Der Ver(un)sicherer
Der verantwortungslose Staat

Das Versprechen, das Mutter Bundesrepublik ihren Schäflein einst gab, konnte sie nicht halten. Der sozialen Absicherung hat sie sich zum Teil entledigt. Die private Vorsorge liegt darnieder. Geschichte einer Täuschung.
  • 5

Es war einmal eine kleinere Bundesrepublik. Dort lebten und arbeiteten die Menschen, zahlten ihre Steuern und zahlten auch ihre Beiträge zur Sozialversicherung. Der Staat übernahm die Verantwortung. Er mühte sich um eine annehmbare Absicherung seiner Bürger. Es bestand Konsens, dass er seiner Verantwortung auch recht annehmbar gerecht würde. Man war sich einig, dass sich alle gemeinsam freiwillig auf dieses System geeinigt hätten – auch wenn böse Zungen wisperten, dass die kleine Bundesrepublik das nicht ganz freiwillig machen würde. Denn sie müsse ja dem kleineren Nachbarn zeigen, dass man auch immer soziale Verantwortung für seine Bürger übernehmen wolle und stets soziale Kälte meide.

Es gab aber auch Bürger, die sich mokierten, dass die Leistungen des Staates doch eigentlich höher sein sollten. Und nochmals andere riefen dazu auf, dass sich der Staat zurückziehen solle und die Eigenverantwortung der Bürger gestärkt werden müsse. Es wäre besser, der Staat würde Infrastruktur oder gar soziale Absicherung in private Hände legen. Und die Stimmen raunten sich zu, dass es auf einer gar nicht so fernen Insel eine starke Frau gäbe, die diese Ideen tatsächlich verfolgte! Doch diese Stimmen waren leise und fanden nur wenig Gehör.

Aber dann änderte sich alles!

Denn die kleine Bundesrepublik und der Nachbar kamen sich auf einmal sehr nahe. Man wiedervereinigte sich gar. Und die nun nicht mehr ganz so kleine Bundesrepublik machte sich auf, sich der neuen Verantwortung zu stellen: Die Infrastruktur sollte auf einen einheitlichen Stand gebracht werden, alle Bürger sollten gleichermaßen abgesichert werden und die Landschaften sollten blühen. Doch dies war alles nicht so einfach. Und es wollte nicht gelingen, wirklich allen Bürgern in kurzer Zeit einen Telefonanschluss zu geben, die Eisenbahn hatte noch immer Verspätung und statt prächtiger Blüten fanden sich zuweilen garstige Disteln. Nun war guter Rat teuer!

Und so bekamen nach einigen Jahren die einstmals leisen Stimmen immer mehr Gehör. Zwar war auf der nahen Insel die einstmals starke Frau längst abserviert und die Erfolge der Privatisierung mochten sich dort nicht richtig einstellen. Doch nun gab es in der Bundesrepublik eine starke Frau! Und sie entschied sich einen neuen Weg zu gehen: Es galt nun, vieles in private Hände zu legen, worum sich der Staat früher gesorgt hatte.
Und so bekamen die Bürger die Aufgabe, sich immer mehr selbst um die eigene Absicherung zu kümmern. Man solle sich der Finanzwirtschaft bedienen um einen Ersatz für die einstmals starke, staatliche Absicherung zu finden.

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Versicherer sind gute Kaufleute

Kommentare zu " Der Ver(un)sicherer: Der verantwortungslose Staat"

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  • Es war ein kleiner Herr Kleinlein ! Er hatte seinen Job, war gücklich und freute sich im Bereich der Finanzwirtschaft tätig sein ..aber dann ..dann wurde seine Berufswelt böse mit Ihm und er kehrte Ihr den Rücken ,mit dem Versprechen Sie immer an Ihr Bösesein zu erinnern ..

    Für mich sind die IMMER fortwährenden Kritiken eines Herrn Kleinlien zu einfach ,polemisch und Sie bieten ( bei echter angebrachter Kritik ) keine Alternative der Verbesserung an !

    "Richtige" Experten wie z.sp. Herr Prof. Dr. Rüffelhüschen der Roß / Reiter und Zahlen / Entwicklung unserer Sozialsysteme bis 2022 nennt, vertritt folgerichtig das die DR bis dahin über Ihre eignen Füsse gestolppert ist, private Vorsorge wichtiger denn je sein wird ! Er malt prognostizierte 2 % des Verdienst die eigentlich zwanghaft ab Beginn der Lehre in einer ? ..jetzt komm´s BAV oder andere geförderte Altersvorsorge des Staates investiert kann ,auf !

    Menschen wie Prof. Rüffelhüschen begegnet jeden Kritiker der Privaten Versicherungswirtschaft in Punkto Rentenvorsorge mit Fairness gegenüber , gibt aber auf jeder Veranstaltung zu verstehen " ..das wenn die Kritiker sich nur des Kritisieren her berühmt & bekannt machen nicht ernst zu nehmen sind, denn Sie keine Alternativen aufzeigen !

    "Gold und Festpapiere oder Immobilien als einzige Altersvorsorge zu "kaufen" ? so stellt sich diese Frage nicht für Prof. Rüffelhüschen " Wir alle habe die gleichen Märkte als Anlage zur Verfügung , diese sind genauso starken wie risikoreichen Schwankungen unterlegen !

    Wer tauscht seine Festverzinsung in einer RV gegen eine in z.Bsp. Hamburg gekaufte Immobilie , die vielleicht in zwei Jahren nicht mehr denn Wert des Kauf darstellt, weil in 20km Nähe ein Einkaufszenrtum mit Zufahrtstrassen gebaut wird.. ? Keiner oder nur welche , die dies nicht bedacht haben !

    So macht Herr Kleinlein das was er immer schon macht : Kritik üben ..allerdings ohne Nähwert und Alternativen ..

    In diesem Sinne HG DerMakler

  • Bravo, endlich mal ein klarer und wahrer Artikel von Herrn Kleinlein. Die Abhängigkeit von Staat und Versicherer ist eines der Hauptprobleme, weshalb die Zinsen nicht steigen und die Erträge der LVs weiter schwach bleiben werden.

    Was ist die Alternative? Nicht auf den Staat verlassen, das ist klar. Private Vorsorge ist aber größer als nur eine LV abschließen oder das Geld verantwortungslos am Bankschalter abgegeben. Man muss und wird sich in Zukunft auf ganz neue Anlagen einstellen müssen - ganz ohne die "behauptete" Garantie, aber dafür mit vernünftigen Zinsen.

  • Eine einleuchtende Darstellung nahezu brillant einfach, die hoffentlich eine breitere Leserschaft erreicht und zur Einsicht verhilft. Einmal mehr, aber eben gut verständlich, wird eine Fehlentwicklung angesprochen, die dem kritiklosen Lauf der Lemminge hin zur Privatisierung um jeden Preis folgt. Die "Befreiung" des Staates von der Versorgungsverantwortung gegenüber seinen Bürgern zugunsten der Gewinnmaximierung privater Dienstleister ist ethisch und moralisch ein Tiefpunkt im Verständnis der modernen Variante sozialer Marktwirtschaft.

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