt nur als Zahlen begreifen.

Im Tatort ist es noch schlimmer. Hier ergötzte sich die bundesdeutsche Nation an dem mordenden Versicherungsmathematiker Konrad Pfandler. In seiner letzten großen Rolle spielte Curd Jürgens den brutalen Stuttgarter Versicherungsmathematiker, der seinen Sohn in den Alkoholismus treibt und seine Morde zwar genau plant, aber dann doch über eine Kleinigkeit stolperte. „Rot Rot Tod“ war der zuschauerstärkste Tatort aller Zeiten und prägt damit auch ein wenig das verzerrte Bild des Versicherungsmathematikers in der deutschen Öffentlichkeit.

Es muss aber nicht sein, dass Aktuare immer als brutale Monster erscheinen. In dem wohl erfolgreichsten Film über einen Aktuar, mimt Jack Nicholson den gerade in den Ruhestand geschickten Warren R. Schmidt. Sehr einfühlsam (und überhaupt nicht brutal) lässt Nicholson den leicht schrulligen, dabei aber doch sympathischen Aktuar in seine zweite (oder erste?) Midlifecrisis stolpern. Der Golden Globe für den besten Hauptdarsteller und das beste Drehbuch und viele weitere Nominierungen für Oscars und weitere Globes bezeugen, dass es sich hier um eine große Darstellung eines Aktuars handelt.

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„Die wahren Herrscher des Horrors“

Kommentare zu " Der Ver(un)sicherer: Der Aktuar – einer der brutalsten Berufe?"

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  • Leider gibt es immer wieder Leute, die nicht kapieren, dass ein Lebensversicherungs-Aktuar kraft Gesetzes vorsichtig kalkulieren muss.
    Er kann nämlich nicht nacher zur Aufsicht laufen und wegen unvorsichtiger Kalkulation der Sterblichkeit die Beiträge erhöhen.
    Für den Kunden hat die vorsichtige Kalkulation übrigens keine Auswirkungen. Sterben die Kunden früher, dann ergeben sich Sterblichkeitsgewinne, die an die Kunden ausgeschüttet werden. Die Ausschüttungsquote dieser Gewinne liegt übrigens um die 90 %, bei vielen Versicherern auch darüber (siehe aktuelle Wiwo). Im Grunde bringen Sie also nur ein Scheinargument.

    Achtstellig ist ja schön. Wollen wir hoffen, dass am Ende Ihres Geldes später nicht mehr so viel Leben übrig ist.

  • Hat Spaß gemacht einen Aktuar aus dem Nähkästlein plaudern zu lesen: mit Furcht und Angst lassen sich immer noch zuverlässige Erträge generieren.
    Das kann man weniger Versicherungsmathematikern anlasten, als vielmehr den Auftraggebern von Versicherungsmathematikern, die, oh Wunder sagte die Flunder, weitaus besser mit den Bedingtheiten der menschlichen Natur vertraut wirken als ein Versicherungsmathematiker es zuzugeben bereit scheint.

  • solange in der branche zur zeit mit nem zukünftigen durchschnittslebensalter um die 100 jahre gerechnet wird hamn die vögel keine schrullen sondern jede menge kriminele energie.

    sie mischen halt mit ,weil sie ooch frau ,freundin,
    kinder, internate,villen,ferienhäuser,zweitwagen und sonstigen kram wie ihre führungskollegen zum standesgemäßen dasein benötigen.

    alles , nur keine lebensversicherungen,,dami8t hab ichs 8stellig geschafft

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